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Vergessene Nazis - Naziști uitați



Vergessene Nazis - Naziști uitați

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Bruno (Hillebrandt) Skrehunetz (1898-1978)

Fritz Poppenberger (1904-1992)


Antisemitische Hetze in der Czernowitzer Deutschen Tagespost - Instigare antisemită în Czernowitzer Deutsche Tagespost

[3. November 1937. Der Fackelläufer von Burdujeni]

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5. November 1937. Cato: Der Fackelläufer von Burdujeni – 2]


 

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Bruno (Hillebrandt) Skrehunetz (1898-1978)

Fritz Poppenberger (1904-1992)

Czernowitzer Deutsche Tagespost. Allgemeine deutsche Volkszeitung - Tagblatt des Bukowiner Deutschtums, 14. Jg., Nr. 4128, 17. Dezember 1937.


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Antisemitische Hetze in der Czernowitzer Deutschen Tagespost - Instigare antisemită în Czernowitzer Deutsche Tagespost

 

Die beiden Artikel erschienen im November 1937 in der Czernowitzer Deutschen Tagespost, dem zentralen Sprachrohr der nationalsozialistisch ausgerichteten Bewegung der Rumäniendeutschen in der Bukowina. Unter dem Pseudonym „Cato“ (in Anlehnung an den römischen Zensor) wurde hier gezielte antisemitische Denunziation betrieben.

Das Angriffsziel von „Cato“ ist Alfred Margul-Sperber (1898–1967), einer der bedeutendsten deutschsprachigen jüdischen Dichter aus der Bukowina. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er unter anderem als Redakteur für das liberale Czernowitzer Morgenblatt. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt zeitweise in einem Export-Schlachthaus im rumänischen Burdujeni – ein Umstand, den der Verfasser der Artikel hämisch ausschlachtet.

Sperber hatte tatsächlich den Nazidichtern Josef Weinheber, einem österreichischen Lyriker, und Ludwig Friedrich Barthel Gedichte gewidmet und versucht in literarischen Publikationen im nationalsozialistischen Deutschland zu publizieren. Aber auch in der von dem Antisemiten Heinrich Zillich in Kronstadt/Braşov herausgegebenen Zeitschrift Klingsor.

Die Tagespost deutet diese Widmungen als „Anbiederung“ und nutzt Barthels völkische Literaturansichten, um Sperber das Recht auf die deutsche Sprache abzusprechen.

Das im ersten Artikel abgedruckte Gedicht von Margul-Sperber ist eine hochgradig symbolische, düstere Vision und eine kritische Auseinandersetzung mit der Situation im Dritten Reich und der Inszenierung während der Olympiade von 1936. Die Olympiade thematisierte Sperber übrigens auch in seinem viel zitierten Gedicht: „Ein Neger erringt den Olympiarekord für die USA“, während er in seinem „Fackelläufer“ die olympische Fackel als Metapher einsetzt, um den Reichstagsbrand und Hitlers Kriegspläne sichtbar zu machen.

Während das NS-Regime den Brandstifter Marinus van der Lubbe als kommunistischen Einzeltäter (oder Werkzeug) darstellte, deutet Sperbers Gedicht den Brand als ein unaufhaltsames, gespenstisches Verhängnis, das über Deutschland zieht – befohlen von einem „Unsichtbaren, dem man [...] stumm gehorchen muß“ (eine klare Anspielung auf Adolf Hitler und die NS-Führung als wahre Profiteure des Brandes).

Die Artikel verfolgen eine perfide Doppelstrategie, die typisch für die nationalsozialistische und antisemitische Presse jener Jahre war.

Dem jüdischen Dichter Alfred Margul-Sperber wird das Recht abgesprochen, sich in deutscher Sprache auszudrücken oder Teil der deutschen Literaturgeschichte zu sein (daher der Vergleich mit einem „Straßenköter“). Die Artikel von Cato verweisen explizit darauf, dass Sperber noch in deutschen Standardwerken (Kürschners Deutscher Literatur-Kalender) und Anthologien geführt wird. Der Satz, dass es „Sache zuständiger Stellen im Reiche sein [wird], diese Maskeraden aufzuklären“, ist ein direkter Aufruf an die Reichsschrifttumskammer in Berlin, Margul-Sperber im Deutschen Reich auf die „schwarze Liste“ zu setzen.

 

În noiembrie 1937, publicația pro-nazistă a minorităţii germane din Bucovina, Czernowitzer Deutsche Tagespost, a lansat un atac antisemit împotriva scriitorului germano-evreu, Alfred Margul-Sperber. Articolele au fost semnate cu pseudonimul „Cato”. Autorul a exploatat situația profesională a lui Sperber și a folosit teorii rasiste şi antisemite pentru a-i contesta dreptul de a folosi limba germană, cerînd intervenția autorităţilor naziste din Berlin pentru a-i interzice orice acces la publicaţii literare.

 [3. November 1937. Der Fackelläufer von Burdujeni]

Der Fackelläufer von Burdujeni

„Der Rausch der hohen Feste muß verwehn,
doch ob den Glanz auch ganz Vergessen bleiche,
in fernster Zeit noch wird ein Raunen gehn
vom Läufer durch die Nacht der sieben Reiche.

Der Greis in späten Tagen noch erzählt
den Enkeln, die am Ofen schauernd lauschen,
wie er dem Wanderer, der den Weg verfehlt,
vorübersauste wie ein Sturmeslauschen:

Nicht Jener, der die Opferflamme trug
vom griechischen Altar zum fernen Norden
ein Läufer ohne Kopf, ein bleicher Spuk
der Nacht, gespenstisch aus dem Nichts geworden!

Sein Lauf ging unaufhaltsam durch das Land,
der blutige Stumpf auf seinem Nacken glühte
noch röter durch das Dunkel, als der Brand
der Fackel, die in seiner Hand versprühte.

Und wo er weilte, barst die Flamme schon:
die Bauern, die aus ihren Hütten traten,
sahn starr vor Schrecken rings die Wälder lohn,
und wie ein breites Flammenmeer die Saaten.

Weit hinter ihm wies riesig in das Land
durch schwarze Nacht den Weg, den er genommen,
ein weißes Schwehlen wie ein Schlangenband,
doch endlich schien er an ein Ziel gekommen.

Er stand im Dunkel einer großen Stadt,
die wie ein Tier im Schlaf sich keuchend regte,
und vor ihm lag das Haus, in dem der Rat
der Männer jenes Lands zu tagen pflegte.

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Bei späten Enkeln wird die Sage gehn,
wie er dort stand, im ersten Schein der Frühe,
der Läufer ohne Kopf, ein Graun zu sehn,
Und starr die Fackell hob, und sie mit Mühe

- wie einer, den ein schwerer Auftrag zwang -
in jenes Hauses Halle warf, und harrte,
bis sieghaft eine Riesenflamme sprang
aus dem Gebälk und in den Himmel starrte.

Und daß er dann den Arm erhob zum Gruß
an einen Unsichtbaren, dem man immer,
selbst in der Ferne, stumm gehorchen muß
und wie ein Rauch zerging im Morgenschimmer.“

Dieses Gedicht veröffentlichte Herr Alfred Margul-Sperber, gew. Redakteur des hiesigen jüdischen (und selbstverständlich deutschfeindlichen) „Morgenblattes“, dzt. Angestellter des Schlachthauses Burdujeni, in der Nr. 340 des hiesigen jüdischen Greuelhetzblattes „Tagblatt“ vom 27. September 1936 unter der Überschrift „Der Fabelläufer“. Anregung zu seinem Hetzgedicht gaben ihm, wie leicht zu erkennen, die Berliner Olympiade, der Reichstagsbrand, der verbrecherische Brandstifter van der Lubbe und sein Haß gegen das heutige Deutsche Reich. Das alles bleibt ihm unbenommen, möge er sich im Geiste und im Worte zu einem Verbrecher wie van der Lubbe bekennen, wenn es Herrn Alfred Margul-Sperber zu ihm zieht.

Nun hindert Herrn Sperber andererseits sein Haß nicht daran, sich dessen zu rühmen, daß seine Dichtungen im Nazibarbarenland Anerkennung fänden, und er versteht es auch in glänzender, geschickter Tarnung, mal anders zu sein und anders zu dichten, nur um in Zeitschriften des Dritten Reiches Eingang zu finden und dort gedruckt zu werden. So finden wir seinen Namen in dem kürzlich erschienenen „Kürschners Deutschenliteratur-Kalender 1937/38“ verzeichnet, der angeblich bereits judenrein sein soll und am allerwenigsten Greuelhetzern wie einem Margul-Sperber offenstehen dürfte. Aber der vielseitige Herr Sperber bringt noch mehr zustande. So finden wir einige Gedichte von ihm in einer Sammlung „junger deutscher Dichtung jenseits der Grenzen“, veröffentlicht im Septemberheft 1935 der in Hamburg erscheinenden Schriftenreihe „Das Gedicht“, Blätter für deutsche Dichtung. (Es wird auch Sache zuständiger Stellen im Reiche sein, diese Maskeraden aufzuklären und dafür zu sorgen, daß der Wiederholung solcher empörender Betrügereien ein Riegel vorgeschoben werde.)

Liest man Sperbers Gedicht „Der Fackelläufer“, so könnte man unter Berücksichtigung der Umwelt, in der er seinen Beruf im Schweineschlachthaus von Burdujeni ausüben muß, vielleicht noch annehmen, er sei beim Dichten von einem Schweineblutrausch erfaßt worden. Aber derselbe Herr Sperber kann seinen Lubbeschen fackelläuferischen Blutrausch auch ablegen und mit kühler Berechnung etwa ein Gedicht „Traumflucht“ („Tagblatt“ vom 24. Oktober 1937) einem Ludwig Friedrich Barthel widmen, oder ein anderes Gedicht „Oktoberfrühe “ („Tagblatt“ vom 17. Oktober 1937) dem Dichter Josef Weinheber als Widmung versetzen. Diese Anbiederung trägt dann schon einmal ihre Früchte, mag sie Herr Sperber denken. „Der Fackelläufer“ ist gut für Burdujeni, er ist gut für Cernăuți und die Juden in der ganzen Bucovina. Eine Widmung für Barthel und Josef Weinheber zeitigt aber in „Kürschners Deutschen Literatur-Kalender“ und in Sammlungen „junger deutscher Dichter jenseits der Grenzen“ im Dritten Reich Erfolge!

Josef Weinheber, erst im Vorjahr mit dem Münchener Mozartpreis ausgezeichnet, ist einer der nationalsten deutschen Dichter der Gegenwart und der denkbar stärkste Gegenpol des ihn besingenden Margul-Sperber. Er steht im Lager jener, die Sperber durch seinen kopflosen Fackelläufer verbrennen lassen will. Dasselbe gilt noch mehr für Ludwig Friedrich Barthel (nicht zu verwechseln mit dem Literaturhistoriker Adolf Bartels), der auch in seinem geistigen Schaffen ein verschworener Vorkämpfer des Nationalsozialismus ist. Das alles schützt sie aber nicht davor, von einem Margul-Sperber angedichtet zu werden. Großzügig setzt er sich über seinen Fackelläufer hinweg und dichtet - „Kürschners Literaturkalender“ usw. vor Augen - für Weinheber und Barthlel drauflos. (Dazu kann man nur sagen, daß die Säule aus edlem Marmor vor dem Portal eines vornehmen Hauses auch nichts dagegen tun kann, wenn vorbeilaufende Straßenköter vor ihr ein Bein heben...)

Solchen Edelknaben der Feder wie Sperber, für die sein blutiger Fackelläufer ohne Kopf fürwahr ein Symbol ist, gibt der von Margul- Sperber angedichtete Barthel selbst eine den Nagel auf den Kopf treffende Antwort. Wir führen aus einem Beitrag Ludwig Friedrich Barthels „Der Dichter in seiner Zeit“ im Almanach des Verlags Eugen Diederichs für das Jahr 1936 an:

„Bemüht, ein Ewiges zu offenbaren, ist er (der Dichter; Anm. d. Tgp.) durch das Mittel des Wortes an seine Zeit, an sein Volk ... gebunden.“

„Hölderlin wird keinem Franzosen - er deutsche sich denn ein und das hieße nicht nur unsere Sprache erlernen — aufrichtig nahekommen, wie es nur einen Faust gibt, den deutschen.“

„Der Dichter aber muß es von vornherein wissen, daß er als Deutscher allein unter Deutschen, als Grieche allein unter Griechen seine legitime Heimat haben kann, und diese Schicksalsverflochtenheit treibt ihn vollends hinein in das Erlebnis und in die Wirklichkeit seines Volkes.“

„Man will nicht Dichter seiner Zeit, seines Staates und seines Volkes werden, sondern man ist und wird das durch das Geblüt und Erlebnis, wie etwa Geblüt und Erlebnis den Dichter der Landschaft oder der Liebe bestimmen.“

„Wir leben nun einmal in einer kämpferischen Anspannung und nicht in einem Zustand seligen Besitzes. Unsere Freiheit atmet darum knapp. Sie wird um so natürlicher und gelassener atmen, je weiter die innere Durchbildung des neuen Staates voranschreitet und je eher das in einen Willen und eine Meinung zusammengeschworene Deutschland sich jeder fremden Bedrohung Herr weiß.“

„Es wird aber der Dichter unserer Zeit durch nichts so sehr aufgerufen, wie Durch den neuen Willen zum Ewigen, wie ihn der Staat und die Bewegung dartun und wie ihn der Führer gerade auch dem künstlerischen Gestalten des Dritten Reiches zur Richtschnur gibt.“     

*

Wir denken, daß, diese Ohrfeigen für Herrn Sperber genügen. Sie sind umso wirksamer und er muß sie umso mehr schweigend hinnehmen, als sie ihm von einem Mann versetzt werden, dem er selbst verehrungsvoll ein Gedicht widmete. (Ein zweiter Aufsatz folgt.)

Czernowitzer Deutsche Tagespost, 14. Jg., Nr. 4090, 3. November 1937, S. 2.

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[5. November 1937. Cato: Der Fackelläufer von Burdujeni – 2]

Der Fackelläufer von Burdujeni

2.

Herr Margul-Sperber und seinesgleichen — es gibt nämlich noch verschiedene „Sperbers“ in der Bucovina - mögen wirklich begabte Dichter sein oder nicht: das wollen wir nicht untersuchen und es ist uns gleichgültig. Wogegen wir uns wenden, ist das Streben dieser Leute, einerseits das heutige Deutschland und das Deutschtum zu besudeln und sich andererseits demselben Deutschland und dem deutschen Volke aufzudrängen, wie gewisse Tierchen dem im Bette schlummernden Menschen. Wogegen wir uns wenden, ist die Überheblichkeit, mit der diese dichtenden Zeitgenossen sich dabei gegenseitig beweihräuchern, ohne die Wahrheit des alten Sprichwortes zu beachten, das da sagt, daß eigenes Lob stinkt.

Wenn man die in unserer Stadt erscheinenden jüdischen Blätter einige Zeit regelmäßig und aufmerksam verfolgt, wird man draufkommen, nach welchem System diese dichtenden, Fackelläufer „ohne Kopf“ arbeiten. Da veröffentlicht der Dichter A einen Artikel, in dem er die Dichtkunst seines dichtenden Geistesgenossen B preist. Eine Woche später erhält man einen Artikel des Dichters B vorgesetzt, der ein Loblied auf das dichterische Schaffen des Herrn C beinhaltet. Und wieder nach einigen Tagen schließt der Dichter C den Reigen, indem er dem Zeitungsleser Lob und Preis für die Gedichte des Dichtens A darbietet. Der naive und kritiklose Zeitungsleser, d. h. die große Masse, führt sich diese Lobgesänge zu Gemüte und schwört darauf, denn es sind ja Dichter, also geaichte Kenner, die dem oder jenem Kollegen solche Urteile spenden. Daß dieses Lob unter Lobenden und Gelobten im Kreise herumwandert und auf diese Weise eine Art Rückversicherung in der Familie darstellt, entgeht dem kritiklosen Zeitungsleser.

Genau so arbeiteten auch die aus östlichen, kaftangesegneten Gefilden in das Deutsche Reich zugewanderten Dichter, Schriftsteller und Journalisten im Nachkriegsdeutschland im großen Maßstabe, so machten sie sich gegenseitig groß und so ließen sie nur ihresgleichen aufkommen, das hochbegabte, bodenständige deutsche Schrifttum durch Totschweigen unterdrückend. Dieses System des Lobens im Kreise, das an eine sich in den eigenen Schwanz beißende Schlange (Symbol der Freimaurerei!) erinnert, hatte im Nachkriegsdeutschland zur Folge, daß dem deutschen Volke eine ihm völlig wesensfremde, nicht bodenständige „Dichtkunst“ aufgezwungen wurde, die unwesentlich zur moralischen Zersetzung und politischen Verknechtung der Nation beitrug.

Im Reiche sind dem Judentum heute solche Methoden Gott sei Dank verschlossen. Mit echt orientalischer Findigkeit werden sie dafür von dichtenden Juden im Ausland angewandt; um aber auch im Reiche gedruckt und gelesen zu werden, wandte man sich — wie Herr Margul-Sperber — dem System der sogenannten „Mastdarmtouristik“ zu. In dem vorigen Artikel (siehe „D. Tgp.“ Nr. 4090 vom 3. d. M.) wurde gezeigt, wie dies gemacht wird: einmal veröffentlicht man ein Gedicht „Der Fackelläufer“, in dem man das ganze Dritte Reich in Brand setzt. Einige Zeit später veröffentlicht man im selben Blatt Gedichte, die man speichelleckerisch deutschen Dichtern widmet, die durch und durch Nationalsozialisten sind. Fürwahr, eine Rekordleistung an Rückgratlosigkeit und „Mastdarmtouristik“, die Herr Margul-Sperber zustandegebracht hat.

Daß diese Dichter auch andere Leistungen vollbringen können; daß man beispielsweise in ihren Gedichten Worte wie „Aufbruch“ und andere Ausdrücke nationalsozialistischer Prägung findet; daß Margul-Sperber z. B. unlängst ein Gedicht veröffentlichte, das einem vor langen Jahren von Max Dauthendey geschriebenen Gedicht, na, sagen wir sehr stark nachempfunden ist und dieselbe Überschrift („Die schwarze Sonne“) wie dieses hat — über all das und ähnliche Kleinigkeiten sei hier ohne Kleinlichkeit hinweggegangen. Interessanter ist die Frage, was der letzte Sinn der Betätigung einer solchen Gesinnung in der Dichtkunst ist. Ist es nur Eitelkeit, ist es Geltungsdrang? Vielleicht gibt darauf ein Artikel Antwort, der unlängst — sonderbarer Zufall! — ausgerechnet neben einer Gedichtübertragung Sperbers in einem hiesigen jüdischen Blatt zu lesen war,

In diesem Artikel wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, „daß der Nationalsozialismus doch noch eine weniger radikale Lösung des anscheinend unlösbaren Problems finden würde, denn eine Mischung mit jüdischem Blut könnte außerordentlich wertvoll sein“. Also darum geht es letzten Endes! Man erhält Fußtritte — und will dennoch „mischen“. Man will in beispielloser Überheblichkeit ein Volk beglücken, das von diesem Glück nichts wissen will und es Gott sei Dank abgeschüttelt hat. Warum diese beharrliche Aufdringlichkeit, wie sie bei keinem anderen Volke zu finden ist? Findet man beispielsweise Deutsche, die unbedingt dem jüdischen Volke in Palästina ihre Geistesprodukte in hebräischer Sprache aufdrängen wollen? Oder kann man sich Polen vorstellen, die unbedingt das deutsche Geistesleben bereichern, oder Ungarn, die das rumänische Volk und das rumänische Schrifttum mit rumänisch geschriebenen Gedichten beglücken wollen? Gewiß nicht. Diese Sucht des Beglückens und des „Mischens“ findet man nur bei einem Volke der Welt, und alle Völker empfinden sie immer mehr als freches Aufdrängen ungebetener Gäste und Schmarotzer. Uns so ist es auch zu verstehen, daß die Abwehr, fälschlich auch „Antisemitismus” genannt, immer stärker wird, so wie man sich gegen eine zunehmende Warzenplage nur durch Anwendung größerer Mengen immer schärferen Insektenpulvers wehren kann.

Cato

Czernowitzer Deutsche Tagespost, 14. Jg., Nr. 4092, 5. November 1937, S. 4.

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Erstellt: 2. 6. 2026 - Aktualisiert: 4. 6. 2026, 12:10 h







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