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Bruno
(Hillebrandt) Skrehunetz (1898-1978)
Fritz Poppenberger (1904-1992)
[3. November 1937. Der Fackelläufer von Burdujeni]
[5. November 1937. Cato: Der Fackelläufer von Burdujeni – 2]
[17. Oktober 1937. Alfred Margul-Sperber: Oktoberfrühe]
[10. November 1937. Alfred Margul-Sperber: Zur Abwehr einer Anflegelung]
[25. Dezember 1935. Alfred Margul-Sperber: Weihnacht]
[28. Dezember 1935. I. P.: Unser Kurzfilm. Weihnachtsauslese]
[4. Januar 1936. Cato: Unser Kurzfilm.
Der Heine von Storojinetzi]
***
Bruno (Hillebrandt) Skrehunetz (1898-1978)
Fritz Poppenberger (1904-1992)
Fritz Poppenberger, Mitherausgeber und Schriftleiter der Czernowitzer Deutschen Tagespost, unterzeichnete viele seiner Beiträge mit dem Pseudonym „Cato“ (vgl. In der Sprache der Mörder, S. 120).
| Czernowitzer Deutsche Tagespost. Allgemeine deutsche Volkszeitung - Tagblatt des Bukowiner Deutschtums, 14. Jg., Nr. 4128, 17. Dezember 1937. |
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Antisemitische Hetze
in der Czernowitzer Deutschen Tagespost - Instigare antisemită în Czernowitzer
Deutsche Tagespost
|
Die beiden Artikel („Der Fackelläufer von Burdujeni“) sind im November 1937 in der Czernowitzer Deutschen Tagespost, dem zentralen Sprachrohr der nationalsozialistisch ausgerichteten Bewegung der Rumäniendeutschen in der Bukowina, erschienen. Unter dem Pseudonym „Cato“ (in Anlehnung an den Namen des römischen Geschichtsschreibers, bekannt auch unter dem Namen: Cato der Zensor) wurde hier gezielte antisemitische Denunziation betrieben. Das
Angriffsziel von „Cato“ ist Alfred Margul-Sperber (1898–1967), einer der
bekanntesten deutschsprachigen jüdischen Dichter aus der Bukowina. Nach dem
Ersten Weltkrieg arbeitete er unter anderem als Redakteur für das liberale Czernowitzer
Morgenblatt. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt zeitweise in
einem Export-Schlachthaus im rumänischen Burdujeni – ein Umstand, den der Verfasser
der Artikel hämisch ausschlachtet. Sperber hatte
tatsächlich den Nazidichtern Josef Weinheber, einem österreichischen
Lyriker, und Ludwig Friedrich Barthel Gedichte gewidmet und versucht
in literarischen Publikationen im nationalsozialistischen Deutschland zu
publizieren. Aber auch in der von dem Antisemiten Heinrich Zillich in Kronstadt/Braşov herausgegebenen
Zeitschrift Klingsor. Die Tagespost
deutet diese Widmungen als „Anbiederung“ und nutzt Barthels völkische
Literaturansichten, um Sperber das Recht auf die
deutsche Sprache abzusprechen. Das im ersten Artikel abgedruckte Gedicht von Margul-Sperber ist eine hochgradig symbolische, düstere Vision und eine kritische Auseinandersetzung mit der Situation im Dritten Reich und der Inszenierung während der Olympiade von 1936. Die Olympiade thematisierte Sperber übrigens auch in seinem viel zitierten Gedicht: „Der Neger Jessy Owens erläuft den Olympiarekord“ (cf. Ins Leere gesprochen, S. 78. Der Text ist in einigen Gedichtbänden unter verschiedenen Namen publiziert worden. „Ein Neger bringt olympischen Lorbeer für die USA“, in: Sperber, Alfred-Margul: Ausgewählte Gedichte, hg. von Alfred Kittner und Dieter Schlesak, Literaturverlag, Bukarest 1968, 156-157.„Ein Neger erringt den Olympiarekor für die USA“, in: Sperber, Alfred-Margul: Mit offenen Augen. Gedichte für die Jugend, Jugendverlag, Bukarest 1956, S. 132-133). In seinem „Fackelläufer“ (Ins Leere gesprochen, S. 76-77) setzt er die olympische Fackel als Metapher ein, um den Reichstagsbrand und Hitlers Kriegspläne sichtbar zu machen. Während das NS-Regime den Brandstifter Marinus van der Lubbe als kommunistischen Einzeltäter (oder Werkzeug) darstellte, deutet Sperbers Gedicht den Brand als ein unaufhaltsames, gespenstisches Verhängnis, das über Deutschland zieht – befohlen von einem „Unsichtbaren, dem man [...] stumm gehorchen muß“ (eine klare Anspielung auf Adolf Hitler und die NS-Führung als wahre Profiteure des Brandes). Die Artikel
verfolgen eine perfide Doppelstrategie, die typisch für die
nationalsozialistische und antisemitische Presse jener Jahre war. Dem jüdischen Dichter Alfred Margul-Sperber wird das Recht abgesprochen, sich in deutscher Sprache auszudrücken oder Teil der deutschen Literaturgeschichte zu sein (daher der Vergleich mit einem „Straßenköter“). Mit ähnlichen Argumenten wurden auch andere deutsch-jüdische Autoren beschuldigt, die deutsche Sprache missbraucht zu haben, um das deutsche Volk anzugreifen. Gleichzeitig wurde ihnen vorgehalten, sie seien außerstande, die geistige Dimension des Deutschtums zu begreifen. Ein beliebtes Ziel solcher anti-semitischer Vorwürfe war vor allem Heinrich Heine (cf. Gemeinsame Front auch im Geistigen; Bernhard Capesius: Deutsch-rumänische Verständigung durch die Dichtung von heute, 1938 und 1940). Die Artikel von „Cato“ verweisen
explizit darauf, dass Sperber noch in deutschen Standardwerken (Kürschners
Deutscher Literatur-Kalender) und Anthologien geführt wird. Der Satz,
dass es „Sache zuständiger Stellen im Reiche sein [wird], diese Maskeraden
aufzuklären“, ist ein direkter Aufruf an die Reichsschrifttumskammer in
Berlin, Margul-Sperber im Deutschen Reich auf
die „schwarze Liste“ zu setzen. Margul-Sperber reagiert mit einem polemischen Gegenangriff im Czernowitzer Morgenblatt, in dem er „Cato“ als notorischen Alkoholiker und Lügner beschreibt. |
În noiembrie
1937, publicația pro-nazistă a minorităţii germane din Bucovina, Czernowitzer
Deutsche Tagespost, a lansat un atac antisemit împotriva scriitorului germano-evreu,
Alfred Margul-Sperber. Articolele
au fost semnate cu pseudonimul „Cato”. Autorul a exploatat situația
profesională a lui Sperber și a folosit teorii rasiste şi antisemite pentru
a-i contesta dreptul de a folosi limba germană, cerînd intervenția autorităţilor
naziste din Berlin pentru a-i interzice orice acces la publicaţii literare. Pe data de 10 noiembrie 1937 Margul-Sperber reacţionează şi publică un răspuns polemic în ziarul Czernowitzer Morgenblatt în care îl descrie pe „Cato“ (alias Fritz Poppenberger, redactorul principal al ziarului Czernowitzer Deutsche Tagespost) în culori stridente ca alcoolic iresponsabil şi mincinos. În articolul său, Alfred Margul-Sperber respinge, așijderea, toate calomniile și acuzația de plagiat aduse de Poppenberger.
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Der Fackelläufer von Burdujeni
„Der Rausch der
hohen Feste muß verwehn,
doch ob den Glanz auch ganz Vergessen bleiche,
in fernster Zeit noch wird ein Raunen gehn
vom Läufer durch die Nacht der sieben Reiche.
Der Greis in
späten Tagen noch erzählt
den Enkeln, die am Ofen schauernd lauschen,
wie er dem Wanderer, der den Weg verfehlt,
vorübersauste wie ein Sturmeslauschen:
vom griechischen Altar zum fernen Norden
ein Läufer ohne Kopf, ein bleicher Spuk
der Nacht, gespenstisch aus dem Nichts geworden!
Sein Lauf ging
unaufhaltsam durch das Land,
der blutige Stumpf auf seinem Nacken glühte
noch röter durch das Dunkel, als der Brand
der Fackel, die in seiner Hand versprühte.
Und wo er
weilte, barst die Flamme schon:
die Bauern, die aus ihren Hütten traten,
sahn starr vor Schrecken rings die Wälder lohn,
und wie ein breites Flammenmeer die Saaten.
Weit hinter ihm
wies riesig in das Land
durch schwarze Nacht den Weg, den er genommen,
ein weißes Schwehlen wie ein Schlangenband,
doch endlich schien er an ein Ziel gekommen.
Er stand im
Dunkel einer großen Stadt,
die wie ein Tier im Schlaf sich keuchend regte,
und vor ihm lag das Haus, in dem der Rat
der Männer jenes Lands zu tagen pflegte.
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Bei späten
Enkeln wird die Sage gehn,
wie er dort stand, im ersten Schein der Frühe,
der Läufer ohne Kopf, ein Graun zu sehn,
Und starr die Fackell hob, und sie mit Mühe
- wie einer,
den ein schwerer Auftrag zwang -
in jenes Hauses Halle warf, und harrte,
bis sieghaft eine Riesenflamme sprang
aus dem Gebälk und in den Himmel starrte.
Und daß er dann
den Arm erhob zum Gruß
an einen Unsichtbaren, dem man immer,
selbst in der Ferne, stumm gehorchen muß
und wie ein Rauch zerging im Morgenschimmer.“
Dieses Gedicht
veröffentlichte Herr Alfred Margul-Sperber, gew. Redakteur des hiesigen
jüdischen (und selbstverständlich deutschfeindlichen) „Morgenblattes“, dzt.
Angestellter des Schlachthauses Burdujeni, in der Nr. 340 des hiesigen
jüdischen Greuelhetzblattes „Tagblatt“ vom 27. September 1936 unter der Überschrift
„Der Fackelläufer“. Anregung zu seinem Hetzgedicht gaben ihm, wie leicht zu
erkennen, die Berliner Olympiade, der Reichstagsbrand, der verbrecherische
Brandstifter van der Lubbe und sein Haß gegen das heutige Deutsche Reich. Das
alles bleibt ihm unbenommen, möge er sich im Geiste und im Worte zu einem
Verbrecher wie van der Lubbe bekennen, wenn es Herrn Alfred Margul-Sperber zu
ihm zieht.
Nun hindert
Herrn Sperber andererseits sein Haß nicht daran, sich dessen zu rühmen, daß
seine Dichtungen im Nazibarbarenland Anerkennung fänden, und er versteht es
auch in glänzender, geschickter Tarnung, mal anders zu sein und anders zu
dichten, nur um in Zeitschriften des Dritten Reiches Eingang zu finden und dort
gedruckt zu werden. So finden wir seinen Namen in dem kürzlich erschienenen
„Kürschners Deutschenliteratur-Kalender 1937/38“ verzeichnet, der angeblich
bereits judenrein sein soll und am allerwenigsten Greuelhetzern wie einem
Margul-Sperber offenstehen dürfte. Aber der vielseitige Herr Sperber bringt
noch mehr zustande. So finden wir einige Gedichte von ihm in einer Sammlung
„junger deutscher Dichtung jenseits der Grenzen“, veröffentlicht im Septemberheft
1935 der in Hamburg erscheinenden Schriftenreihe „Das Gedicht“, Blätter für
deutsche Dichtung. (Es wird auch Sache zuständiger Stellen im Reiche sein,
diese Maskeraden aufzuklären und dafür zu sorgen, daß der Wiederholung solcher
empörender Betrügereien ein Riegel vorgeschoben werde.)
Liest man Sperbers Gedicht „Der Fackelläufer“, so könnte man unter Berücksichtigung der Umwelt, in der er seinen Beruf im Schweineschlachthaus von Burdujeni ausüben muß, vielleicht noch annehmen, er sei beim Dichten von einem Schweineblutrausch erfaßt worden. Aber derselbe Herr Sperber kann seinen Lubbeschen fackelläuferischen Blutrausch auch ablegen und mit kühler Berechnung etwa ein Gedicht „Traumflucht“ („Tagblatt“ vom 24. Oktober 1937) einem Ludwig Friedrich Barthel widmen, oder ein anderes Gedicht „Oktoberfrühe “ („Tagblatt“ vom 17. Oktober 1937) dem Dichter Josef Weinheber als Widmung versetzen. Diese Anbiederung trägt dann schon einmal ihre Früchte, mag sie Herr Sperber denken. „Der Fackelläufer“ ist gut für Burdujeni, er ist gut für Cernăuți und die Juden in der ganzen Bucovina. Eine Widmung für Barthel und Josef Weinheber zeitigt aber in „Kürschners Deutschen Literatur-Kalender“ und in Sammlungen „junger deutscher Dichter jenseits der Grenzen“ im Dritten Reich Erfolge!
Josef
Weinheber, erst im Vorjahr mit dem Münchener Mozartpreis ausgezeichnet, ist
einer der nationalsten deutschen Dichter der Gegenwart und der denkbar stärkste
Gegenpol des ihn besingenden Margul-Sperber. Er steht im Lager jener, die
Sperber durch seinen kopflosen Fackelläufer verbrennen lassen will. Dasselbe
gilt noch mehr für Ludwig Friedrich Barthel (nicht zu verwechseln mit dem
Literaturhistoriker Adolf Bartels), der auch in seinem geistigen Schaffen ein
verschworener Vorkämpfer des Nationalsozialismus ist. Das alles schützt sie
aber nicht davor, von einem Margul-Sperber angedichtet zu werden. Großzügig
setzt er sich über seinen Fackelläufer hinweg und dichtet - „Kürschners
Literaturkalender“ usw. vor Augen - für Weinheber und Barthlel drauflos. (Dazu
kann man nur sagen, daß die Säule aus edlem Marmor vor dem Portal eines
vornehmen Hauses auch nichts dagegen tun kann, wenn vorbeilaufende Straßenköter
vor ihr ein Bein heben...)
Solchen
Edelknaben der Feder wie Sperber, für die sein blutiger Fackelläufer ohne Kopf
fürwahr ein Symbol ist, gibt der von Margul- Sperber angedichtete Barthel
selbst eine den Nagel auf den Kopf treffende Antwort. Wir führen aus einem
Beitrag Ludwig Friedrich Barthels „Der Dichter in seiner Zeit“ im Almanach des
Verlags Eugen Diederichs für das Jahr 1936 an:
„Bemüht, ein
Ewiges zu offenbaren, ist er (der Dichter; Anm. d. Tgp.) durch das Mittel des
Wortes an seine Zeit, an sein Volk ... gebunden.“
„Hölderlin wird
keinem Franzosen - er deutsche sich denn ein und das hieße nicht nur unsere
Sprache erlernen — aufrichtig nahekommen, wie es nur einen Faust gibt, den
deutschen.“
„Der Dichter
aber muß es von vornherein wissen, daß er als Deutscher allein unter Deutschen,
als Grieche allein unter Griechen seine legitime Heimat haben kann, und diese
Schicksalsverflochtenheit treibt ihn vollends hinein in das Erlebnis und in die
Wirklichkeit seines Volkes.“
„Man will nicht
Dichter seiner Zeit, seines Staates und seines Volkes werden, sondern man ist
und wird das durch das Geblüt und Erlebnis, wie etwa Geblüt und Erlebnis den
Dichter der Landschaft oder der Liebe bestimmen.“
„Wir leben nun
einmal in einer kämpferischen Anspannung und nicht in einem Zustand seligen Besitzes.
Unsere Freiheit atmet darum knapp. Sie wird um so natürlicher und gelassener
atmen, je weiter die innere Durchbildung des neuen Staates voranschreitet und
je eher das in einen Willen und eine Meinung zusammengeschworene Deutschland
sich jeder fremden Bedrohung Herr weiß.“
„Es wird aber der Dichter unserer Zeit durch nichts so sehr aufgerufen, wie Durch den neuen Willen zum Ewigen, wie ihn der Staat und die Bewegung dartun und wie ihn der Führer gerade auch dem künstlerischen Gestalten des Dritten Reiches zur Richtschnur gibt.“
*
Wir denken,
daß, diese Ohrfeigen für Herrn Sperber genügen. Sie sind umso wirksamer und er
muß sie umso mehr schweigend hinnehmen, als sie ihm von einem Mann versetzt
werden, dem er selbst verehrungsvoll ein Gedicht widmete. (Ein zweiter Aufsatz
folgt.)
Czernowitzer Deutsche Tagespost, 14.
Jg., Nr. 4090, 3. November 1937, S. 2.
+++
[5. November 1937. Cato: Der
Fackelläufer von Burdujeni – 2]
Der Fackelläufer von Burdujeni
2.
Herr
Margul-Sperber und seinesgleichen — es gibt nämlich noch verschiedene
„Sperbers“ in der Bucovina - mögen wirklich begabte Dichter sein oder nicht:
das wollen wir nicht untersuchen und es ist uns gleichgültig. Wogegen wir uns
wenden, ist das Streben dieser Leute, einerseits das heutige Deutschland und
das Deutschtum zu besudeln und sich andererseits demselben Deutschland und dem
deutschen Volke aufzudrängen, wie gewisse Tierchen dem im Bette schlummernden
Menschen. Wogegen wir uns wenden, ist die Überheblichkeit, mit der diese
dichtenden Zeitgenossen sich dabei gegenseitig beweihräuchern, ohne die
Wahrheit des alten Sprichwortes zu beachten, das da sagt, daß eigenes Lob
stinkt.
Wenn man die in
unserer Stadt erscheinenden jüdischen Blätter einige Zeit regelmäßig und
aufmerksam verfolgt, wird man draufkommen, nach welchem System diese
dichtenden, Fackelläufer „ohne Kopf“ arbeiten. Da veröffentlicht der Dichter A
einen Artikel, in dem er die Dichtkunst seines dichtenden Geistesgenossen B
preist. Eine Woche später erhält man einen Artikel des Dichters B vorgesetzt,
der ein Loblied auf das dichterische Schaffen des Herrn C beinhaltet. Und
wieder nach einigen Tagen schließt der Dichter C den Reigen, indem er dem
Zeitungsleser Lob und Preis für die Gedichte des Dichtens A darbietet. Der
naive und kritiklose Zeitungsleser, d. h. die große Masse, führt sich diese
Lobgesänge zu Gemüte und schwört darauf, denn es sind ja Dichter, also geaichte
Kenner, die dem oder jenem Kollegen solche Urteile spenden. Daß dieses Lob
unter Lobenden und Gelobten im Kreise herumwandert und auf diese Weise eine Art
Rückversicherung in der Familie darstellt, entgeht dem kritiklosen
Zeitungsleser.
Genau so arbeiteten auch die aus östlichen, kaftangesegneten Gefilden in das Deutsche Reich zugewanderten Dichter, Schriftsteller und Journalisten im Nachkriegsdeutschland im großen Maßstabe, so machten sie sich gegenseitig groß und so ließen sie nur ihresgleichen aufkommen, das hochbegabte, bodenständige deutsche Schrifttum durch Totschweigen unterdrückend. Dieses System des Lobens im Kreise, das an eine sich in den eigenen Schwanz beißende Schlange (Symbol der Freimaurerei!) erinnert, hatte im Nachkriegsdeutschland zur Folge, daß dem deutschen Volke eine ihm völlig wesensfremde, nicht bodenständige „Dichtkunst“ aufgezwungen wurde, die unwesentlich zur moralischen Zersetzung und politischen Verknechtung der Nation beitrug.
Im Reiche sind
dem Judentum heute solche Methoden Gott sei Dank verschlossen. Mit echt
orientalischer Findigkeit werden sie dafür von dichtenden Juden im Ausland
angewandt; um aber auch im Reiche gedruckt und gelesen zu werden, wandte man
sich — wie Herr Margul-Sperber — dem System der sogenannten „Mastdarmtouristik“
zu. In dem vorigen Artikel (siehe „D. Tgp.“ Nr. 4090 vom 3. d. M.) wurde
gezeigt, wie dies gemacht wird: einmal veröffentlicht man ein Gedicht „Der
Fackelläufer“, in dem man das ganze Dritte Reich in Brand setzt. Einige Zeit
später veröffentlicht man im selben Blatt Gedichte, die man speichelleckerisch
deutschen Dichtern widmet, die durch und durch Nationalsozialisten sind.
Fürwahr, eine Rekordleistung an Rückgratlosigkeit und „Mastdarmtouristik“, die
Herr Margul-Sperber zustandegebracht hat.
Daß diese Dichter auch andere Leistungen vollbringen können; daß man beispielsweise in ihren Gedichten Worte wie „Aufbruch“ und andere Ausdrücke nationalsozialistischer Prägung findet; daß Margul-Sperber z. B. unlängst ein Gedicht veröffentlichte, das einem vor langen Jahren von Max Dauthendey geschriebenen Gedicht, na, sagen wir sehr stark nachempfunden ist und dieselbe Überschrift („Die schwarze Sonne“) wie dieses hat — über all das und ähnliche Kleinigkeiten sei hier ohne Kleinlichkeit hinweggegangen. Interessanter ist die Frage, was der letzte Sinn der Betätigung einer solchen Gesinnung in der Dichtkunst ist. Ist es nur Eitelkeit, ist es Geltungsdrang? Vielleicht gibt darauf ein Artikel Antwort, der unlängst — sonderbarer Zufall! — ausgerechnet neben einer Gedichtübertragung Sperbers in einem hiesigen jüdischen Blatt zu lesen war,
In diesem Artikel wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, „daß der Nationalsozialismus doch noch eine weniger radikale Lösung des anscheinend unlösbaren Problems finden würde, denn eine Mischung mit jüdischem Blut könnte außerordentlich wertvoll sein“. Also darum geht es letzten Endes! Man erhält Fußtritte — und will dennoch „mischen“. Man will in beispielloser Überheblichkeit ein Volk beglücken, das von diesem Glück nichts wissen will und es Gott sei Dank abgeschüttelt hat. Warum diese beharrliche Aufdringlichkeit, wie sie bei keinem anderen Volke zu finden ist? Findet man beispielsweise Deutsche, die unbedingt dem jüdischen Volke in Palästina ihre Geistesprodukte in hebräischer Sprache aufdrängen wollen? Oder kann man sich Polen vorstellen, die unbedingt das deutsche Geistesleben bereichern, oder Ungarn, die das rumänische Volk und das rumänische Schrifttum mit rumänisch geschriebenen Gedichten beglücken wollen? Gewiß nicht. Diese Sucht des Beglückens und des „Mischens“ findet man nur bei einem Volke der Welt, und alle Völker empfinden sie immer mehr als freches Aufdrängen ungebetener Gäste und Schmarotzer. Uns so ist es auch zu verstehen, daß die Abwehr, fälschlich auch „Antisemitismus” genannt, immer stärker wird, so wie man sich gegen eine zunehmende Warzenplage nur durch Anwendung größerer Mengen immer schärferen Insektenpulvers wehren kann.
Cato
Czernowitzer Deutsche Tagespost, 14.
Jg., Nr. 4092, 5. November 1937, S. 4.
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[17. Oktober 1937. Alfred Margul-Sperber: Oktoberfrühe]
Oktoberfrühe
Alfred Margul-Sperber
für Josef Weinheber
Tritt aus dem gärenden Wald,
trinke das duftende Licht!
Purpurne Röte umstrahlt
flackernd dir Stirn und Gesicht.
Siehe, im Osten entfacht
feurige Meiler der Tag,
Wolken am Rande der Nacht
glühn wie die Rosen im Hag.
Schon sind die Wölbungen hell
wie ein erleuchtetes Tor;
aber aus innerstem Quell
dunkelt noch Frühlicht empor.
Wie einst am Morgen der Welt
leer und zum erstenmal schön,
atmet im Herbstschlaf das Feld
goldenen Rauch zu den Höhn.
Selig in Flammen getränkt
steht der entblätterte Wald:
der sich so edel verschenkt,
bleibt als die reine Gestalt.
Schlinge das bronzene Laub
reich dir um Schläfen und Haar!
Eh' es verweht in den Staub,
keltre das alternde Jahr!
Tagblatt, 3. Jg., Nr. 656, 17. Oktober 1937, S. 3.
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[10. November 1937. Alfred Margul-Sperber:
Zur Abwehr einer Anflegelung]
Zur Abwehr einer Anflegelung
Alfred Margul-Sperber
In der
„Tagespost“ vom 3. und 5. November also in zwei Folgen, veröffentlicht Cato
einen Angriff gegen mich, der das Ungeheuerlichste, Beispielloseste und
Schäbigste an perfider Ehreabschneiderei, verleumderischen Fälschungen und
lügnerischen Unterstellungen vorstellt, das mir je unter die Augen gekommen
ist. Mit der Gesinnungslosigkeit der angewendeten Methode hält der ordinäre
Tonfall gleichen Schritt. Es ist der Tonfall des Wirtshauses, wenn alle
Hemmungen gelöst sind und der Radau beginnt. Cato vergleicht mich mit einem
beinehebenden Straßenköter, nennt meine Veröffentlichung von Gedichten in einer
deutschen Zeitschrift „empörende Betrügereien“ und zeiht mich der
„Rückgratlosigkeit und Mastdarmtouristik“. Man wird in der Folge sehen,
weshalb. Also Cato heißt der Kavalier, diese nicht nur als Charakterbild,
sondern auch in späten Nachtstunden leiblich schwankende Gestalt, die sich
solches gegen mich leistet! Wer anders könnte es sein? Wem sonst käme der
Einfall, ich hätte ein Gedicht im „Schweineblutrausch“ geschrieben, als einem,
der wähnt, Gedichte würden, ebenso wie seine Zeitungsartikel, vornehmlich im
Rausch geschrieben? Wem anders stünde der Vergleich mit einem beinehebenden
Straßenköter so fix zu Gebote, als einem, der, an und für sich Träger eines in
der Regel nur als Hundenamen verwendeten Pseudonyms, sich einmal in aller
Öffentlichkeit, in einem menschenerfüllten Saale, in der durch jenen Vergleich
angedeuteten Verrichtung gefallen hat, wobei er nicht einmal das Bein zu heben
brauchte? Cato hat nun, ein für alle Male, die Schonung verwirkt, die ich ihm,
ganz unverständlicher Weise, seit Jahren angedeihen lasse. Er ist von mir
unlängst auf das nachdrücklichste verwarnt worden, sich ja nicht wieder an
meinem Privatleben zu vergreifen. Habeat sibi!
Cato ist nicht
nur in seinem publizistischen Leben ein rüder Polemiker. In Cernăuți erfreut er
sich des Leumunds, in besonders angeregter Stimmung lebhaft mit Flaschen und
Bierkrügeln um sich zu werfen. Nun gehört das allerdings zu den Dingen seiner
privaten Lebenshaltung. Aber ein Trinker ist solange Privatmensch, als er nicht
gemeingefährlich wird. Ist er das einmal, dann wird seine Leidenschaft
unfehlbar Gegenstand des öffentlichen Interesses. Insbesondere bei einem Manne,
der durch seine publizistische Tätigkeit Einfluß auf die Gestaltung des
öffentlichen Lebens nimmt, hat die Öffentlichkeit ein Recht zu wissen, ob er
nüchtern ist, wenn er die Feder in die Hand nimmt. Denn das Unheil, das ein
benebeltes Gehirn stiften kann, wenn es sich in Druckerschwärze umsetzt, läßt
alle Möglichkeiten eines gewöhnlichen alkoholischen Exzesses weit hinter sich.
Wenn in einem Blatte, dessen Schriftleiter im Rufe des Gewohnheitstrinkers
steht, unausgesetzt, hemmungs- und skrupellos mit den niedrigsten Mitteln gegen
eine andere Nation gehetzt wird, dann muß man sich schon fragen, ob ein solches
Blatt nicht gerade diese seine spezifische „Richtung“ den schädlichen
Auswirkungen des Alkohols verdankt. Ich bin hier bei einem Punkte angelangt, wo
ich den mehr oder minder wichtigen persönlichen Anlaß, der zu meinen
Betrachtungen geführt hat, weit hinter mir lassen muß. Es ist eine Frage von
brennendstem öffentlichen Interesse, die ich da anschneide. Das Pressegesetz
bietet leider keine Handhabe gegen einen solchen publizistischen Uebelstand. Es
schreibt zwar neuestens vor, daß Hauptschriftleiter akademisch gebildet sein
müssen, aber es sieht nirgends die Unvereinbarkeit von geistigen Getränken und
geistigen Berufen, wie der Journalismus einer ist, vor. —
Im
Schenkenzwielicht also, in einer alkoholdunstgeschwängerten Atmosphäre, ist
über mich von Cato ein „literarisches Gericht“ gehalten worden. Es sieht auch
ganz darnach aus: die gegen mich ins Treffen geführten Argumente sind Rülpse,
die Anwürfe Stänkereien. Wer kann unter solchen Umständen erwarten, daß ich
mich ernsthaft mit den Details, die er vorbringt, befassen werde? Wer was über
mich lügt, glaubt ihm ohnehin kein Mensch. Wer wird die hirnrissige Logik
seiner Beweisführung ernstnehmen, die da faselt, oder besser gesagt: fuselt,
ich hätte im Oktober 1937 zwei deutschen Dichtern Gedichte gewidmet, um im
September 1936 in einer deutschen Zeitschrift gedruckt zu werden? Er hat die
Stirn, ein Gedicht von mir, in welchem die Gestalt des von einem deutschen
Reichsgerichte wegen kommunistischer Brandstiftung abgeurteilten und
hingerichteten Van der Lubbe als zeitloses Symbol des mordbrennerischen
Amoklaufs einer irren Welt gespenstisch beschworen wird, abzudrucken und
hinterdrein zu behaupten, es sei ein „Hetzgedicht“, inspiriert von „Haß gegen
das heutige Deutsche Reich“. Wer glaubt ihm das, wenn er das Gedicht gelesen
hat? Das Gleiche ließe sich ebensogut von Schillers „Kampf mit dem Drachen“
behaupten! Wer kann das Lachen unterdrücken bei seiner Behauptung, ich bekennte
mich zu zeitgenössischen deutschen nationalen Dichtern ausgerechnet in
Cernăuțier jüdischen Zeitungen — die Cato als Greuelhetzblätter bezeichnet — zu
dem Zwecke, um mich bei diesen nationalen Dichtern Liebkind zu machen! Wer wird
es erst darauf ankommen lassen, daß er seine Lüge, ich habe ein Gedicht von Max
Dauthendey „na, sagen wir: sehr stark nachempfunden“, unter Beweis stelle, und
nicht sofort vermuten, daß er mein Gedicht doppelt gesehen hat? Wer weiß nicht,
daß das Wort „Aufbruch“, dessen Verwendung Cato den Juden verwehren will, weil
es nach ihm ein „Ausdruck nationalsozialistischer Prägung“ sein soll, in seiner
heutigen Bedeutung schon 1914 von dem Adolf Bartels zufolge jüdischen, in
Frankreich gefallenen Dichter Ernst Stadler als Buchtitel verwendet worden ist?
Wer liest Catos Quasselei von der „Mischung“, mit der er mich, es ist gar nicht
abzusehen, warum, in Zusammenhang bringt, ohne sofort zwangsläufig zu denken,
daß ihm dabei verschwommen ein Cocktail vorgeschwebt haben muß? Aber wer bringt
es überhaupt zustande, diese denkwürdigen zwei Catoartikel gegen mich ganz zu
Ende zu lesen, ohne daß ihm dabei übel wird?
Denn, um es
geradeheraus zu sagen: sie riechen nicht überall nach Alkohol, es ist manchmal
auch der säuerliche Geruch des Katzenjammers zu spüren, in dem Cato, aus irgend
einem dumpfen Grollen der Verärgerung über mich, die Inspiration zu seinem Husarenritt
gekommen sein dürfte. Wenn er meine Antwort liest, und nicht gerade einen
Rausch hat, wird er sich fein bescheiden und in Zukunft [hüten], mit mir wieder
anzubinden. Denn das nächste Mal würde es viel schlimmer kommen. Hat er aber
einen sitzen und es ist gerade ein Bierkrügel in seiner greifbaren Nähe, dann
wird halt ein Unschuldiger daran glauben müssen.
Einen Unfug muß
er aber sofort abstellen: sich weiterhin Cato zu nennen. Das geht schon darum
nicht, weil jener Cato Censorius bekanntlich ein sehr sittenstrenger Mann
gewesen ist. Wenn ihm aber dieses Pseudonym durch den jahrelangen Gebrauch so
sehr ans Herz gewachsen ist, daß er sich davon nicht zu trennen vermag, dann
soll er sich wenigstens, zur „reinlichen Scheidung“ von seinem römischen
Namensvetter, von Stund' an: Cato
Schikorius nennen.
Czernowitzer Morgenblatt, 20. Jg., Nr.
5737, 10. November 1937, S. 5.
#
[25. Dezember 1935. Alfred Margul-Sperber: Weihnacht]
Weihnacht
Von Alfred
Margul-Sperber
Aus des
Schneefelds bleichent Feuer
durch den
dunkelblauen Raum
hebt die
Nacht sich ungeheuer
in den
Himmel, wie ein Baum.
Oben auf
den Wipfelspitzen,
die sie
wiegt in kalten Höhn,
als die
Weihnachtslichter blitzen
tausend
Sterne, fremd und schön.
Nacht der
Hirten, Nacht der Preise!
Lautlos
stäubt der zarte Schnee.
Auf dem
Kreuzweg leidet leise
seinem
Ende zu ein Reh.
Czernowitzer Tagblatt, 1. Jg.,
Nr. 114, 25. Dezember 1935, S. 9.
Anm. Das Gedicht ist auch in einer
orthographisch leicht veränderten Form in dem Band Margul-Sperbers, Aus der Vorgeschichte. Mythen, Mären,
Moritaten, Literaturverlag, Bukarest 1966, S. 75, erschienen, und zwar als
Teil des Zyklus: „Aus einem Ketzerevangelium. Das Leben des Zimmermannssohns,
wie es Thomas Münzer seinen Genossen zu erzählen pflegte“ (S. 74-87).
[28. Dezember 1935. I.P.: Unser Kurzfilm. Weihnachtsauslese]
Unser
Kurzfilm
Weihnachtsauslese
Wir haben
gedacht, daß nur der Bukarester Oberrabbiner Dr. Niemirover stimmungsvolle
Weihnachtsartikel schreiben kann. Doch wir haben die Geschmacklosigkeit der
hiesigen Judenpresse unterschätzt. Sie alle, Tageblatt, Vorwärts, Morgenblatt
usw., „feierten“ Weihnachten mit der bewundernswerten Kunst der Anpassung, die
aus jeder Gelegenheit ein Geschäft zu machen weiß.
*
Das
„Tageblatt“ feierte Weihnachten, indem es ein Gedicht unter dem Titel
„Weihnacht“ veröffentlichte. Wer ist der Sänger, der dieses christlichste aller
christlichen Feste, diesen heiligen Abend unter dem Lichterglanz der deutschen
Tanne besingt? Er heißt Alfred Margul Sperber. Als aber einmal ein Herr Dr.
Manfred Reifer, im ehrlichen Bemühen, seinen eigenen Juden die Augen zu öffnen,
ihnen riet, mehr Takt und mehr Zurückhaltung zu üben, da steinigte man ihn und
nannte ihn einen Phantasten. Daß die christliche Welt Weihnachtsgedichte eines
Juden — über die Qualität dieser Gedichte wollen wir nicht sprechen — als eine
grobe Verletzung ihrer Gefühle empfindet, kommt diesem ewig unschuldigen
Völkchen garnicht in den Sinn. Deswegen schlossen sie in ihrem „Tageblatt“ auch
dem Gedicht „Weihnacht“ ein dezentes Gedichtchen unter dem Titel „Hahnrei“ an.
Und da damit allein die Weihnachten noch nicht genug gefeiert sind,
veröffentlicht dasselbe „Tageblatt“ noch „Weihnachtsbetrachtungen aus Suceava“,
aus denen man erfährt, ob in den vorigen Jahren die Jointküche in Suceava
gewirkt habe, daß heuer aber die Damenunterstützungsvereine „Hadassa“, „Ruth“
usw. nichts tun, daß auch die jüdische Kultusgemeinde keine Aktivität entfalte
und einzig und allein die „Ose“ den armen Juden helfe ... Braucht man bei
solchen bodenlosen Taktlosigkeiten noch langatmige Abhandlungen über die
Berechtigung der Judengegnerschaft zu schreiben?
*
Auch der
jüdisch-marxistische Vorwärts feiert Weihnachten, mit rotem Kopf und einem
Artikelchen „Weihnachten“, aus welchem man erfährt, daß erst der Sozialismus
eine neue Religion der Menschheit und die Voraussetzung für die Erfüllung der
Christusworte schaffen werde. Das ist jedenfalls ein neuer Gedanke und nicht
unoriginell: die roten Genossen jenseits des Dnjesters schleifen die Kirchen
und wandeln sie in Kuhställe, Wirtshäuser, Kinos usw. um, die roten Genossen
diesseits des Dnjesters wollen Christus verbessern. Im Texte schimpfen sie dann
ein bischen gegen den Kapitalismus, um gleichzeitig ein Inserat von der Bank
„Frații Șeifer“ zu bringen, was tatsächlich das Höchste jüdisch-marxistischer
Anpassungskunst darstellt, ohne auch nur im geringsten dem Programm des
Marxismus zu widersprechen, weil bekanntlich niemals ein Jude dem anderen ein
Auge aushackt.
*
Die
schönste Weihnachtsnummer aber hat das „Morgenblatt“ fabriziert Das Motto
„Aufrufung des Weltgewissens gegen die Judenverfolgungen“ lieferte so die
rechte Weihnachtsstimmung und schließt sich hübsch der Linie des sattsam
bekannten „Christusartikels“ des „Morgenblattes“ an. Wir behalten es uns vor,
diese Weihnachtsnummer noch näher zu behandeln, in der alle in einem Jahre
aufgespeicherte jüdische Wut gegen das Deutschtum und Deutschland zum Ausdruck
gekommen ist. Wieso aber doch noch in unserer Stadt ein Deutscher gefunden
werden konnte, der keinen würdigeren Platz gefunden hat, um in
Studentenerinnerungen zu schwelgen, als gerade im deutschfeindlichen
„Morgenblatt“, bleibt unergründlich. Wir sind gewiß, daß diese gemütsvollen
Töne, die die Herzen der „jungen Corpsbrüder“ rühren sollen, höchstens auf ein
stummes Achselzucken stoßen können, weil sie das Kapitel völkischer
Würdelosigkeit so freigebig bereichern.
I. P.
Czernowitzer Deutsche Tagespost, 12. Jg.,
Nr. 3538, 28. Dezember 1935, S. 3.
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[4. Januar 1936. Cato: Unser Kurzfilm. Der Heine von Storojinetzi]
Unser Kurzfilm
Der Heine von Storojinetzi
Unser Mitarbeiter F. P. hat es kürzlich gegeißelt, daß die hiesigen Judenblätter „Weihnachtsnummern“ herausgegeben, in denen alljährlich Juden „in Weihnachtsstimmung machen“, was die christliche Bevölkerung mit Recht als Provokation empfindet. Dabei wurde u. a. angeführt, daß auch das hiesige „Tagblatt“ ein Weihnachtsgedicht aus der Feder des jüdischen Lyrikers Alfred Margul-Sperber aus Storojinetzi, der zeitweilig auch deutschfeindliche Gräuelartikel fabrizierte, brachte. Dieser Heine aus Storojinetzi entrüstet sich nun in einer Erwiderung, die das „Tagblatt“ veröffentlicht und in der folgendes hervorsticht:
1. Herr Sperber erklärt, daß er nicht die „deutsche Tanne“, sondern das Weihnachtsfest schlechthin besungen habe. — Das ist ganz schnuppe. Herr Sperber möge die Chanukalichter besingen oder was ihm sonst beliebt. Weihnachtsstimmung jüdischen Prägung lehnt der Christ ab, er empfindet sie als provozierend und profanierend.
2. Herr Sperber beruft sich mit Stolz darauf, daß berufene Stimmen des heutigen Deutschlands über die Qualität seiner Gedichte günstig geurteilt hätten. — Es ist immerhin bemerkenswert, daß Herr Sperber auf ein solches Urteil besonderen Wert legt, was aber die Ablehnung gegenüber der von ihm vorgetäuschten Weihnachtsstimmung nicht berührt.
3. Kollege F. P. hat ausdrücklich bemerkt, daß er über die Qualität der Lyrik des Herrn Sperber nicht urteilen wolle. Nun wendet dieser aber den alten jüdischen Dreh an, indem er die Auseinandersetzung auf ein ganz anderes Geleise verschiebt, mit echt jüdischer Ueberheblichkeit sich selbst lobt, F. P. die Berechtigung zur Beurteilung von Gedichten abspricht und die von ihm (F. P.) geschriebenen Romane herabsetzt. — Das Sprichwort vom „eigenen Lob, das da stinkt“, scheint Herr Sperber nicht zu kennen. Zu seiner Beruhigung sei ihm aber mitgeteilt, daß die von ihm als „arische Köchinnenromantik“ bezeichneten Romane von F. P. — die nichts anderes als reine Unterhaltungsliteratur sein wollen — auch von zahlreichen jüdischen Zeitungen und anderen großen Blättern des Westens abgedruckt und daß eine davon auch zur Verfilmung erworben wurde. Daß unsere Leserschaft wie überhaupt das christliche Publikum jüdische Weihnachtsfrechheiten ablehnt, brauchen wir nicht erst durch eine Rundfrage, die Herr Sperber uns anempfiehlt, zu erkunden. Herr Sperber möge bei den ihm naheliegenden jüdischen Blättern von Czernautzi den Stand der Abbestellungen in den letzten Jahren und die heutige nationale Zusammensetzung der Leserschaft dieser Blätter erfragen, die jede Rundfrage erübrigt und selbst hartgesottene Juden wie Sperber überzeugen dürfte.
Im übrigen hat sich durch Herrn Sperber wieder einmal erwiesen, daß ein Jude aus seiner Haut nicht herauskann.
Cato.
Czernowitzer Deutsche Tagespost, 12. Jg., Nr. 3543, 4. Januar 1936, S. 3.
durch den dunkelblauen Raum
hebt die Nacht sich ungeheuer
in den Himmel, wie ein Baum.
die sie wiegt in kalten Höhn,
als die Weihnachtslichter blitzen
tausend Sterne, fremd und schön.
Lautlos stäubt der zarte Schnee.
Auf dem Kreuzweg leidet leise
seinem Ende zu ein Reh.
Anm. Das Gedicht ist auch in einer orthographisch leicht veränderten Form in dem Band Margul-Sperbers, Aus der Vorgeschichte. Mythen, Mären, Moritaten, Literaturverlag, Bukarest 1966, S. 75, erschienen, und zwar als Teil des Zyklus: „Aus einem Ketzerevangelium. Das Leben des Zimmermannssohns, wie es Thomas Münzer seinen Genossen zu erzählen pflegte“ (S. 74-87).
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