Sonntag, November 06, 2016

Paranoia




Geheimdienstparanoia  - paranoia securistică

Der Fall Nikolaus Haupt – cazul Nicolae Haupt

1903-1992

[2. Februar 1960. Securitateoberstleutnant Wiliam Steskal, Leiter der Temeswarer Regionaldirektion der Securitate, genehmigt die Eröffnung der Beobachtungsakte von Nikolaus Haupt auf Vorschlag des Securitatehauptmanns Ludovic Toldan, des Securitatehauptmanns Alexandru Dobrescu, dem Chef der Dienststelle II, und des Securitatehauptmanns StefanKeckemeti, Chef der Abteilung II]  

[2 februarie 1960. Lt.-Col. Wiliam Steskal, şeful direcţiei regionala a Securităţii din Regiunea Timişoara aprobă deschiderea „dosarului individual” asupra lui Nicolae Haupt, propusă de căpitanul de Securitate Ludovic Toldan, căpitanul Alexandru Dobrescu, şeful Biroului II, şi căpitanul Stefan Keckemeti, şeful Serviciului II]

ACNSAS, I 1050764, vol.1,  ff. 1-2

Anmerkungen zu einigen in dem Dokument erwähnten Personen

(*) Nikolaus Haupt (1903-1992), Sohn des banatschwäbischen Mundartautors Ägidius (mitunter auch Egidius geschrieben) Haupt (1861-1930). In der Zeit zwischen den Weltkriegen, ab 1928, tätig als Journalist in Temeswar: Banater Deutsche Zeitung (erscheint nach der Gleichschaltung mit dem Siebenbürgisch deutschen Tageblatt von 1941-1944 unter dem Namen Südostdeutsche Tageszeitung - mit einer Ausgabe für das Banat und einer Ausgabe für Siebenbürgen); 

1938-1943 Herausgeber des pronazistischen Boulevardblatts Neueste Nachrichten
Als Nazipublizist nach dem 23. August 1944 für kurze Zeit im Lager von Tîrgu Jiu interniert, danach lebte er zeitweilig in einem Versteck, 1948-1949 Mitarbeiter der Temeswarer Zeitung und der Freiheit. (Ausführlich über die Geschichte der Temeswarer Zeitung in dem Standardwerk von Eduard Schneider, Literatur in der „Temeswarer Zeitung”. 1918-1949, IKGS Verlag, München 2003; plus CD: Bibliographie.)
1951 wurde Haupt verhaftet, von dem Temeswarer Psychiater Eduard Pamfil für unzurechnungsfähig erklärt und in eine Lugoscher Nervenheilanstalt eingewiesen (cf. Mitteilung von Oberstleutnant Aurel Moiş und Oberleutnant Ernest Deitel vom 25. Oktober 1951, ACNSAS, P 12222, vol. 2, Bl. 15 und Bl. 16; Ärztliches Gutachten vom 18. Oktober 1951, ebenda, Bl. 17). Dass er der Securitate erfolgreich eine Nervenkrankheit vorgetäuscht hatte, wird der Geheimpolizei von ihren inoffiziellen Mitarbeitern „Meyer Iosif” (hier falsch geschrieben: Mejer Josif, d.i. Hans Weresch) und „Kiss Pavel” mitgeteilt. („Kiss Pavel”, der klerikalen Kreisen nahestand und dessen Identität nicht eindeutig ermittelt werden konnte, hatte zahlreiche Personen denunziert). 
Bis zu seiner Pensionierung 1968 arbeitete Haupt in einem Temeswarer Betrieb. Ende der 1960-er Jahren beginnt er wieder zu veröffentlichen und beteiligt sich an den Sitzungen des Temeswarer Literaturkreises Adam Müller-Guttenbrunn (dem seit 1968 bestehenden Nachfolgekreis des Flacăra- bzw. Nikolaus-Lenau-Literaturkreises). In der Mundartbeilage der Temeswarer Neuen Banater Zeitung veröffentlichte er Gedichte im schwäbischen Dialekt. In den 1970er Jahren erscheinen von ihm auch einige politisch unverfängliche Kinderbücher (Herr Löffelstiel auf Reisen, 1976; Feuersalamander, 1978). 
Nikolaus Haupt gehörte zu den vehementen Gegnern von Herta Müller, die er in einem in der Neuen Banater Zeitung (NBZ) vom 5. Juli 1981 veröffentlichten Beitrag  heftig kritisierte und den Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreis rügte, weil er der Verfasserin des satirischen Textes Das schwäbische Bad den AMG-Preis zugesprochen hatte (vgl. William Totok, Die Zwänge der Erinnerung, S. 58-59. Aus der Stellungnahme Haupts zu Herta Müller wurden in der Banater Post, im Dezember 1984, einige Zitate in einen Verleumdungsartikel reproduziert. Der besagte Artikel kann am Schluss dieser Dokumentation vollständig gelesen werden.) Im Dezember 1982 veröffentlichte er in der NBZ das Gedicht Rebellen-Song, das die Geheimpolizei als umstürzlerisch einstufte (siehe NBZ, 31. Dezember 1982, S. 3): 





Rebellen-Song

Wir schweigen still. Doch hinter diesem Schweigen
wächst riesengross ein stummverkrampfter Hass.
Je tiefer auch wir unser Antlitz neigen,
die Zornesfalten, scharfgeritzt, sie bleiben.
Sie werden tief und hart. Sie werden blass.

Wir warten stumm auf eine grosse Wende.
Alle warten! Alle stehn bereit!
Wir ballen zähneknirschend unsre Hände,
wir schüren Gluten, legen tausend Brände
in tausend Herzen. Bald kommt unsre Zeit!

Die Zeit, die allergrößte aller Zeiten,
die Dämme niederreisst und Ketten bricht,
da alle Arme sich zum Sturm bereiten,
von allen Türmen alle Glocken läuten
und flammend unser Zorn zum Himmel sticht!


[6. Januar 1983. „Voicu” übersetzt ins Rumänische den Text von Nikolaus Haupt, „Rebellen-Song” und interpretiert ihn für die Securitate, ebenso auch weitere literarische Texte von Nikolaus Berwanger, Richard Wagner und William Totok, die auf einer Seite – „AMG-Wortmeldungen” - in der Neuen Banater Zeitung vom 31. Dezember 1982 erschienen sind; auf der Seite waren mit Beiträgen noch vertreten: Hans Mokka, Johann Lippet, Eduard Schneider, Horst Samson, Rolf Bossert, Herta Müller, Helmuth Frauendorfer, Otto Aczel und Josef Hornyacsek] 



[6 ianuarie 1983Voicu traduce în limba română textul lui Nikolaus Haupt, „Songul rebelilor”, apărut alături de alte texte literare, semnate de Hans Mokka, Nikolaus Berwanger, Richard Wagner, Johann Lippet, Eduard Schneider, Horst Samson, Rolf Bossert, William Totok, Herta Müller, Helmuth Frauendorfer, Otto Aczel şi Josef Hornyacsek, pe o pagină întreagă în Neue Banater Zeitung din 31 decembrie 1982, furnizînd Securităţii interpretări denunţătoare privindu-i pe: Nikolaus Berwanger, Richard Wagner, William Totok, despre care afirmă că „merită toată atenţia”] 

[...] Cum poate publica un Nikolaus Haupt, fost redactor şef a (sic) unui ziar pronazist din Timişoara şi cunoscut ptr. ideile sale pangermanice, o astfel de poezie în NBZ la ora  actuală?!
Cine sînt rebelii? Cine sînt acei care „tac molcom” şi urăsc cu o „ură surdă”? La ce schimbare aşteaptă acei „muţi”? Care este „acel timp, cel mai grozav din toate timpurile”? 
Este o poezie pur nazistă, cum s-a scris prin anii 1935-1945 şi în Banat. Tot vocabularul este nazist: „Nu mai e mult şi va veni timpul nostru!”
Mare trebuie să fie mirarea unui cititor, cînd citeşte aceste rînduri. Sursa se miră, cum de au tolerat ceilalţi poeţi să publice împreună cu acest „pseudopoet”, doar ei nu se consideră pangermanici, ci mai ales intelectuali „de stînga”.


CNSAS, I 210847, vol. 2, ff. 328-335, aici f. 333.


Anmerkung - adnotare 

- Haupt wurde für diesen Text mit einem schriftlichen Verweis bestraft. Einzelheiten zu diesem Vorgang weiter unten im Anhang, vgl. die Erklärung von Nikolaus Haupt bezüglich seines 1982 in der NBZ erschienenen Textes „Rebellen-Song”, verfasst im Laufe einer Vorladung zur Temeswarer Securitate am 9. Oktober 1985. Zu Haupt siehe auch Petri, Biographisches Lexikon..., S. 652-653.) 


– Pentru textul său, Haupt a fost pedepsit cu o mustrare scrisă. Detalii mai jos, în addenda, cf. nota explicativă, din 9 octombrie 1985, redactată la sediul Securităţii din Timişoara, unde Nikolaus Haupt a fost convocat pentru a da explicaţii în legătură cu textul său „Songul rebelilor” publicat, în 1982, în ziarul NBZ, Neue Banater Zeitung



Anlässlich seines 85. Geburtstages veröffentlichte der NBZ-Volkskalender ein Foto und eine kurze biografische Notiz von Haupt. Im gleichen Kalender wurde auch seine Erzählung, „Peter, der Storch” publiziert (vgl. Volkskalender 1988. Neue Banater Zeitung, Redaktion Maria Stein, Timişoara [1987], S. 72-74).




(**) Josef Gassner (auch Gaßner geschrieben), 1899-1971, Chefredakteur der gleichgeschalteten Südostdeutschen Tageszeitung (Ausgabe Banat). (Siehe: Johann Böhm / Klaus Popa, Vom NS-Volkstum- zum Vertriebenenfunktionär. Die Gründungsmitglieder des Südostdeutschen Kulturwerks München und der Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien, [De la activistul nazist la activistul în asociaţia izgoniţilor. Membrii fondatorii ai Fundaţiei germane sud-est-europene şi ai Asociaţiilor germanilor din România, Ungaria şi Iugoslavia], Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2014, S. 175-177; Petri, Biographisches Lexikon..., Sp. 520-521).


[25. Dezember 1941. Hauptschriftleiter der geleichgeschalteten Südostdeutschen Tageszeitung - Ausgabe Banat - Josef Gaßner deutet den ideologisch geführten Eroberungskrieg Hitlers als einen Verteidigungskrieg um, wobei er in seinem in der Weihnachtsausgabe des Blattes veröffentlichten Beitrag die gängigen antisemitischen Propagandaklischees mit den aus der Gobbelschen Denkfabrik stammenden antibolschewistischen Stereotypen zu einem kriegstreiberischen Salat vermischt]

Gaßner, „Deutsche Weihnacht”, in: SodTZ, 68. (24.) Jg.,
25. Dezember 1941, S. 1-2.
„Weil wir geographisch in der Mitte lagen, waren wir stets von der Mißgunst der anderen überschattet und von Feinden umringt, die uns nicht das Leben gönnten. Wir mußten immer wieder hart für es eintreten und obwohl wir der Welt unermeßlich viel gegeben haben versucht uns diese mit Armut und Knechtschaft zu strafen.” [...]
„Ist nicht auch dieser Krieg, der in diesem Jahr ein Ausmaß angenommen hat, wie es die Weltgeschichte noch nicht gesehen hat, von jenen verbrecherischen Mächten uns aufgezwungen worden, die uns schon so oft das Recht auf Leben streitig machten? Dieser Krieg zweier Welten: der jungen, gesunden, schöpferischen und sozialistischen Völker gegen den widernatürlichen Bund der Ausbeuter, der Sklavenhalter, der Terroristen und Kulturzerstörer wird aber nicht nur unsere Zukunft allein, sondern auch die der ganzen Menschheit auf lange Zeit bestimmen.” [...]
Und als im Juni dieses Jahres dann Deutschland zum Kampfe gegen den Bolschewismus, den letzten Festlandsdegen des angelsächsisch-jüdischen Zerstörerbundes angetreten ist [alle Hervorhebungen – W.T.], da wußte es jeder: dieser Kampf wird ein harter und verbissener werden, aber er wird die Entscheidung bringen. Heute steht nun Europa in geeinter Front gegen die bolschewistische Pest: alle Völker, die noch Instinkt für Gefahren besitzen, stehen aktiv in der Abwehrfront gegen den kulturzerstörenden Bolschewismus. Und nach dem sechs Monate langen Kampfe wissen es die Völker Europas nunmehr, daß sie heute keine Weihnachten feiern könnten, wenn der Führer nicht im letzten Moment zugegriffen hätte. Das Rote Paradies war ein einziges Waffenarsenal mit stupiden, grausamen, aufs Sterben dressierten Bestien, die sprungbereit standen, um Europa brandschtzend und mordend zu überfallen. Unsere Kultur wäre für ewige Zeiten ausgelöscht worden. Zerfall und Vernichtung hätten die Spuren dieser Horden gekennzeichnet.” [...]
„Denn wir wissen nunmehr um den Sinn unserer Kraft: sie liegt in der unzertrennlichen Einheit von Volk und Führung. Adolf Hitler hat die höchste Idee, von der wir Deutschen je geträumt haben, restlos verwirklicht: die Idee der wahren Volksgemeinschaft. Das hat dieser Krieg bewiesen."
Josef Gaßner, „Deutsche Weihnacht”, in: SodTZ, 68. (24.) Jg., 25. Dezember 1941, S. 1-2. 






Kleines NBZ-Lexikon. Banatdeutsche Persönlichkeiten (Redaktion: Luzian Geier)





Symptomatisch für das Verschweigen der politischen Vergangenheit zahlreicher Landsmannschaftsfunktionäre und Würdenträger der ehemaligen Deutschen Volksgruppe aus Rumänien ist der Absatz aus der „Abschiedsrede“ von Ministerialdirigent Michael Stocker, 1971 Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien, bei der Beerdigung von Josef Gaßner:

»Nach der Rückkehr ins Banat in der ersten Hälfte der 20er Jahre finden wir Josef Gaßner bald in der Redaktion der „Schwäbischen Volkspresse“, der nachmaligen „Banater Deutschen Zeitung“. Bald stieg er zu deren Chefredakteur auf. Im Jahre 1928 wechselte er in gleicher Eigenschaft zu der alten „Temeswarer Zeitung“, um in den 40er Jahren wieder zur ersten zurückzukehren.« (Josef Gaßner ist von uns gegangen, in: Banater Post, 16. Jg., Nr. 10, 15. Oktober 1971, S. 9; [„Abschiedsrede“ von Ministerialdirigent Michael Stocker, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien]).

Gaßner war in Wirklichkeit Chefredakteur der 1941 gleichgeschalteten Südostdeutschen Tageszeitung - Ausgabe Banat -, was in der Ansprache einfach ausgeblendet wird.

Zeitungskopf
Die systematische Unterschlagung der Nazivergangenheit verschiedener Amtsträger in den Vertriebenenblättern kann anhand zahlreicher anderer Beispiele nachgewiesen werden. Hier sei bloß ein weiterer Journalist erwähnt, der sich der völkischen Bewegung angeschlossen hatte und im Banat eine wichtige Rolle im Prozess der nazistischen Beeinflussung der deutschen Bevölkerung gespielt hatte. Die Rede ist von Hans Beller, geb. 8. September 1896 in Tisa Nouă / Wiesenhaid - gest. 5. Dezember 1955 in Temeswar. Beller war der Herausgeber der Extrapost, einem profaschistischen Boulevardblatt.
In einem von Luzian Geier in der Neuen Banater Zeitung veröffentlichten „Lexikon“-Artikel vom 21. August 1980 wird das Naziengagement Bellers erwähnt, was jedoch in dem „Mitteilungsblatt der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland e.V.“, der Banater Post, in einer polemischen Gegendarstellung einfach geleugnet wird. Der mit den Initialen K.H. gezeichnete Text ist im Rahmen einer Presseschau veröffentlicht worden. Darin wird Luzian Geier - dessen Namen nicht genannt wird - unterstellt, falsche und unpräzise Angaben gemacht zu haben. Zu bemerken wäre, dass die meisten beanstandeten „Angaben“ auch in den Veröffentlichungen des Banater Lexikographen Anton Peter Petri vorkommen, inklusive in dessen viel später publizierten Biographischen Lexikon (1992).

Hier der Ausschnitt aus der Banater Post, in dem dreist behauptet wird, Beller sei kein „führender Nazi“ gewesen, sondern ein „liberaler Demokrat“:

»Der Banater Politiker Hans Beller (1896 bis 1955) in „NBZ-Kulturbote“ vom 21. 8.: Ab Spätherbst 1918 der Politik zugewandt, ... wurde in Temeswar Sekretär der ,Deutsch-schwäbischen Volkspartei' um Michael Kausch und 1919 auch Stadtrat. Etwa 10 Jahre lang Parlamentsabgeordneter ... Im Banat stand er anfangs der ,Jungschwäbischen Bewegung’ nahe, wurde später in der ,Jungschwäbischen Volkspartei’ der Stellvertreter von Dr. Kaspar Muth. Am 10 Februar 1935 schloß er sich mit Teilen seiner Parteirichtung der ,Deutschen Volkspartei in Rumänien’ an, Jahre später einer der führenden Nazis im Banat. Weigerte sich jedoch, seine Druckerei (...) im Tausch für ein Gut bei Berlin der Volksgruppe zu überlassen, was zur Einstellung der Papierlieferung für seinen Betrieb führte. Spielte außerdem eine Rolle im ,Banater Deutschschwäbischen Handels- und Gewerbeverband’ als Fachsyndikat.“ - Manche dieser Angaben stimmen, andere sind unpräzis, und wieder andere bedürfen der Nachprüfung. In der Jungschwäbischen Volkspartei konnte er selbstverständlich nicht Stellvertreter Dr. Muths gewesen sein. Als Listenführer dieser Partei war er zeitweilig in der Volksgemeinschaft dessen Stellvertreter. Und „einer der führenden Nazis im Banat“ war er auch nicht. Er arbeitete mit DVR und Volksgruppe zusammen, war aber seinem Wesen nach liberaler Demokrat.«(Vgl. K.H., „Vorbemerkung: Der Bericht will an Hand der deutschsprachigen Presse in Rumänien informieren, ohne sich mit den dort vertretenen Ansichten zu identifizieren. Ceauşescu als Hauptthema der Berichterstattung”, in: Banater Post, 25. Jg., Nr. 10, 15. 10. 1980, S. 2.)

Verständlicherweise konnte die im kommunistischen Rumänien erscheinende Neue Banater Zeitung die politische Haft und die Gefängniszeit Bellers während des Stalinismus nicht thematisieren. Ausführlich mit dieser Periode beschäftigte sich hingegen Anton Peter Petri in seinem Hans Beller gewidmeten Lexikonartikel. Hier ein Zitat aus dessen Biographischen Lexikon:

„[...] bei den innervölkischen Wahlen zu Ostern 1933 erhielt seine ‚Jungschwäbische Volkspartei’ 47 von 150 Mandaten, er wurde Stellvertreter von Kaspar Muth [...]; am 10. Februar 1935 schloß er sich mit Teilen seiner Parteirichtung der ‚Deutschen Volkspartei in Rumänien’ (DVR) an, während Anton Hügel [...] der Volksgemeinschaft beitrat; Beller war vom Sommer 1941 bis Herbst 1944 in der Ära der Volksgruppenführung unter Andreas Schmidt [...] stellvertretender Banater Gebietsleiter; ab April 1928 Obmann des ‚Deutsch-Schwäbischen Gewerbeverbandes als Fachsyndikat’ im Banat (DHGV); gab 1921-44 in Temeschburg das ‚Banater Tagblatt’ heraus; 1931-44 die ‚Extrapost’, ein Tageblatt, dessen Auflagenhöhe bei 45.000 Exemplaren gelegen hat; 1931-44 erschien die ‚Rundschau für Gewerbe und Handel’ alle 14 Tage in einer Auflage von 5.500 Exemplaren; nach dem 23. August 1944 sind die Druckmaschinen beschlagnahmt worden; Oktober 1944 kam seine Verhaftung, in das KZ Slobozia/Bărăgansteppe eingeliefert, später nach Tîrgul-Jiu, vor Weihnachten 1945 entlassen; hielt sich 1946-51 versteckt, da die Geheimpolizei ihn suchte; 1951 wieder verhaftet; 1952 von einem Bukarester Gericht zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt; in Jilava bei Bukarest in Einzelhaft; September 1955 Amnestie für politische Gefangene; er wurde als Todkranker entlassen, am 20. 11. 1955 in die Nierenabteilung der Temeschburg-Josefstädter Klinik eingeliefert; starb an Urämie; am 6.12. 1955 Friedhof der Temeschburger Fabrikstadt im Grabe seines Sohnes beigesetzt.«  [Alle Hervorhebungen – W.T.] – Vgl. Petri, Biographisches Lexikon..., S. 110-112 (hier 112).

Die am 4. Februar 1953 ausgestellte Gefängnismatrikel bestätigt teilweise die Angaben Petris. Dem Dokument ist zu entnehmen, dass Beller vor seiner Festnahme in der Ortschaft Cristur, Region Hunedoara, wohnte und als Kutscher tätig war. Gleichzeitig wird in der Matrikel vermerkt, dass er mit Maria Adărman (sic) verheiratet war und dass die Ehe geschieden wurde. (Inwiefern diese Angabe stimmt, war momentan nicht zu eruieren. Bekannt ist, dass Maria Adelmann irgendwann in die Bundesrepublik ausgewandert war, was einer Notiz aus der Banater Post entnommen werden kann. Darin heißt es: »Am 13. August feierte unsere Landsmännin Maria Beller ihren 86. Geburtstag. Frau Maria Beller, geb. Adelmann, ist die Witwe des im Jahre 1955 in Temeschburg verstorbenen Hans Beller, Inhaber der „Extrapost”. Frau Beller wohnt seit 1973 in Hannover und erfreut sich. bester Gesundheit. Die Banater Post wünscht ihr alles Gute!« – Vgl. Banater Post, 25. Jg., Nr. 8, 15.8. 1980 S. 22.)

In dem Dokument steht, dass er am 24. November 1952 verhaftet wurde, wegen Verbrechen gegen den Frieden („crimă contra păcii”), und zwar in seiner Eigenschaft als Herausgeber der Extrapost („În calitate de director al ziarului Extrapost a contribuit la pregătirea şi continuarea războiului contra U[iunii] Sovi[etice]” und: „A scris articole de propagandă contra U.R.S.S.”– heißt es im rumänischen Originaltext.)
Beller wurde zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Er war in den Gefängnissen von Jilava, Craiova, Poarta Albă und Gherla inhaftiert. Am 27. August 1955 wurde er begnadigt und am 5. Oktober 1955 aus dem Gefängnis von Gherla entlassen.

Wer der Securitate seinen Aufenthaltsort in der Region Hunedoara verraten hat, kann anhand der Geheimdienstakten rekonstruiert werden. Es handelt sich um einen bekannten Banater Schriftsteller, der im September 1952 von der Securitate unter Druck gesetzt wurde, um ihn zur inoffiziellen Mitarbeit zu bewegen. Während der Gespräche mit den Offizieren teilte er diesen den Aufenthaltsort von Beller mit, der zwei Monate später verhaftet wurde. Der Schriftsteller unterzeichnete am 30. September 1952 eine Verpflichtungserklärung, wählte den Decknamen „Reiner Ernst” und wurde auf Rudolf Hollinger und Stefan Binder angesetzt. Er kam seinen Aufträgen nicht nach und wurde deshalb am 5. Februar 1959 aus dem Informantennetz entfernt (Vgl. ACNSAS, R 292332, Bl. 4, 6, 12, 30, 31).

In seinen nach 1990 veröffentlichten Memoiren werden die Vorgänge von 1952 nicht erwähnt. Selbst spätere Kollisionen mit den Securitateoffizieren Andrei Uram und Constantin Feraru – die er aus der Zeit von 1952-1959 kannte - werden in den Erinnerungen bloß gestreift. (Feraru, beispielsweise taucht in den Memoiren einmal als Major F. auf.)
Diese beiden sowie weitere Offiziere dirigierten in den 1970-er Jahren ein Agentennetz (zu dem „Mayer”, „Luca”, „Vlase”, „Anton” u. a. gehörten), das den Auftrag hatte, den Autor auszuspionieren und „positiv zu beeinflussen” (Vgl. ACNSAS, I 260336, 5.vol.) 



(***) Ioan [Hans] Heber (1910 la Ciacova - 1988 în Timişoara), secretarul episcopului Augustin Pacha, condamnat în 1951 alături de acesta la 12 ani de închisoare.
Călugăriţa Patricia B. Zimmermann susţine că Hans (Ioan) Heber ar fi făcut jocul Securităţii şi că în cursul anchetei ar fi dat dovadă de un zel excesiv. Fără a-l nominaliza, ea descrie scena unei confruntări cu Heber (conspirat în diverse dosare sub numele de „Radu Sabin”) la care a fost supusă de către anchetatori, deoarece iniţial refuzase să dea declaraţiile cerute. [Heber] „a confirmat că aş fi furnizat informaţii ecumenice [economice], politice şi militare cu scopuri de spionaj în favoarea Vaticanului”, scrie călugăriţa. „Secretarul episcopului şi anchetatorul au profitat de faptul că nu am mai rezistat [...]. În cele din urmă am scris ce s-a cerut din partea mea”, cf. Hans Diplich (ed.), Schwester Patricia B. Zimmermann. Eine Monographie (Sora Patricia B. Zimmermann. O monografie), Banater Hausarchiv, Vogt, 1989, pp. 47, 51-52. Comparând declaraţiile lui Heber cu declaraţiile celorlalţi coinculpaţi, se pot depista numeroase informaţii „inedite”, însoţite de pure invenţii şi aprecieri politice tendenţioase necesare Securităţii pentru încadrarea penală a arestaţilor. Dezlegarea atitudinii lui Heber în timpul anchetei va fi posibilă doar după cunoaşterea tuturor materialelor din Dosarele de urmărire informativă (D.U.I.) ale unor persoane din anturajul său. Din documentele dosarului penal rezultă doar că Heber, condamnat, în 1951, la 12 ani de muncă silnică, a fost eliberat înainte de termen, în 1956, iar în baza unei decizii semnate de generalul Alexandru Nicholschi i s-a fixat domiciliu obligatoriu la Timişoara, „timp de 60 de luni” (cf. Decizia nr. 6430 din 7 iulie 1956, ACNSAS, P 15563, vol. 38, f. 1). (cf. Episcopul, Hitler şi Securitatea...., p. 225, n. 2). 

Călugăriţa benedictină Patricia Zimmermann (13 decembrie 1914 – 10 mai 2007) din Timişoara a fost arestată pe date de 10 iunie 1951 şi condamnată un an mai târziu la 23 de ani de închisoare. A fost obligată să participe la procesul „lotului Pacha“ ca martoră a acuzării. În 1959 a fost expulzată în Germania, împreună cu dr. Hildegardis Wulff, dr. Franz Kräuter şi Josef Nischbach.


***

 Anhang - addenda
 
[17. Juli 1935. Vollmacht für Adalbert Lengyel vom Direktor der Neuesten Nachrichten, Dr. Geiss(*)]

[17 iulie 1935. Procură a directorului ziarului Neueste Nachrichten, Dr. Geiss(**), pentru Adalbert Lengyel]


ACNSAS, I 1050764, vol. 2, f. 62
ACNSAS, I 1050764, vol. 2, f. 62


(*) Dr. Peter Geiss (1900-1989), Direktor der „Schwäbischen Verlags A.G.”, die auch die Banater Deutsche Zeitung und ab 1934 die von Nikolaus Haupt geleitete pronazistische Zeitung Neueste Nachrichten herausgab. Nach dem Sturz des faschistischen Antonescu-Regimes am 23. August 1944 wurde er zusammen mit anderen rumäniendeutschen Nazis ins Lager von Tîrgu Jiu interniert. 1945 zur so genannten „Aufbauarbeit” in die UdSSS deportiert - aus Krankheitsgründen jedoch vorzeitig entlassen. 1960 verhaftet und zusammen mit der aus 14 Personen zusammengesetzten so genannten Gruppe von Vaterlandverrätern zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt (1. Reb Ioan, 2. Weresch Ioan, 3. Pilz Iosif, 4. Reb Ioan junior, 5. Ludwig Emeric, 6. Podratzky Robert, 7. Reb Gerhard, 8. Pilz Irmgarda, 9. Hoffmann Werner, 10. Schmidt Iosif Stefan, 11. Götz Matei, 12. Geiss Petru, 13. Mayer Ioan, 14. Schmidt Nicolae.) 1964 wurde Geiss aus der Haft entlassen und 1970 rehabilitiert. Später Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland.
 
(**)Dr. Peter Geiss (1900-1989), patronul Editurii Şvăbeşti („Schwäbischen Verlags A.G.”) care a editat ziarul timişorean Banater Deutsche Zeitung şi, după 1934, şi gazeta de bulevard pronazistă condusă de Nikolaus Haupt, Neueste Nachrichten. După răsturnarea regimului fascist al lui Ion Antonescu, pe data de 23 august 1944, asemenea altor nazişti germani din România, Geiss a fost internat în lagărul de la Tîrgu Jiu. În 1945 a fost deportat în URSS, la aşa numita muncă de reconstrucţie, de unde, din cauza unor probleme de sănătate, a fost eliberat deja în 1947. În 1960 a fost arestat şi condamnat la 10 ani de închisoare, împreună cu lotul de „trădători de patrie”, compus din 14 persoane, în frunte cu Ioan [Hans] Reb. (1. Reb Ioan, 2. Weresch Ioan, 3. Pilz Iosif, 4. Reb Ioan junior, 5. Ludwig Emeric, 6. Podratzky Robert, 7. Reb Gerhard, 8. Pilz Irmgarda, 9. Hoffmann Werner, 10. Schmidt Iosif Stefan, 11. Götz Matei, 12. Geiss Petru, 13. Mayer Ioan, 14. Schmidt Nicolae.) În 1964 a fost graţiat, iar în 1970 reabilitat. Mai tîrziu a emigrat în R.F.G. 

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[Mai 1937. Vertrauliches Schreiben der Polizei mit Anweisungen, gegen die Neuesten Nachrichten und die Banater Deutsche Zeitung strafrechtlich vorzugehen] 

ACNSAS, I 1050764, vol. 2, f. 64

[24. Mai 1937. Fortsetzung der Schikanen seitens der Geheimpolizei Siguranţa gegen einige deutsche Zeitungen aus Temeswar, denen unterstellt wurde, die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben im Impressum umgangen und die Namen der verantwortlichen Redakteure verschwiegen zu haben. In zwei gleichlautenden Erklärungen widerlegen Nikolaus Haupt von der Zeitung Neueste Nachrichten und Ernst Schüller von der Banater Deutschen Zeitung diese Behauptungen. Als Beweis für die Richtigkeit seiner Erklärung fügt Haupt ein Jahr später ein Exemplar des Blattes Neueste Nachrichten vom 12. April 1938 bei, in dessen Impressum er als „verantwortlicher Schriftleiter” fungiert und die „Schwäbische Verlags Aktiengesellschaft in Timişoara” als Druck- und Verlagsstandort vermerkt ist, ebenso die Redaktionsanschrift Timişoara I, Str. Lonovici 2.]
ACNSAS, I 1050764, vol. 2, f. 65
ACNSAS, I 1050764, vol. 2, f. 66


[12. April 1938. Neueste Nachrichten als nachgereichter Beweis gegen die Fortsetzung falscher Beschuldigungen der rumänischen Polizeibehörden. Anhand der veröffentlichten Beiträge lässt sich die politische und ideologische Ausrichtung des 8 Seiten umfassenden Blattes erkennen. Die unter der Schlagzeile „49 Millionen stimmten mit Ja”(*) auf der ersten und zweiten Seite publizierten Beiträge sind ein Spiegelbild der prohitleristischen Einstellung dieser Zeitung.]
 

Neueste Nachrichten, 12. April 1938, S. 8
(*)Hintergrund: Der NS-Diktator Hitler ließ am 10. April 1938 den am 11.-12. März 1938 durchgeführten, gewaltsamen Anschluss Österreichs an das so genannte Deutsche Reich nachträglich durch ein Referendum billigen. Der voraussehbare Ausgang der Volksbefragung galt als eine Zustimmung der Österreicher und Deutschen für Hitler. Darüber berichtete ausführlich auch die von Nikolaus Haupt redigierte Temeswarer Zeitung Neueste Nachrichten. Der im Bericht erwähnte Nazi Josef Bürckel war für die organisatorische Durchführung der Volksbefragung verantwortlich, nachdem er bereits 1935 die Volksabstimmung im Saargebiet organisiert hatte. Die Doppelfrage, die die Wahlberechtigten zu beantworten hatten, lautete folgendermaßen: „Bist Du mit der am 13. März 1938 vollzogenen Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich einverstanden und stimmst Du für die Liste unseres Führers Adolf Hitler?“


***


[21 martie 1938. Proces verbal poliţienesc întocmit după ce s-a constatat că ziarul Neueste Nachrichten nu a respectat prevederile legale privind indicarea pe prima pagină a numelui directorului]

[21. März 1938. Polizeibericht nachdem festgestellt wurde, dass die Neuesten Nachrichten die gesetzlichen Bestimmungen missachten und der Name des Herausgebers nicht auf der ersten Seite vorschriftsmäßig vermerkt wurde] 
ACNSAS, I 1050764, vol. 1, f. 18
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[25. Dezember 1941. Eine als Weihnachtsgeschichte getarnte Kurzerzählung von Nikolaus Haupt ist im Grunde ein offenkundiger Werbetext für das so genannte WHW – Winterhilfswerk - und für den Nationalsozialismus, in der es an einer Stelle heißt:
Volksgenosse, Sie sind arbeitslos. Sie haben Familie und Kinder. Hier, nehmen Sie. Eine kleine Weihnachtsüberraschung. Es kommt von deutschen Volksgenossen, sie gaben es von ihrem Überfluß. Sie gaben es von gutem Herzen. Sie können es mit gutem Herzen annehmen.” Der Mann und die Frau schüttelten dann Vater und Mutter die Hand, strichen uns Kindern über den Kopf und grüßten, als sie gingen, mit erhobenem Arm: Heil Hitler!]

[25 decembrie 1941. Într-un text, deghizat într-o povestire de Crăciun, Nikolaus Haupt face publicitate pentru aşa numitul ajutor de iarnă – Winterhilfswerk – iniţiat de către nazişti, strecurînd în rîndurile sale şi clişeele ideologice naţional-socialiste]
Nikolaus Haupt, „Das Wunder am Weihnachtsabend”, in: SodTZ, 68. (24.) Jg., 25. Dezember 1941, S. 22.





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[1. März 1942. Nikolaus Haupt spricht vom "teuflischen Wesen des Bolschewismus" und der "roten Barbarei", denen eine Banater Dreschmannschaft aus Lenauheim in einem Dorf (in Kassel, in der Nähe von Tiraspol, heute Welykokomariwka/Великокомарівка – Ukraine) in Transnistrien begegnet ist, vergisst jedoch, dass gerade in diesem von den Nazis und ihren rumänischen Waffenbrüdern eroberten und von den rumänischen Behörden verwalteten Gebiet, die als Untermenschen eingestuften Juden und Roma deportiert und ihrem Schicksal überlassen wurden. In dem Propagandartikel spricht Haupt von einem "Krieg für eine neue Weltordnung", den Deutschland zusammen mit seinen Verbündeten führt. Er schmückt seinen Artikel mit dem Bericht einer Frau aus, deren Mann von Tschekisten grundlos ermordet wurde und die davon ausgeht, dass einer der Mörder "bestimmt ein Jude war". Dann beschreibt er einen deutschen Lehrer aus dem Ort, der hochbegeistert Hitlers "Mein Kampf" liest; durch die Lektüre , schreibt Haupt, "tut sich vor ihm", "eine andere, bessere schönere, vor allem deutsche Welt" auf.]

[1 martie 1942. Într-un articol, Haupt vorbeşte despre „barbaria roşie” şi descrie bolşevismul ca ceva drăcesc, după ce o echipă de ţărani din Lenauheim i-au relatat despre situaţia dintr-o localitate din Transnistria, în care trăiau etnici germani, utilizînd întreaga gamă a limbajului de propagandă nazistă şi antisemită; tot acolo povesteşte despre un profesor care citeşte entuziasmat „Mein Kampf” care-i deschide perspectiva spre „o nouă lume mai bună şi mai frumoasă, mai ales germană” care se va clădi după cîştigarea „războiului pentru o nouă ordine mondială”]


Nikolaus Haupt, "Begegnungen mit dem Bolschewismus, Erlebnisse einer Banater Dreschmannschaft im ehemaligen 'Sowjetparadies'", in: Südostdeutsche Tagezeitung, 69.(24.) Jg., 1. März 1942, S. 4 (Ausgabe Banat)


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[16. Juli 1943. Mit einem literarisch verbrämten Text, beteiligt sich Nikolaus Haupt an der aggressiven Kriegspropaganda der Nazis und versucht die Angehörigen der ᛋᛋ-Freiwilligen zu motivieren, ihren Beitrag zum Sieg Hitlers zu leisten. Nach dem „Abmarsch der Freiwilligen”, heißt es in dem Text von Haupt, müssen die fehlenden Arbeitskräfte ersetzt werden: „Denn es hieß zu ersetzen, was an starken Armen fortzog, um Wache zu halten an den Grenzen der deutschen Zukunft.” In dem Beitrag von Haupt wird ein alter, 82-Jähriger Schnitter zusammen mit einer jungen Frau bei der Weizenernte beschrieben. Beide schwingen die Sense. Die Frau ist sich ihrer Pflicht bewusst, „denn auch sie ist eingetreten für den Mann, der auszog, um die Sense mit dem Gewehr zu vertauschen”. Abschließend schreibt Nikolaus Haupt im feierlichen Tonfall bellizistischer Prosa: „Der Großvater und die junge Frau als Schnitter sind Symbol einer Zeit und eines Volkes, das sich freiwillig unter die Gesetze des totalen Krieges beugte und entschlossen ist, diese Gesetze bis zur letzten Konsequenz zu befolgen. 

Durch die Banater Ebene rauschen die Sensen. Sie rauschen und werden rauschen trotz Not und Tod und Krieg. Denn die Sensen, die von den jungen Männern niedergelegt werden, heben die Alten auf und die Frauen.”]

Nikolaus Haupt, „Der alte Schnitter”, in: Südostdeutsche Tageszeitung, 16. Juli 1943, S. 6 [Ausgabe Banat]



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[30 august 1951. Declaraţia lui Nikolaus Haupt dată în timpul anchetei la Securitate]

[30. August 1951. Erklärung von Nikolaus Haupt während des Verhörs bei der Securitate] 



ACNSAS, P 12222, vol.1, ff. 4-5


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[18 octombrie 1951. Certificatul medicului psihiatru dr. Eduard Pamfil, 1912-1994, din Timişoara, care a diagnosticat că Nikolaus Haupt este bolnav psihic, recomandînd internarea deţinutului într-un spital de boli nervoase]


[18. Oktober 1951. Diagnose des Temeswarer Nervenarztes Dr. Eduard Pamfil, 1912-1994, der vorschlägt, den Häftling Nikolaus Haupt, in eine psychiatrische Klinik einzuweisen]


ACNSAS, P 12222, vol. 2, f. 17


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[13. Mai 1952. Offizieller Verhaftungsbefehl, ausgestellt mit großer Verspätung] 


[13 mai 1952. Mandatul de arestare al lui Nikolaus Haupt, emis cu mare întîrziere după reţinerea sa] 


ACNSAS, P 12222, vol. 2, f. 56







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[25. Juni 1983. Oberstleutnant Nicolae Păduraru fasst die Informationen des inoffiziellen Mitarbeiters „Sergiu” zusammen, der aufgrund seiner Parteimitgliedschaft keine IM-Akte hat; „Sergiu” gehörte wegen seiner engen Kontakte zu den Mitarbeitern der „Neuen Banater Zeitung”, des lokalen Büros der überregionalen Zeitung „Neuer Weg”, des „Facla”-Verlages sowie den Mitgliedern des deutschen Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreises zu den Informanten, die der Securitate geheimdienstlich wertvolle, operative Daten lieferten, die auch in zahlreichen anderen Akten von Intellektuellen aus Temeswar vermerkt sind] 


[25 iunie 1983. Lt.col. Nicolae Păduraru sintetizează într-o notă informaţiile furnizate de „Sergiu”, membru de partid şi colaborator prezent şi în alte dosare întocmite de Securitate unor intelectuali din Timişoara, care avea tangenţe multiple cu redactorii ziarului „Neue Banater Zeitung”, cu cei din biroul local al cotidianului supraregional „Neuer Weg”, cu secţia germană a editurii „Facla” şi cu persoanele care frecventau cenaclul în limba germană al Asociaţiei Scriitorilor din Timişoara, „Adam Müller-Guttenbrunn”] 

- Nr. X/1/A/P.N./0086/25.VI.83[1]
- primeşte lt. col. Păduraru
- Sursa: Sergiu

Notă

Asupra lui Haupt Nicolae sursa „SERGIU” semnalează că a depus la editura „FACLA” în iarna anului 1983 un manuscris, o istorie cu privire la colonizarea şvabilor în Banat din timpul lui Iosif al II-lea, respectiv sfîrşitul sec. al XVIII-lea, manuscris[?] denumit „ULTIMUL VAL”. Acest manuscris a fost redactat de tatăl său[2] care şi el a avut preocupări literare, în prezent decedat, manuscris care a fost completat de Haupt Nicolae, el arătînd că poate primi ca moştenitor dreptul de autor.
Sursa a fost solicitat(sic!) de editura „FACLA” să consulte acest material şi să-şi spună părerea cu privire la conţinut, cu acest prilej sursa a constatat că este o lucrare slabă, cu multe date(?) greşite şi [indescifrabil] şi incorecte, un material depăşit, fără însă să prezinte vreun interes actual.
Afară de aceasta a rezultat că de la moartea tatălui lui Haupt au trecut 50 de ani şi ca atare nu mai poate beneficia de dreptul de autor, urmînd să primească numai o sumă mică de bani pentru depunerea manuscrisului.
[Propoziţie indescifrabilă, din cuvintele răzleţe lizibile se poate deduce că Haupt ar fi renunţat la propunerea de a publica materialul predat editurii timişorene. – n.m.]

f. 6

Observaţii:

- Haupt Nicolae este lucrat în E.D.P.[3] pentru scrieri cu conţinut ostil.

Sarcini:

Să stabilească ce relaţii are în prezent Haupt Nicolae şi ce lucrări literare are în perspectivă de a elabora, îndeosebi conţinutul.

Măsuri:


Poziţia şi activitate lui Haupt N. va (sic) fi verificat şi prin inf. „Mayer”[4].

(ss) lt.col. Păduraru

f. 6v

ACNSAS, I 1050764, vol. 3, ff. 6-6v


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[20 octombrie 1983. Lt. col. Paduraru sintetizează mai multe informaţii legate de Nikolaus Haupt, culese de „Mayer”; acesta relatează că Haupt l-a vizitat acasă, cerîndu-i date legate despre „editura şvăbească” din Timişoara interbelică pe care urmează să le comunice cetăţeanului P.G. – nume anonimizat de noi, n.m. - din Reşiţa care intenţionează să scrie o istorie a editurii amintite. „Mayer” redă apoi aprecierile negative la adresa scrierilor lui Haupt făcute de către lectorul editurii Facla. Reproducem aici fragmentul final din această notă plus menţiunile ofiţerului său de lăgătură]

[...] Sursa i-a recomandat că atunci cînd scrie să se documenteze [şi să nu scrie din] memorie.
Haupt Nicolae a răspuns că el nu are răbdare cînd scrie şi din acest motiv apar astfel de inexactităţi.[5]
Din discuţie a mai reieşit că Haupt are o carte predată la editura KRITERION.
Haupt este sănătos din punct de vedere fizic, dar la vîrsta lui de 80 de ani şi-a mai pierdut din [vitalitate?], ceea ce se constată prin lipsa de continuitate în discuţie. Este prezent de fiecare dată în cenaclu.

Sursa a discutat ulterior şi cu MICHELS WILHELMINA (sic!) de la editura „FACLA” care s-a exprimat cu nu vrea să-l mai vadă pe la editură deoarece vine cu scrieri slabe, cu greşeli gramaticale frecvente şi că nu are timp să se ocupe de asemenea lucruri.

Haupt ar avea o piesă la teatru dată la LIPPET JOHANN de la teatrul german.

Observaţii.
Haupt Nicolae este lucrat în E.D.P. pentru scrieri cu caracter ostil.[6]
Sarcini
Sursa a fost instruită pentru a discuta cu Haupt Nicolae înseosebi cu prilejul prezenţei la cenaclu şi să stabilească ce preocupări are, dacă are vreun anturaj de persoane, ce scrieri mai are în lucru.
MĂSURI
Vom verifica la teatru piesa lui Haupt.
(ss) lt.col. Păduraru
ACNSAS, I 1050764, vol. 3, ff. 7-7v





[1] Document redactat de Păduraru în urma întîlnirii cu „Sergiu“, scris de mînă pe ambele părţi ale unei pagini în format DIN A4.
[2] Egidius Haupt (1861-1930).
[3] E.D.P. - Evidenţă Dosar Problemă, es handelt sich um eine Akte, die in der Regel als Vorbereitung zu einem Operativen Vorgang (OV) oder nach Abschluss eines OV angelegt wurde.
[4] Deckname von Hans Mokka (1912-1999), alias „Hans Müller“ (cf. „Bibliotecar la Auschwitz - Bibliothekar in Auschwitz“, Halbjahresschrift - hjs-online, 7. 11. 2011; Între mit şi bagatelizare, pp. 59-61).
[5] În textul scris de mînă, pasajele cursive sînt subliniate cu roşu.
[6] Cu cerneală roşie notează un alt ofiţer care semnează indescifrabil: „Să documentăm şi propune măsuri“.


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[26 noiembrie 1983. „Mayer” îl informează pe ofiţerul său de legătură, lt.-col. Păduraru, că Haupt i-a povestit că organele de partid s-ar fi opus primirii sale în Uniunea Scriitorilor, asta în pofida faptului că Nikolaus Berwanger a încercat să-l ajute în demersurile sale. Păduraru menţionează că primul secretar PCR al judeţului Timiş, Cornel Pacoste (*), a fost informat de demersurile lui Berwanger şi astfel „s-a zădărnicit” primirea lui Haupt în Uniunea Scriitorilor.]

[26. November 1983. „Mayer” informiert seinen Führungsoffizier, Oberstleutnant Nicolae Păduraru, er habe von Haupt erfahren, dass sich die Parteiorgane seiner Aufnahme in den Schriftstellerverband widersetzen, obwohl sich Nikolaus Berwanger für ihn eingesetzt hatte. Pădurariu notiert, man habe den Ersten Sekretär des Kreises Temesch, Cornel Pacoste(*), über die Unterstützungsaktion Berwangers informiert und auf diese Weise eine Aufnahme Haupts in den Schriftstellerverband „unterbunden”.]


Fragment - ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 8
Fragment - ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 8

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(*) Cornel Pacoste (n. 15 iul. 1930, sat Peşteana-Vulcan, com. Ciuperceni, jud. Gorj; d. 12 iul. 1999, Bucureşti). Membru al C.C. al P.C.R. (28 nov. 1974–23 nov. 1979 şi 18 dec. 1982–22 dec. 1989); membru supleant al Comitetului Politic Executiv al C.C. al P.C.R. (23 nov. 1984–22 dec. 1989); secretar al C.C. al P.C.R. (14 nov. 1985–26 aug. 1986). Studii: Liceul „Tudor Vladimirescu“ din Târgu Jiu (1941–1949); Facultatea de Construcţii Hidrotehnice, Institutul de Construcţii din Bucureşti (1949–1953); stagii de specializare: două luni (1959) la Moscova, în Statistica construcţiilor, şi la Leningrad, în Dinamica con strucţiilor; nouă luni în Belgia, la Liège (1963–1964), în Teoria plasticităţii şi Calculul structurilor în domeniul plastic; curs postuniversitar la Academia de Ştiinţe SocialPolitice „Ştefan Gheorghiu“.
Profesia de bază: inginer hidrotehnic.
Activitate şi funcţii: membru de partid din 1955; secretar al Comitetului U.T.M. din cadrul Institutului de Construcţii din Bucureşti (1953–1954); asistent, apoi şef de lucrări la Catedra de mecanica construcţiilor a Facultăţii de Construcţii (oct. 1953–1964); a predat cursul „Statistica construcţiilor“ la Institutul de Construcţii din Bucureşti (din oct. 1961); preşedinte al Comitetului sindical din cadrul Institutului de Construcţii şi membru al Comitetului orăşenesc U.T.M. Bucureşti (1954–1956); secretar al Comitetului raional U.T.M. „V.I. Lenin“ din Bucureşti (1956–1961); membru supleant al C.C. al U.T.M. (30 iun. 1956–20 aug. 1960); secretar al Comitetului de partid din cadrul Institutului de Construcţii din Bucureşti (1961–1964); membru al Comitetului de partid al Centrului Universitar Bucureşti (din 1962); prodecan al Facultăţii de Construcţii Civile din cadrul Institutului de Construcţii din Bucureşti (în 1962); a continuat să lucreze la Facultatea de Construcţii, dar cu o jumătate de normă (din 1964); locţiitor al secretarului Comitetului de partid al Centrului Universitar Bucureşti (1964–1971); primsecretar al Comitetului de partid al Centrului Universitar Bucureşti (1971–9 oct. 1973); secretar al Comitetului de partid din Ministerul Afacerilor Externe (din 1973); adjunct al ministrului Afacerilor Externe (9 oct. 1973–23 ian. 1980); membru al Comisiei C.C. al P.C.R. pentru probleme de cadre de partid şi de stat (din 3 nov. 1976); membru al Comitetului pentru Problemele Consiliilor Populare (din 23 sept. 1980); prim-secretar al Comitetului de partid şi prim-vicepreşedinte al Comitetului executiv al Consiliului popular al jud. Arad (9 febr. 1980–17 iul. 1982); prim-secretar al Comitetului de partid şi preşedinte al Comitetului executiv al Consiliului popular al jud. Timiş (22 iul. 1982–14 nov. 1985); viceprim-ministru şi membru al Biroului Executiv al Consiliului de Miniştri (26 aug. 1986–22 dec. 1989); preşedinte al Comisiei guvernamentale de colaborare şi cooperare economică şi tehnică şi reprezentant permanent al R.S.R. la C.A.E.R. (5 febr.–11 nov. 1987); membru al biroului Comisiei C.C. pentru problemele cooperării economice şi relaţiile internaţionale ale partidului şi statului (în 1988).
Deputat în M.A.N., ales în jud. Timiş (1985–22 dec. 1989); preşedinte al Comisiei pentru învăţământ, ştiinţă şi cultură a M.A.N. (din 29 mart. 1985).
Distincţii: „Ordinul Muncii“ clasa I (1984). - Florica Dobre (coord.), Membrii C.C. al P.C.R. 1945–1989. Dicţionar, Editura Enciclopedică, Bucureşti, 2004, pp. 445-446
(accesibil online: http://cnsas.ro/documente/2004%20-%20Membrii%20CC.pdf) 




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[29. Juni 1985. „Mayer” informiert Oberstleutnant Nicolae Păduraru über die „tendenziösen Kommentare von Nikolaus Haupt bezüglich der wirtschaftlichen und sozialen Situation in unserem Land” und über sein Verhältnis zu Robert Reiter, d.i. Franz Liebhard]


[29 iunie 1985. „Mayer” îl informează pe lt. col. Nicolae Păduraru că Nikolaus Haupt face „comentarii tendenţioase cu privire la situaţia social-economică din ţara noastră” şi despre relaţiile sale cu scriitorul Robert Reiter, cunoscut sub pseudonimul Franz Liebhard]
ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 11



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[9. Oktober 1985. Erklärung von Nikolaus Haupt bezüglich seines 1982 in der NBZ erschienenen Textes „Rebellen-Song”, im Laufe einer Vorladung zur Temeswarer Securitate]

[9 octombrie 1985. Notă explicativă, redactată la sediul Securităţii din Timişoara, unde Nikolaus Haupt a fost convocat pentru a da explicaţii în legătură cu textul său „Songul rebelilor” publicat, în 1982, în ziarul NBZ, Neue Banater Zeitung]


9 oct 1985[1]
dat în faţa noastră, astăzi, data de mai sus, (ss) lt.col. Păduraru

Notă explicativă

În legătură cu poezia apărută sub titlul „Songul rebelilor” în Banater Zeitung la 31. XII. 1982, scrisă de subsemnatul, Haupt Nicolae, născut la 19 august 1903, cu domiciliul în Timişoara, str. Odobescu 16, declar următoarele:
Cînd am scris această poezie am stat sub impresia poeţilor [indescifrabil], spanioli şi portugali [!] care luptă cu arma scrisului pentru libertatea popoarelor lor şi în gînd la întîmplările [?] cînd în ţara noastră ilegaliştii, între ei şi prieteni personali ai mei, au luptat pentru un viitor mai bun şi mai liber ale [!] poporului român.
Nu am avut intenţia să spun sau să scriu o poezie care să creeze confuzii în rîndul cititorilor şi nu mi-a cerut nimeni să scriu în acest fel. Am scris din inspiraţie proprie fără vreo intenţie de a fi înţeles de nu la locul ei [!?].
Recunosc, că a fost o greşeală din partea mea că o poezie de acest fel nu poate fi înţeleasă

f. 12

la noi în ţară, nefiind la data publicării cu nimic actuală.
Recunosc, că poezia are un conţinut necorespunzător timpurilor de la noi în România.
Promit că nu mai voi face astfel de greşeli nici voluntar, nici involuntar.
Timişoara, 9. Oct. 1985
(ss) Haupt Nicolae

f. 12v
ACNSAS, I 1050764, vol. 3, ff. 12-12v





[1] Material scris de mînă. 



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[24. Oktober 1985. Mitteilung der Securitate aus Temeswar geschickt an das Bukarester Innenministerium, Hauptabteilung 1, Referat 2, unterzeichnet vom lokalen Geheimdienstchef, Oberst Ion Cristescu und dem Leiter des Referats 1/A Oberst Antonie Ianculescu, die eine Liste mehrerer „Elemente” enthält, die verwarnt wurden, darunter auch Nikolaus Haupt. Ausschnitte aus dem Dokument.]

[24 octombrie 1985. Adresa Securităţii din Timişoara către MAI, Direcţia I, serviciul 2, din Bucureşti, cu o listă de „elemente” avertizate, între care şi Nikolaus Haupt, semnată de şeful Securităţii locale, col. Ion Cristescu şi şeful Serviciului 1/A, col. Antonie Ianculescu. Fragmente din document.]

 

ACNSAS, I 1050764, vol. 3, ff. 15-18 (aici 16-17)


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[26. Oktober 1985. „Mayer” berichtet Oberstleutnant Păduraru über ein Gespräch mit Nikolaus Haupt, während der Sitzung des Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreises vom 24. Oktober. Haupt habe sich beklagt, dass die stellvertretende Chefredakteurin der Neuen Banater Zeitung, Maria Stein, seine für die Dialektbeilage „Pipatsch” verfassten Texte zurückgewiesen und ihm Änderungen vorgeschlagen habe, mit denen er aber nicht einverstanden gewesen sei. Gleichzeitig erzählte er „Mayer”, er habe den Verlagen Dacia aus Klausenburg und Facla aus Temeswar zwei Bände mit Geschichten geschickt. Er beklagte sich über die Verzögerung einer Antwort seitens der Verlage und über die Tatsache, mit einer monatlichen Rente von 1.300 Lei auskommen zu müssen. Als Maßnahme schlägt Păduraru vor, Maria Stein zu kontaktieren, um zu erfahren, weshalb die Veröffentlichung der Texte von Haupt abgelehnt wurde. - Vgl. ACNSAS, I 1050764, vol. 3, Bl. 19-19v]


[26 octombrie 1985. Sursa „Mayer” îi relatează lt.-col. Păduraru că la şedinţa cenaclului timişorean Adam Müller-Guttenbrunn, din 24. Oct., Nikolaus Haupt i-a spus că este nemulţumit că nu i se mai publică textele în paginile suplimentului în dialect şvab, „Pipatsch”, al ziarului Neue Banater Zeitung, după ce Maria Stein, redactor şef adjunct, i-ar fi cerut anumite modificări „cu care nu ar fi fost de acord”. De asemenea, i-a spus lui „Mayer” că a depus un volum de povestiri la editura Dacia din Cluj şi unul la editura Facla din Timişoara, iar editorii „tărăgănează” un răspuns şi astfel este nevoit să trăiască doar cu o pensie de 1.300 lei lunar. Ca „măsuri”, Păduraru notează: „Se va discuta cu Maria Stein pentru a stabili ce anume materiale a intenţionat să publice Haupt şi care au fost motivele respingerii”. – Cf. ACNSAS, I 1050764, vol. 3, ff. 19-19v]

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[23. November 1985. „Mayer” berichtet Păduraru über eine Begegnung mit Haupt, der ihm sagte, er habe noch immer keine Antwort vom Dacia-Verlag, dessen Lektor Franz Hodjak ist, erhalten und dass er einen Band mit Erzählungen an den Bukarester Ion Creangă Verlag geschickt habe. - Vgl. ACNSAS, I 1050764, vol. 3, Bl. 20]


[23 noiembrie 1985. „Mayer” relatează lui Păduraru despre o întîlnire cu Haupt, care i-a spus că încă nu a primit vreun răspuns de la lectorul Franz Hodjak de la editura Dacia şi că a mai depus un volum de povestiri la editura Ion Creangă din Bucureşti. – Cf. ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 20

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[26. Dezember 1985. „Mayer” berichtet Păduraru, er habe Nikolaus Haupt besucht, diesen aber nicht zu Hause angetroffen und aus diesem Grund nur mit dessen Frau gesprochen. Diese habe ihm mitgeteilt, dass Haupt zwei Bücher an den Dacia und Ion Creangă Verlag geschickt und keine Antwort erhalten habe. Gleichzeitig sagte sie ihm, dass Haupt jetzt Romane lese und mit der stellvertretenden NBZ-Chefredakteurin einen Streit gehabt habe, weil diese ihm ein Material nicht veröffentlichen wollte. Aus diesem Grund würde er nichts mehr in der NBZ veröffentlichen. Als „Bemerkung” notiert Păduraru, man habe mit Maria Stein gesprochen und diese habe gesagt, dass es im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung mit Haupt keine Auseinandersetzung gegeben habe. - Vgl. ACNSAS, I 1050764, vol. 3, Bl. 21]

[26 decembrie 1985. „Mayer” îi relatează lui Păduraru că s-a deplasat la domiciliul lui Nikolaus Haupt, acesta însă nu a fost acasă, de aceea a vorbit doar cu soţia acestuia care i-a spus că a trimis volume la editura Dacia şi Ion Creangă, însă fără a primi vreun răspuns. Soţia lui Haupt i-a mai spus că în prezent citeşte romane şi că s-a certat cu redactorul şef adjunct al ziarului Neue Banater Zeitung care a refuzat să-i publice un material, iar din cauza aceasta n-o să mai publice nimic în acest cotidian. La „Observaţii” Păduraru notează: „S-a discutat cu redactorul adjunct Stein Maria care susţine că nu a avut nici un conflict cu Haupt Nicolae în legătură cu publicarea vreunui material şi nici alt redactor nu ar fi avut discuţii contradictorii cu Haupt”. - Cf. ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 21]


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[25. Januar 1986. „Mayer” berichtet über einen Besuch zu Hause bei Nikolaus Haupt]

[25 ianuarie 1986. „Mayer” relatează despre o vizită la domiciliul lui Nikolaus Haupt]

Nr. 26546/1/A/PN/00185/ 25.01.986[1]
Primeşte lt. col. Păduraru
Informator „Mayer”
NOTĂ

La şedinţa cenaclului de limba germană care a avut loc în [indescifrabil] a.c. şi la care a prezentat o lucrare literară cu caracter ştiinţifico-fantastic WILLIAM MARIN, a fost prezent şi HAUPT NICOLAE, dar nu şi-a exprimat nici o părere faţă de cele prezentate, iar sursa nu a avut posibilitatea să discute cu el, întrucît acesta a sosit mai tîrziu şi locul de lîngă sursă era deja ocupat.
În schimb, în ziua de 15 ianuarie, sursa a mers la domiciliul lui HAUPT unde a discutat cu el, acesta fiind satisfăcut că a primit un premiu pentru ultima lui carte pentru copii, publicată în 1984.
S-a exprimat în discuţie că citeşte mult noaptea, iar ziua de regulă doarme mai tîrziu. A rezultat că în ultima perioadă l-a vizitat la domiciliu pe REITER ROBERT care ar scrie o lucrare despre bunicul său care a fost [marinar ? – cuvînt ilizibil - n.n.] şi a călătorit în multe ţări.
Sursa a observat că atît de această dată, cît şi anterior HAUPT nu a mai avut nici un fel de manifestări tendenţioase.

Observaţii

Haupt Nicolae este lucrat în E.D.P. În 1985 a fost avertizat de organele noastre.

Sarcini

Sursa a fost instruită să continuie relaţiile cu Haupt Nicolae şi pe lîngă preocupările sale literare să urmărească dacă nu are comportări duşmănoase.

(ss) lt. col. Păduraru

ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 22






[1] Text olograf, scris de Păduraru.  


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[21. Juni 1986. „Mayer”, alias Hans Mokka, berichtet der Securitate, was ihm Nikolaus Haupt nach einer zufälligen Begegnung mit Johann Lippet erzählt hat; Mokka und Haupt blieben weiterhin Mitglieder des Adam-Müller-Literaturkreises, nachdem Mitte der 1980-er Jahre der Konflikt mit dem Geheimdienst eskalierte und mehrere Mitglieder den Kreis aus Protest verließen. Hinweise auf die damaligen Vorkommnisse in: Johann Lippet: „Wir werden wie im Märchen sterben“. Streiflichter zur Temeswarer Literaturszene: die „Aktionsgruppe Banat (1972-1975) und der „Adam Müller-Guttenbrunn“ Literaturkreis in der Zeitspanne 1977-1984, in: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, nr. 1-2, 2012; id. Das Leben einer Akte. Chronologie einer Bespitzelung, Wunderhorn, Heidelberg 2009; Richard Wagner, „Eskalation 84 oder Wie ich Adam Müller-Guttenbrunn den Bulhardt ersparte”, in: Spiegelungen, 4. (58) Jg., Heft 3, 2009; William Totok, Die Zwänge der Erinnerung. Aufzeichnungen aus Rumänien, Junius Verlag, Hamburg, 1988; id., Constrângerea memoriei. Însemnări, documente, amintiri (Gedächtnisnötigung. Aufzeichnungen, Dokumente, Erinnerungen), Editura Polirom, Iaşi 2001.]

[21 iunie 1986. „Mayer”, alias Hans Mokka, au continuat să frecventeze cenaclul literar Adam Müller-Guttenbrunn, după ce o parte a membrilor a părăsit, în semn de protest, cenaclul amintit. Despre conflictele ivite dupa 1984 a se vedea: Johann Lippet: „Wir werden wie im Märchen sterben“. Streiflichter zur Temeswarer Literaturszene: die „Aktionsgruppe Banat (1972-1975) und der „Adam Müller-Guttenbrunn“ Literaturkreis in der Zeitspanne 1977-1984, în: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik”, nr. 1-2, 2012; id. Das Leben einer Akte. Chronologie einer Bespitzelung, Wunderhorn, Heidelberg 2009; Richard Wagner, „Eskalation 84 oder Wie ich Adam Müller-Guttenbrunn den Bulhardt ersparte”, în: Spiegelungen, anul 4 (58), Nr. 3, 2009; William Totok, Die Zwänge der Erinnerung. Aufzeichnungen aus Rumänien, Junius Verlag, Hamburg, 1988; id., Constrângerea memoriei. Însemnări, documente, amintiri, Editura Polirom, Iaşi 2001.]


Nr. 26546/1/A/PN/ 00206/ 21.VI. 986
Primit lt. col. PĂDURARIU NICOLAE
Informator: MAYER[1]
NOTĂ 


Sursa „Mayer” semnalează că în ziua de 20 iunie 1986 cu ocazia şedinţei de cenaclu a discutat cu HAUPT NICOLAE care a relatat că a fost acostat pe stradă de LIPPET JOHANN şi întrebat că ce caută la cenaclul literar.[2]
HAUPT i-ar fi răspuns că merge la cencalu pentru a se distra.
Din modul în care HAUPT a relatat cele de mai sus a reieşit că nu este de acord cu atitudinea lui LIPPET care caută să îndepărteze oamenii de cenaclu şi cu [susţinătorii ? – cuvînt greu lizibil] lui şi a altora că fără ei nu se poate desfăşura cenaclul literar din Timişoara.

Observaţie[3]

HAUPT NICOLAE este lucrat în EDP.
LIPPET JOHANN este lucrat în DUI şi este cunoscut că boicotează activitatea cenaclului literar.
(SS) lt. col. Pădurariu

ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 23





[1] Document scris de mînă de ofiţerul Păduraru. În colţul stîng al paginii notat de mînă: „Am primit copie“, (ss) lt.maj. indescifrabil.
[2] Cuvintele cursive subliniate în text. Pasajul marcat în stînga cu două linii verticale.
[3] În stînga menţiune, scrisă de mînă, de un alt ofiţer, greu lizibilă. Din cuvintele descifrabile rezultă că încadrarea informativă a lui Haupt urmează să fie intensificată. 

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[20. Dezember 1986. „Mayer” informiert Oberstleutnant Nicolae Păduraru, dass Nikolaus Haupt sich beschwert habe, dass man seine Beiträge weder in der Neuen Banater Zeitung noch in der ungarischen Zeitung aus Temeswar, Szabad Szó, veröffentlichen würde)

[20 decembrie 1986. „Mayer” îl informează pe lt. col. Nicolae Păduraru că Nikolaus Haupt i s-a plîns că nu i se publică lucrările, nici în Neue Banater Zeitung şi nici în ziarul de limbă maghiară din Timişoara, Szabad Szó)

ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 24


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[16. April 1987. „Matei” berichtet Oberstleutnant Nicolae Păduraru über die Teilnahme und Wortmeldungen Nikolaus Haupts innerhalb der Sitzungen des Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreises

[16 aprilie 1987. „Matei” îi relatează lt. col. Nicolae Păduraru despre prezenţa lui Nikolaus Haupt la şedinţele cenaclului timişorean Adam-Müller-Guttenbrunn şi despre faptul că acesta este „combativ” şi ia cuvîntul, „însă se cunoaşte că pentru literatură nu are prea mult talent, dar cei prezenţi, datorită vîrstei sale, nu-l contrazic pentru a nu-l jigni. A prezentat personal şi unele fragmente din lucrările sale, fără aspecte interpretabile, dar de calitate modestă”]

ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 25-25v



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[20. Juni 1987. „Mayer” berichtet Oberstleutnant über eine misslungene Lesung aus einer im 18. Jahrhundert angesiedelten Erzählung von Nikolaus Haupt im Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreis, die von den Teilnehmern mit Rücksicht auf das Alter des Verfassers nur moderat kritisiert wurde und die keinerlei „tendenziösen” Stellen enthält] 

[20 iunie 1987. „Mayer” îi relatează lui Păduraru despre lectura lui Nikolaus Haupt în cadrul cenaclului Adam-Müller-Guttenbrunn, pe data de 12 iunie, calificîndu-i povestirea, plasată în secolul al 19-lea, drept slabă, menţionînd, în acelaşi timp, că nu avea pasaje „tendenţioase”, iar cei prezenţi, ţinînd cont de vîrsta inaintată a autorului, s-au abţinut de la critici prea aspre] 


ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 28

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[25. Juni 1987. „Matei” berichtet Oberstleutnant Păduraru über die Lesung Nikolaus Haupts im AMG-Kreis, vom 12. Juni, aus einer historischen Novelle, die den Teilnehmern nicht besonders gut gefallen habe; „Matei” lobt trotzdem den Versuch des Verfassers, die katholische Kirche ironisch beschrieben zu haben] 

[25 iunie 1987. „Matei” relatează lt. col. Păduraru despre lectura lui Haupt dintr-o nuvelă istorică, susţinută în cadrul cenaclului A. M. Guttenbrunn, pe data de 12 iunie, care nu a plăcut participanţilor; „Matei” totuşi apreciază faptul că autorul a ironizat biserica catolică] 


ACNSAS, I 1050764, vol. 3, f. 29

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[Dezember 1984. Die Banater Post verleumdet Herta Müller in einem unüberbietbaren Artikel, verfasst von einem gewissen H. Schneider, in dem Nikolaus Haupt als „Kronzeuge“ zitiert wurde.] 

[Decembrie 1984. Ziarul şvabilor bănăţeni din Republica Federală Germania, Banater Post, publică un articol de ponegrire a Hertăi Müller, în care sînt citate aserţiunile defăimătoare ale lui Nikolaus Haupt]

„Eine Apotheose des Häßlichen und Abstoßenden. Anmerkungen zu Herta Müllers ‚Niederungen‘“

Herta Müller wurde am 17. August 1953 im Banater Nitzkydorf geboren. Das Gymnasium besuchte sie in Temeschburg. Von 1973-1976 studierte sie an der Temeschburger Universität Germanistik und Romanistik und arbeitete anschließend - als Deutschlehrerin an einer Temeschburger Schule. 1981 wurde ihr der Förderpreis des Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreises Temeschburg zugesprochen. Anfang 1982 veröffentlicht H. Müller im Bukarester Kriterion Verlag ihren ersten Prosaband „Niederungen“ und erhielt dafür den literaturpreis des Kommunistischen Jugendbundes Rumäniens und einen Debütpreis des rumänischen Schriftstellerverbandes. Derselbe Band erschien 1984 im Rotbuch Verlag Berlin (West). 1984 veröffentlichte sie bei Kriterion ihr zweites Buch, „Drükkender Tango“.

Es ist für einen deutschen Autor aus Rumänien seit Ceausescus Minikulturrevolution der frühen siebziger Jahre sehr schwer, schier unmöglich, im Westen etwas zu veröffentlichen. H. Müller ist nach Nikolaus Berwanger (mit „Steingeflüster - Lyrische Bekenntnisse eines Rumäniendeutschen“, Olms-Verlag Hildesheim 1983) die zweite Banater Schreibende, der der große Schritt in den Westen gelingt. Und das mit ihrem Erstlingswerk. Man staunt und sucht Erklärungen. Mit dem Prosa-Förderpreis des AMG-Literaturkreises erntete H. Müller erste literarische Lorbeeren. Dieser Preis wird alljährlich nach Abschluß der Sitzungsperiode für die besten vor den Kreismitgliedern gelesenen Arbeiten verliehen. Stimmberechtigt sind alle Mitglieder, und bei der Wahl gibt es, wie man erfährt, keinen Zwang, was ja bei den derzeitigen Banater Verhältnissen keinesfalls selbstverständlich ist. Die Fairneß gebietet, dies im Falle H. Müller zu unterstreichen, denn sie erhielt bei der Preisverleihung 48 Stimmen, während der Zweitplazierte nur 8 Stimmen auf sich vereinigen konnte, und auch der parallel gekürte Lyrik-Förderpreisträger brachte es nur auf 23 Stimmen. Alle diese Angaben sind der Temeschburger „Neuen Banater Zeitung“ (NBZ) vom 23. 5. 84 entnommen.

Am 24. 5. 81 veröffentlichte der NBZ-Kulturbote eine Kurzgeschichte der Preisträgerin unter der Überschrift „Das schwäbische Bad“, die übrigens auch in den Band „Niederungen“ aufgenommen wurde. In dieser von der NBZ als „Satire“ bezeichneten Geschichte wird über das Baden in einer schwäbischen Familie erzählt. Sohn, Mutter, Vater, Großmutter und Großvater baden in der angeführten Reihenfolge in demselben Wasser und reiben sich beim Reinigungsvorgang Schmutznudeln von der Haut, die die Autorin mit viel Sinn fürs ekelerregende Detail beschreibt. 
Ein Sturm der Entrüstung fegte nach der Veröffentlichung über das schwäbische Banat. Die zweifellos auch literarisch leidgeprüften Banater Schwaben begehrten auf, lehnten die Verunglimpfung entschieden ab. Ein redaktioneller Aufsatz in der NBZ vom 21. 6. 81 erlaubt Rückschlüsse auf das Ausmaß der Empörung: „Wir erhielten Briefe, die nicht ,bloß' Beleidigungen der Autorin (und anderer) enthielten, sondern auch böseste Beschimpfungen, ja sogar Drohungen.“

Unter den vielen ablehnenden Stimmen, die sich selbst die NBZ genötigt sah zu veröffentlichen, ist die mahnende Warnung des betagten ehemaligen Journalisten Nikolaus Haupt, in der NBZ vom 5. 7. 81, besonders bemerkenswert. Er sagt unter anderem: „Es mag vieles unrichtig gewesen sein bei uns Schwaben in der Vergangenheit. Aber die totale Entwurzelung, die den Grundton bei den Arbeiten des AMG-Literaturkreises in der verflossenen Saison bildete, hat mich aufs Tiefste erschreckt ... Offenen Protest löste H. Müllers Kurzprosa über das schwäbische Bad aus, wobei dem Literaturkreis nicht der Vorwurf erspart werden kann, der Autorin sogar einen Literaturpreis zugesprochen zu haben. Wenn man bedenkt, daß solches in der Zeit vor sich geht, in welcher die deutschen Menschen in diesem Landstrich vielleicht wie noch nie zuvor eines inneren Haltes und des Glaubens an den eigenen Wert bedürfen, ist es verständlich, daß die Herausstellung dieser Schreibenden und der Grundton der Laudatio, die bei der Preisverleihung auf diese Literatin gehalten wurde, in noch gesunden Schichten unserer deutschen Mitbürger Mißmut, Ablehnung und empörten Widerspruch ausgelöst haben. Das um so mehr, als die rumänische Gegenwartsliteratur in ihrer beispielgebend bewußt volksbejahenden Haltung auch den jungen Autoren des Literaturkreises sowie einer H. Müller kaum unbekannt geblieben sein dürfte.“ - Eine mutige, sehr beachtenswerde Stimme eines in der alten Heimat lebenden Kennersder Lage! (Hervorhebung - Halbjahresschrift - hjs-online.)

Richard Wagner, der nicht nur literarischer Weggefährte H. Müllers ist, führte in seiner Laudatio an läßlich der Preisverfeihung unter anderem aus (NBZ vom 7. 6. 81): „Als ich, als wir, auch ... H. Müller, zur Welt kamen, waren die Deutschen schon da. Sie nannten sich Landsleute und lebten in Dörfern, die ihnen ein bißchen zu groß geraten waren. So fand sich in diesen Dörfern auch Platz für andere, die keine Deutschen waren... Die Deutschen, unter denen wir aufwuchsen, hießen Vater und Mutter und Tante und Onkel. Unter ihnen waren auch die ersten Nazis unseres Lebens ... Nein, diese Deutschen dachten nicht nach .. , Nein, nachdenken haben wir von diesen Deutschen nicht gelernt ... „ Die einleitende simple Erklärung der Anwesenheit rumänischer Siedler in den deutschen Dörfern des Banats nach dem Kriege unterstreicht des Laudators selbstkritische Aussage über mangelhaft entwickeltes Denkvermögen zur Genüge.
Der Dankrede H. Müllers ist zu entnehmen: „... Die ständige Angst vor dem Assimiliertwerden des ,kleinen Häufchens', wie sich die Schwaben so gern bezeichnen, ist nichts als eine Rechtfertigung für ihren Ethnozentrismus. Der Kult, den sie aus den imaginären Werten: Ordnung, Fleiß und Sauberkeit machen, Werte, die ihnen und nur ihnen zugeschrieben werden dürfen, ist nichts als eine fadenscheinige Rechtfertigung für ihre Intoleranz. Meine Verstörung ist das Produkt dieser ethnozentrischen, imaginären Werte ...“ Es könnte auch egozentrischer Nihilismus sein, der Unordnung, Faulheit und Schmutz literarisch verklärt und begründet, wäre hinzuzufügen. 

All dies wäre möglicherweise als kleiner, örtlicher literarischer Skandal im Temeschburger Sand verlaufen, hätte nicht das „Kulturinstitut der BRD“ (Goethe-Institut) in Bukarest Herrn Friedrich Christian Delius, der sich selbst als „freier Mitarbeiter der Klassenkämpfe“ bekennt und als Schriftsteller Texte für Leute schreibt, „die bewußt oder weniger bewußt ein Interesse zur Veränderung im Sinne des Sozialismus“ haben (Delius über Delius in der NBZ vom 26. 10. 83), als Gast des AMG-Kreises nach Temeschburg gebracht. Dem in der NBZ veröffentlichten Interview sind außer den klassenkämpferischen Selbstbekenntnissen im stalinistischen Jargon der frühen fünfziger Jahre auch noch weitere Einzelheiten zu entnehmen. Man erfährt von einer Klage der Siemens AG gegen eine Schrift Delius', in der dieser behauptet, der Elektroriese wäre an der „Installierung der elektrotechnischen Anlagen für das KZ Auschwitz beteiligt“ gewesen; das „Gericht hat (in dieser Frage, aber) zugunsten von Siemens entschieden“. „Arbeiter kommen so gut wie nie zu (seinen) Lesungen“, erfährt man aus dem Interview ebenso wie die Tatsache, daß Delius am 6. März die Grünen gewählt hat.

In Verbindung mit H. Müller ist die Aussage Delius', daß er „lange Zeit Lektor im Rotbuch Verlag“ war, zweifellos bedeutungsvoll, da ihre „Niederungen“ bekanntlich in diesem Verlag erschienen sind. Dieses Buch hat hierzulande, ebenso wie die Badgeschichte im Banat, Staub aufgewirbelt, banat-schwäbische Ablehnung erfahren und Empörung ausgelöst. Hauptthema von H. Müllers Erzählungen sind die Banater Schwaben und das schwäbische Dorf. Sie werden literarisch dargestellt beziehungsweise entstellt, sie werden literarisch gestaltet beziehungsweise verunstaltet. Dabei ist ihr jedes Mittel recht, kein Ausdrucksmittel zu vulgär. Sie verunglimpft ihre Landsleute, ihre Sippe, ihre nächsten Angehörigen. Sie schwelgt in der Darstellung des Häßlichen, des Abstoßenden, des Widerlichen und des Ekelerregenden - des Ekels schlechthin.

H. Müller soll angeblich auf den 135 Textseiten der „Niederungen“, laut Delius' Rezension im Spiegel Nr. 43/84 und ebenso auch gemäß der Betrachtung von Gerhardt Csejka in der „Tribuna Romaniei“ vom 1. 10.84 die Welt der Erwachsenen durch die Brille eines Kindes sehen. Der in der „modernen“ Literatur Unbewanderte, nicht Belesene, fragt sich allerdings, ob Zoten tatsächlich dem Denken gesunder Kinder entspringen und ob das Verpflanzen von krankhaften Gedankengängen Erwachsener in Kinderköpfe alleine mit dem Hinweis auf literarische Freiheit zu rechtfertigen ist. 

Inhaltsangaben über die „Niederungen“ zu machen ist schwierig, für viele der darin zusammengefaßten Erzählungen praktisch unmöglich. Über Satz- und Absatzzitate kann aber dem Leser zumindest einiges von H. Müllers Ideengut vermittelt und bekanntgemacht werden. 

Der Erzählung „Meine Familie“ (S. 15) ist zu entnehmen: „ ... Mein Großvater hat den Hodenbruch. Mein Vater hat noch ein anderes Kind mit einer anderen Frau... die Leute sagen, daß ich ... von einem anderen Mann bin ... Die anderen Leute sagen, daß meine Mutter von einem anderen Mann ist und daß mein Onkel von einem anderen Mann ist, aber nicht von demselben anderen Mann, sondern von einem anderen ... Mein Urgroßvater fuhr jahraus, jahrein jeden Samstag in eine kleine Stadt ... Die Leute sagen, daß er sich in dieser kleinen Stadt mit einer anderen Frau abgab ... Man sah ihn nie mit dieser anderen Frau, aber sie konnte, so sagen die Leute, nicht anderes als Badhure sein, weil mein Großvater Sich nie in der Öffentlichkeit mit ihr zeigte ... „

Weitere Ergebnisse von Ahnenforschung dieser Art und familiäre Interna ziehen sich wie ein roter Faden durch das Büchlein. Aber auch sonstige Beobachtungen stehen diesen gegenüber nicht zurück. „Ich wische mir mit dem Klopapier trotzdem den Hintern ab und schaute in den Ausschnitt und sah den Kot, in dem weiße Würmer krochen. Ich sah die kleinen schwarzen Kotknollen und wußte, daß Großmutter wieder Verstopfung hat, und sah den lichtgelben Kot meines Vaters und den rötlichen Kot meiner Mutter. Ich suchte den Kot meines Großvaters, und Mutter schrie meinen Namen in den Hof, und als ich endlich vor ihr im Zimmer stand, hörte sie auf, ihren Strumpf das Bein hinaufzurollen, und gab mir eine Ohrfeige, du hast zu antworten, wenn ich dich rufe“ (S. 45).

Exkremente und ihre Ausscheidung werden auch an anderen Stellen literarisch gestaltet: „Ich hörte den Urin, den Heini in den Nachttopf plätschern ließ ... Ich sah Heini, wie er den Nachttopf in der Hand hielt und mit eingeknickten Knien dastand. Und mit der anderen Hand hielt er sein Glied. Es war sehr weiß im Schein des Blitzes. Ich mußte auch pissen. Ich stand auf und setzte mich über den Topf, und ich zog den Bauch ein, um das Geräusch des Urins zu verhindern ... Es rann lauwarm aus mir. Es rauschte ... (S. 48). Oder an anderer Stelle: „... Dann trug Großmutter den vollen Nachttopf in den Hinterhof und ließ eine Kette aus Tropfen hinter ihrem Gang im Zimmer, im Vorzimmer, im Gang, im Hofe. Auch ihr Daumen
war naß geworden. Tagsüber stand der Nachttopf unter dem Schemel zwischen den Ehebetten. Er war mit einer Zeitung zugedeckt, und man sah ihn nicht, aber man roch ihn, wenn man das Zimmer betrat. Jede Nacht hörte ich im Nebenzimmer Großmutters Urin in den Nachttopf rauschen. Wenn es nicht gleich laut und mit kleinen Unterbrechungen rauschte, wußte ich, daß jetzt Großvater über dem Nachttopf stand ... „ (S. 83).

H. Müllers Erzählkunst erstreckt sich auch noch auf andere Bereiche: „Mein Vater hat seine Leber ausgekotzt. Sie stinkt dort im Eimer wie faule Erde“ (S. 35). Ein weiteres Thema: „... Die heiße Luft aus Käthes Bauch riecht nach faulen Birnen ... Die Tante stöhnt: Der Vater keucht. Das Bett zuckt in kurzen Stößen aus dem Holz ... Die Tante kichert, der Vater flüstert... Der Vater steigt barfuß ... hoch. Sein Hemd ist offen. Sein Gehen riecht nach faulen Birnen ... „ (S. 98). „ ... Ich seh' Käthes blaues Höschen mit dem gelben Fleck aus faulen Birnen zwischen ihren Schenkein ... „ (S. 99). „ ... Der Fleck an Käthes Höschen ist naß und dunkelbraun ... „ (S. 100). „... Der Sitz ist noch warm von den Schenkeln der Tante und riecht nach faulen Birnen ... „ (S. 102). „ ... Hinter der Zimmerwand ächzt das Bett in kurzen Stößen. Die Mutter stöhnt. Der Vater keucht. Die Ebene ist vollgehängt mit schwarzen Betten und mit faulen Birnen ... „(S.102-103).

Als Nebenthemen werden noch Tierquälerei, Kinderprügeln, Totenverachtung und anderes mehr behandelt. Immer wieder mit häßlichen, abstoßenden Details, rabulistisch beschrieben. Gelinde gesagt, Aneinanderreihungen von Geschmacklosigkeiten, die der Menschenachtung und Menschenwürde hohnsprechen und die die krankhafte Ablehnung, Verachtung und den Haß der Autorin gegenüber ihrer Familie und ihrem schwäbischen Volksstamm zum Ausdruck bringen.

Delius bewertet das Buch in seiner bereits erwähnten Spiegel-Rezension als „ein mitreißendes literarisches Meisterstück“. Auf der Bücher-Bestenliste des Südwestfunk-Literaturmagazins für September soll es Platz 8 eingenommen haben (NBZ vom 23. 9. 84). Die Wertungskriterien, nach denen Delius sein Urteil fällt, verrät er uns selbst. Er erkennt aufgrund der Lektüre von H. Müllers Buch, „das deutsche Dorf, es ist, mit einem Wort, die Hölle auf Erden“. Er hat das „grauenvolle Landleben der Banatschwaben“ erfaßt und schreibt dies nicht Ceausescus Sozialismus, sondern einem Deutschtum zu, „das allein auf den Sekundärtugenden Gehorsam, Ordnung, Sauberkeit, Fleiß, Frömmigkeit. . . auf Deutschdünkel, deutscher Inzucht ... „ beruht. Er erkennt mit seltenem Weitblick, daß „ ... die Misere der Auslandsdeutschen im Osten nicht mehr allein der offensichtlich katastrophalen wirtschaftlichen Lage und der Einschränkung von Grundrechten“ zuzuschreiben ist. Sollten die Banaterdeutschen Arbeiter Delius' Lesungen auch künftig, trotz seines schwäbischen Engagements, fernbleiben, er dürfte sich nicht wundern. Für seine Gesinnungsgenossen vom SWF-Literaturmagazin gilt wohl dieselbe Realitätsferne und Verblendung. 

G. Csejkas Lob in der „Tribuna României“ (1. 10. 84) ist staatlich gesteuert. Man fördert den Aufbau und Zerfall des Deutschtums aus seinem Inneren heraus. Hätte H. Müller ähnlich über ihre rumänischen Mitbewohner geschrieben, man hätte sie in Rumänien gehenkt. Auch jeden Rumänen, der so über sein Volk und sein Land urteilen und schreiben würde. Vergleichbare Schriften mit rumänischer Zielrichtung hätte man nie im Ausland veröffentlichen dürfen. H. Müller ist eine der wertvollsten Mitarbeiterinnen der Bukarester ZK-Propagandaabteilung und anderer Departements ... Sie schädigt das Image des  Auslandsdeutschen im Mutterland, dessen Hilfe und Unterstützung im Banat und in Siebenbürgen so nötig sind. Deshalb durfte sie ihr Erstlingswerk im westlichen Ausland veröffentlichen, ein Vorrecht, das in der Regel nur sehr bekannten, besonders linientreuen Literaten zusteht. Sie weilte während der Frankfurter Buchmesse in Deutschland, gab Interviews und soll hinter vorgehaltener Hand auch über Schwierigkeiten mit der rumänischen Geheimpolizei erzählt haben. Auch Delius weiß in seinem Spiegel-Aufsatz zu berichten, sie werde „von der Politik Ceausescus ... schikaniert“. Kenner rumänischer Verhältnisse werden solche Hinweise als frei erfunden abtun oder als eine nicht unbedingt neue Erfindung abwinken. Sie könnten im Hinblick auf die künftige Verpflanzung H. Müllers in den Westen in Umlauf gesetzt worden sein, denn von hier könnte sie ihren Auftraggebern noch bessere Dienste leisten bei der wirkungsvollen und nachhaltigen Schädigung des Rest-Deutschtums in Rumänien. Es dürfte unter diesen Vorzeichen nur mehr eine Frage der Zeit sein, ehe man eine Banater Belebung für die „moderne“ Literaturszene bestimmter Kreise hierzulande verzeichnen wird.

Hinter diese Betrachtung war der abschließende Punkt gesetzt, als der Bayerische Rundfunk (II. Programm) am 18. 11.84, um 18 Uhr, ein Gespräch von Thomas Zenke mit H. Müller ausstrahlte. Davor erging die Mitteilung, daß ihr der Förderpreis des Bremer Literaturpreises verliehen worden ist.

H. Müller hat in diesem Gespräch mit der ihr eigenen „Sprachkraft“ (Zenke über Müller) und „Radikalität der Sprache“ (Müller über Müller) sowie mit ihren tiefgreifenden Kenntnissen bundesdeutscher Verhältnisse festgestellt, viele Leute in der Landsmannschaft der Banater Schwaben seien gewesene Nazis, sie führten eine faschistoide Sprache und sie würden ihre Landsleute, „die auswandernde Bevölkerung, die Leute, die aus Rumänien herkommen, bewußt im Getto halten, weil es in ihrem Interesse ist, daß diese Leute im Getto leben und sich nicht anpassen“.

Bemerkenswert ist an diesen Behauptungen die Unbekümmertheit (?!), mit der bundesdeutsche Rundfunksender solche Anschuldigungen unwidersprochen ausstrahlen, denn auch der Deutschlandfunk hat am 7. 10. 84, um 16 Uhr, ein Gespräch von Zenke mit H. Müller gesendet, in dem ähnliche Anschuldigungen ausgesprochen wurden. 

Obgleich H. Müller im Glashaus sitzt, wirft sie mit Steinen. Trotz ihrer unübertroffen vulgären Ausdrucksweise beanstandet sie die Sprache ihrer Kritiker. Sie klagt die politische Vergangenheit anderer an, um von ihrer Gegenwart abzulenken. Pharisäisch-verlogen spricht sie vom landsmannschaftlich geförderten Gettodasein der Banater Schwaben hierzulande, während sie bemüht war und ist, sich für ihr „literarisches“ Tun mit allen Mitteln einen Bevölkerungshintergrund zu sichern, deutsche Menschen vom Mutterland zu isolieren, trotzdem sie den (baldigen) Zeitpunkt ihres Absprungs schon eingeplant hat.
Ist es verwunderlich, daß die Schwaben im Banat - und nicht nur dort - sie ablehnen und wie sie selbst gesteht, sogar beschimpfen? Suum cuique!... Jedem das Seine!
H. Schneider

H. Schneider: „Eine Apotheose des Häßlichen und Abstoßenden. Anmerkungen zu Herta Müllers ‚Niederungen‘“, in: Banater Post, 29. Jg., Nr. 23/24, Dezember 1984, S. 19-21.








Aktualisiert-actualizat: 24. 3. 2022, 16:55 h