01.01.2018

News 2018






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20.1. 2018

Nachtrag vom 20.1. 2018

Anmerkungen von Hans Bergel zu Dr. Albert Klein, Dr. Ernst Wagner, Robert Gassner und Helmut Roth. 


Siehe dazu den Eintrag am Ende der Seite, in: Securitate und evangelische Kirche - Securitatea şi Biserica Evanghelică 

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17.1 2018

Anecdote inventate şi răsturnarea adevărului

Legende din jurul poetului Rainer Maria Rilke (1875-1926) şi scriitorului Franz Xaver Kappus (1893-1966) - RFE, 17.1 2018

F. X. Kappus, H. Mokka, Z. Franyó (colaj: William Totok)



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15.1. 2018

[1921. Franz Xaver Kappus' protovölkische Entgleisung: "Der Schwaben Siegeslied". Auszug aus einem mit 500 Lei ausgezeichneten Gedicht, das der frühere NS-Gaukulturwalter und spätere Vorsitzende der Banater Landsmannschaft in der Bundesrepublik Deutschland, Anton Valentin (*), 1898-1967, in einem Nachruf auf den Verfasser 1966 nachdrucken lässt und das als Beitrag in der von Martha Petri 1939 herausgegebenen Blut-und-Boden-Anthologie Donauschwäbisches Dichterbuch, Luser, Wien-Leipzig , veröffentlicht wurde, obwohl die Herausgeberin den Verfasser darin abschätzig der von den Nazis verpönten "Großstadtliteratur" zuordnet]



Der Schwaben Siegeslied

[...]

Die Sense rauscht ... Die gelben Ähren nur
vermögen Enkelkindern vorzusagen,
wie aus dem Ahnenreich die blasse Spur
sich hinzog nach den jüngsten Erdentagen,
da alle Herzen ein Gelübde tragen,
und alle Lippen sprechen einen Schwur:
Nur Treue, die ein Volk sich selber hält,
kann Treue sein zu Gott und Welt!


(*) Anton Valentin, geb. 26. Februar 1898 in Neuarad, gest. 16. Dezember 1967 in Sigmaringen/
Südwürttemberg, NS-Gaukulturamtswalter, 1942 Direktor der gleichgeschalteten Prinz-Eugen-Schule (vormals Banatia) in Temeswar, 13 Jahre lang Vorsitzender der Banater Landsmannschaft in der Bundesrepublik Deutschland (27. Juni 1953 bis zum 18. Juni 1966).
In einer seiner kriegstreiberischen Reden, gehalten 1940 anlässlich einer Buchausstellung in Temeswar und veröffentlicht in der BDZ vom 4. Dezember 1940, S. 2, sagte Valentin:
„Der totale Krieg eines Volkes aber bedeutet, daß jeder von uns durch seine Auswirkungen berührt wird, und die Tatsache, daß nicht die Heere, sondern die Völker gegeneinader stehen, bedeutet, daß der Krieg nicht nur an der Front, sondern auch in der Heimat, überall dort, wo Deutsche leben, entschieden wird.
[...]
Das deutsche Schrifttum aber war von je im Leben unseres Volkes eine der Quellen, aus denen die Kräfte der Seele am reichsten und reinlichsten strömten. So bedeutet der Hinweis auf das Buchschaffen unserer Zeit keineswegs einen Verzicht auf die Teilnahme am Geschehen unserer Zeit, denn jenes beziehungslose Schrifttum, daß es nicht nötig zu haben schien, nach dem zu fragen, was um es herum geschieht, ist für uns Deutsche schon längst kein Problem mehr. Dagegen dürfen wir heute unsere Blicke richten auf eine Dichtung, die ihre eigentliche und wesentliche Kraft empfängt aus der engen Verbindung ihrer Träger und Schöpfer mit dem Leben und vor allem mit dem Schicksal des Volkes.
Gefahrvolle Höhepunkte des Volksschicksals aber sind immer kriegerische Auseinandersetzungen, in denen es früher mindestens stets um wesentliche Entscheidungen für die Zukunft, heute aber um Sein oder Nichtsein geht. Und uns Deutschen im Auslande ist es vom Schicksal auferlegt, um dieses Sein oder Nichtsein, im nationalen Verstande, täglich zu ringen. Gewiß hängt unser Schicksal ab vom Ausgange des Krieges und wir zweifeln und zweifelten keinen Augenblick an dem Sieg der deutschen Waffen.
Aber wir müssen uns heute wie morgen dessen gewiß sein, daß wir als deutsche Vorposten im Südosten unsere Stellung durch unsere eigene Kraft behaupten werden müssen. Das Vertrauen des Führers hat uns erneut auf den Posten gestellt. Das bedeutet für uns die Verpflichtung, hier auf dem Boden Sachwalter deutschen Wesens, deutscher Kraft zu sein.
Wir haben ein junges Volksbewußtsein, der gewaltige Umbruch durch den Nationalsozialismus hat bei uns letzthin auch hartnäckigste Magyaronen wachgerüttelt und in ihnen die Stimme des Blutes erweckt. Wir freuen uns über ihre Heimfindung. -
[...]
Unsere Buchausstellung soll in bescheidenem Rahmen das deutsche geistige Geschehen unserer Zeit als mitentscheidende Waffe vermitteln. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Werk des Führers in seiner einmaligen, überragenden, geschichtlichen Bedeutung. Sie finden neben Abteilungen, die das große Geschehen unserer Zeit behandeln, eine Ausstellung von Büchern der legionären Bewegung, wir wollen dabei in ehrfurchtvoller Bewunderung der Helden gedenken, die für die Idee eines neuen Europa ihr Leben opfern mußten.
Sie finden auch eine Abteilung mit unserem Banater Heimatschrifttum. Ich darf in dem Zusammenhang hier zugleich den Dichter des Donaudeutschtums Karl von Möller begrüßen und ihm von dieser Stelle unseren Dank für sein reiches Schaffen und auch die Hoffnung aussprechen, daß es ihm beschieden sein werde, unser Volk mit weiteren Büchern zu beschenken.“
In einem ungezeichneten Bericht, „Feierstunde des deutschen Buches. Gaukulturwalter Prof. Valentin: 'Durch Vertrauen des Führers auch weiterhin Vorposten im Südosten' - Karl von Möller liest aus seinen Werken“, in: BDZ, 3. Dezember 1940, S. 2-3, heißt es im Stil nationalsozialistischer Publizistik:
„Als die Neuerscheinung unseres Banater deutschen Schrifttums im Jahre 1940 konnte der Gaukulturwalter aufzählen: Junge Banater Dichtung, herausgegeben von der Kreisleitung der NAF-Temeschburg, Gedichte von Hilde Martini-Striegl, von Heinrich Erk. Szenen von Heinrich Erk, Rumänische Lieder von Hans Diplich. Die 5 Bücher sind in der Reihe „Banater Blätter“ erschienen. „Furche im Acker“. Eine Auslese deutschen Schrifttums der Gegenwart. Herausgegeben vom Gaukulturamt, Banat. „Heißsporne“. Eine Erzählung von Karl v. Möller, (Reihe: Soldaten, Kameraden. Zentralverlag der NSDAP). „Deutsches Schicksal im Banat“. Ein Rückblick auf die deutsche Siedlungsgeschichte des Banates von Karl v. Möller. (Reihe: Südost, Luser-Verlag. Wien). „Das Korsett der Marquise“. Eine Erzählung von Karl v. Möller. (Reihe Soldaten Kameraden. Zentralverlag der NSDAP). „Das Banat. Ein deutsches Siedlungsgebiet im Donauraum“, von Hans Herschaft. (Verlag Grenze und Ausland, Berlin). „Franz Ferch. Ein Banater Maler“. Von Robert Reiter. Herausgegeben vom Gaukulturamt, Banat. Die Judenfrage im Banat. Von Dr. Hans Wolff. Das Banat. Von Nikolaus Hans Hockl.“
Zu Valentin siehe auch die Würdigungen, in denen seine NS-Tätigkeit verharmlost wird:
Michael Stocker, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, „Anton Valentin bleibt unvergessen“ [8 Seiten Sonderbeilage, Dachzeile: „Zum zehnjährigen Todestag von Anton Valentin“], in: Banater Post, 22. Jg., Nr. 12, 15. Dezember 1977, S. I;
Kaspar Hügel, „Der Volkstumskämpfer und Kulturpolitiker Anton Valentin“, ebenda, S. II;
Herta Tietz, „Ein Leben für die Banater Schwaben“, ebenda, S. III-IV;
Matthias Weber, „Mensch und Vorgesetzter“, ebenda, S. V;
Anton Karl, „Der Kampf um die Ersatzeinheitswerte“, ebenda, S. V-VI;
Dr. Anton Peter Petri, „Anton Valentin und die Monatshefte“, ebenda, S. VI;
„Bibliographie“, Zusammengestellt von Heidi Valentin, ebenda, S. VII-VIII;


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14.1. 2018

[1914-1918. Zwischen Kriegshysterie und moderatem Pazifismus]


[1914-1918. Între isterie de război şi pacifism moderat]





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13.1. 2018

[1941. In seiner rassistischen Schrift, „Ihr wahres Gesicht. Ein rot-weiß-grüner Kulturfilm aus Madjarien”, in der Viktor Orendi-Hommenau (*)  anführt, „die Ofenpester Herrschaften demaskieren” zu wollen, schlägt er radikale völkische Töne an, lobt Adolf Hitler als den „Befreier Europas und der europäischen Gesittung überhaupt”, erklärt, weshalb die Ungarn keine Arier sind (wie Deutsche oder Rumänen, die „alle miteinander zur großen heiligen Volksgemeinschaft der Arier gehören”) und kein „Kulturvolk” sein können, weil in ihren Adern „mongolisches Blut” fließt (S. 27-28). Auszüge]

[1941. În scrierea sa rasistă Ihr wahres Gesicht. Ein rot-weiß-grüner Kulturfilm aus Madjarien” / Chipul lor adevărat. Un film roşu-alb-verde din MaghiariaViktor Orendi-Hommenau (*)  încearcă să demonstreze neapartenenţa maghiarilor la „rasa superioară ariană” - pentru că în venele lor curge „sînge mongol”, îl laudă pe Adolf Hitler ca „eliberatorul Europei” şi susţine că maghiarii nu reprezintă un „popor cultural” ca şi germanii şi românii care aparţin „comunităţii sfinte a arienilor”. Fragmente] 




(*) Viktor Orendi-Hommenau (1870-1954), ab 1909 Herausgeber der Banater Zeitschrift Von der Heide, in der auch Franz Xaver Kappus mit einigen Beiträgen vertreten war. / Editorul unei reviste bănăţene, în care a publicat şi Franz Xaver Kappus.  


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12. 1. 2018

[5. Juli 1945. Aufruf der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands, mitunterzeichnet von Franz Xaver Kappus] 

[5 iulie 1945. Chemarea Partidului Liberal-Democrat din Germania, semnată şi de scriitorul Franz Xaver Kappus, născut în Timişoara]



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11.1. 2018

Blut

Von Franz Xaver Kappus (*) 

»...Und wie heißt du?« Die junge Frau schob die volle Unterlippe für einen Augenblick zwischen die Zähne. Ihre Augen lachten.
»Ich bin die schöne Bojana. Und war noch tausendmal schöner, bevor ich die Kinder hatte.«
Und nach einer Weile wegwerfend, mit einem Seitenblick auf die Tür, hinter der die Kleinen schliefen:
»Es liegt mir nichts an ihnen, gar nichts...«
Der Hauptmann sah vor sich hin und antwortete nicht. Alles in ihm war noch zu sehr in Aufruhr von den letzten Tagen. Der Klang der hundert und hundert Kanonen, der Tag und Nacht wie ein tiefer Schrei über den Wässern der Donau gehangen hatte, hämmerte ihm im Blute. Und vor den dicht verhangenen Fenstern stapften schwarz und entschlossen Kolonnen um Kolonnen, zogen, ohne einen Blick nach rechts oder links, durch das schweigende, niedergeduckte Belgrad, das eine einzige große Wunde war...
Und weit im Süden langten die eigenen Geschütze schon wieder den Feinden nach, während der Hauptmann mit den Seinen eine kurze Nacht ruhen durfte, knappe und vorgezählte sechs Stunden in dieser schmerzdurchwühlten Stadt.
Immerfort sangen die gelockerten Scheiben das Lied nach, das die Haubitzen am Avala brüllten. Und die kleine Lampe auf dem Tisch zuckte und schwelte.
»Du sollst nicht so still sein, Herr«, sagte Bojana und legte dem Offizier zwei Finger auf den Arm.
»Ich bin müd'«, erwiderte er kurz.
Doch sie rückte näher an ihn heran. Über ihre blassen Wangen liefen kleine Lichter bis zu den Wurzeln des blauschwarzen, schlicht gescheitelten Haares. Ihre durchsichtigen Nasenflügel vibrierten ohne Unterlaß.
»Dein Mann ist im Krieg?«
Erst jetzt bemerkte der Offizier, daß sie Trauer trug.
»Oder gefallen?«
Sie schüttelte den Kopf und zog dabei einen erbsengroßen, leuchtenden Rubin von der Hand.
»Alle sind im Krieg. Und alle Frauen gehen schwarz gekleidet. Ich weine um keinen.«
Der Hauptmann sah mit einem Ruck zur Seite, sah ihr eine halbe Minute scharf in die Augen.
»Ich verstehe dich nicht... Eure Männer sind Helden. Und viele sterben...«
Sie lachte ein heißes, nervöses Lachen.
»Die Toten haben es gut. Die wissen nichts mehr.«
»Und dein Mann...?« drängte er.
Sie zuckte die Achseln. Um ihre Mundwinkel nistete ein garstiger Hohn. Ihre Lider waren ganz schmal geworden.
»Er gilt mir nicht mehr als jeder andere. Wenn er lebendig zurückkommt, werde ich ihn hassen.«
»Du liebst dein Vaterland sehr...«, sprach der Offizier und faßte nach ihrer Hand.
Sie nahm den Ring wieder vom Finger.
»Ein schöner Stein, nicht wahr? Rot wie Blut. Den tragen jetzt viele Frauen und Mädchen. Ein Talisman...« 
Draußen rasselte eine Batterie vorüber.
»Das sind deutsche Kanonen«, sagte Bojana und horchte in die Nacht hinaus. »Ich erkenne sie am Rollen. Die euren fahren leichter.« 
Eine Pause verging. Die Frau bewegte unhörbar die Lippen, als ob sie die Geschütze zählte.
Dann sagte sie unvermittelt:
»Ihr seid reich und tapfer. Euch muß die Welt gehören.«
»Sprechen wir nicht darüber.«
»Doch!« Das fuhr wie ein Pfiff zwischen ihren Lippen hervor. »Ich will!«
Der Hauptmann erhob sich.
»Ich muß schlafen.« Er griff nach seiner Mütze und der Nagaika, die er in Galizien einem Kosakenoffizier abgenommen hatte.
Da fuhr sie wie eine Katze auf die Peitsche los.
»Zeig' mir das Ding!«
Sie ließ die Nagaika ein paarmal durch die Luft sausen. Dabei fiel ihr weiter Ärmel auf die Schulter zurück. Ihr Arm war weich modelliert und doch sehnig wie der eines sportgeübten Buben. Und ihre langen Wimpern lagen dunkel und schwer auf den Wangen - und unter den Wimpern sprühte es blitzend hervor - und traf den Mann, der vor ihr stand, immer wieder schwül, herausfordernd und stolz.
Der Offizier grub die Fingernägel in das Fleisch seiner Ballen. Alle Müdigkeit wich mit einem Schlag von ihm.
»Ich gehe jetzt«, sagte er rauh.
Sie lachte.
»Ich bin die schöne Bojana. Und du bist mein Gast. Soll ich dir noch mehr sagen?«
Die Lippen des Hauptmanns kräuselte ein Lächeln.
»Du bist sehr gütig, mein Kind, aber es geht nicht.«
Er sprach die Worte langsam und mit scharfer Betonung. »Und dann... überhaupt...«
Bojana richtete sich hoch vor ihm auf, beugte den schlanken Körper zurück und flocht die Finger beider Hände hinter dem schweren Haarknoten ineinander. Ihr rassiger Hals straffte sich und das schwarze Gewand floß gerade und edel über ihre hochangesetzte Brust.
»0, ich weiß: Ich bin die Feindin und du fürchtest dich vor mir... Gut. Ich will dir nicht zureden. Aber eines sollst du wissen: ein Serbe hätte nicht ,nein' gesagt und wenn er tausendmal mein Feind wäre. So geh jetzt!«
Das saß.
Der Hauptmann stand einen Moment starr.
Dann schmiß er die Kappe im Bogen von sich, sprang wie ein Tier auf sie los und küßte sie, küßte sie... 
Und ihre weißen, warmen Arme legten sich immer fester um seinen Nacken, daß die niedergehaltene Glut vieler Monate in ihm frei wurde und als namenlos süßer Schmerz in seinen Schläfen pochte.
Und die Minuten verrannen... 
Langsam, ganz langsam löste sie sich aus seiner Umarmung und sprach leise, liebe, kindliche Worte zu ihm. Ihre dunklen Augen waren jetzt weit geöffnet und hinter dem Purpur ihrer Lippen schimmerten blendend und feucht ihre seltsam spitzen Zähne.
Die beiden saßen wieder auf dem buntgeblümten Sofa vor dem viereckigen Tisch, darauf die kleine Lampe mählich niederbrannte.
Auf der Straße hallte der schwere Schritt einer Patrouille. Irgendwo, weit draußen, ratterte ein Maschinengewehr. Oder war es ein Wagen, der die steile Straße nach dem Kalimegdan fuhr?
Der Offizier war in Träume versunken.
Sein lebendiger, fiebernder Leib war hier, aber durch sein Bewußtsein züngelten tausend Bilder, die er nicht bannen konnte. Er vermochte es nicht zu fassen, daß er jetzt hier in einem Hause saß, dessen Herren er nicht kannte, daß über dasselbe Dach noch vor wenigen Tagen die Mörser von drüben ihre sausenden Garben warfen, daß neben ihm ein Weib atmete, das ihn haßte, hassen mußte... 
Und draußen, wohin man sah, Blut, Blut...
Bojana war zum Schrank geschritten und stellte Wein auf den Tisch.
Der Hauptmann verschränkte die Arme und lehnte sich weit in das Sofa zurück. Mit blinzelnden, lauernden Augen achtete er auf jede Bewegung der Frau, studierte ihren Gesichtsausdruck, während sie die Gläser füllte; denn mit einemmal war eine klare, kritische Nüchternheit über ihn gekommen, ähnlich der ruhigen Kühle, mit der er im Gewoge der Gefechte seine Entschlüsse faßte.
Bojana reichte ihm den einen Kelch. Ihre Hand bebte ganz leise und an dem Rubin des vierten Fingers hing ein roter Tropfen.
»Nicht so, mein Liebchen«, sagte der Offizier und griff nach dem Glas, das vor ihr stand. »Zuerst trinkst du.«
Da traf ihn ein Blick; der war wie ein Peitschenhieb. Sie lachte hysterisch auf.
»Pfui!«
Dann schüttete sie den Inhalt beider Gläser auf den Boden und goß von neuem ein.
»So. Und ich trinke zuerst.«
Als sie den Kelch auf den Tisch gesetzt hatte, leerte auch der Hauptmann sein Glas.
»Und jetzt küsse mich!«
Sie drängte ihren heißen Leib an ihn. Dann nahm sie seine Hand und schob ihren Ring auf seinen kleinen Finger.
»Den mußt du immer tragen, verstehst du?
Mein Mann hatte auch einen solchen.«
Der Hauptmann horchte auf.
»Er hatte...? Also ist er...?«
»Bei Schabatz gefallen.«
Bojana sah mit verlorenem Blick an ihrem Gast vorbei in die Zimmerecke, wo schwarze Schatten kauerten. Und wiederholte ein paarmal mechanisch und mit müder Zunge: »Bei Schabatz, bei Schabatz ...«
Im Nebenzimmer schrie eines der Kinder aus dem Schlafe. Irgendjemand rüttelte draußen am Tor.
Den Offizier fröstelte.
»Also doch ...«
Die junge Frau lachte schrill auf.
»Gott sei's gedankt. Er hat das Seinige getan. Hat sein Blut hergegeben...« Dann wuchs aus ihrer Kehle ein Schrei: »Warum bin ich ein Weib, du? Warum kann ich nicht kämpfen, was, mit dir, mit allen?«
Ihre Finger hackten sich wie Krallen in seinen Schultern fest.
Er fuhr empor.
»Bist du rasend, Weib?«
Aber sie krampfte sich an ihn wie toll.
»Du, du...« zischte sie, »was habe Ich von deinem schäbigen Leben? Haha, der Wein war gut, ertränken möchte ich euch alle darin! Was liegt an mir? Ein Weib weniger, haha!«
Er wurde aschfahl.
»Bestie!«
Er stürzte sich auf sie und faßte hart nach ihren Gelenken. Ihre Schlagadern gingen hoch und stürmisch. Aus ihrem Körper rieselte ein Zittern hinüber in den seinen, das durch alle Adern kroch und sein Denken lähmte.
Er wollte sprechen und konnte nicht. Er sah nur ihre Augen, die auf einmal einen großen, fremden Glanz bekamen, fühlte, wie ihr Leib ein-, zweimal hochsprang, sich straffte und dann still lag.
Einen Augenblick später schlug er neben ihr hin.
Am nächsten Tag begrub man ihn mit dem Ring am Finger, der so rot wie Blut war.

(1915) 



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Neue Bücher - Cărţi noi




Halbjahresschrift der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft
Publicaţie semestrială a Societăţii Germano-Române


O publicaţie semestrială germană despre „cacofonia arhitecturală” din Chişinău. Ultimul număr al „Caietelor germano-române”, anul XX, Nr. 2, 2017, RFE, 3 ianuarie 2018 


+ + + Weitere Infos zu Neuerscheinungen - hier und teilweise auch hier + + + 





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[30. Dezember  1859. Titelblatt der Temesvarer Zeitung




[31. Dezember 1859. Zum Jahresausklang die Temesvarer Zeitung - die letzte Ausgabe des Jahres 1859] 

[31 decembrie 1859. Ediţia de sfîrşit de an 1859 a ziarului timişorean] 





[31. Dezember 1933. Die letzte Ausgabe des Jahres 1933 der traditionsreichen östereichischen Arbeiter-Zeitung, die über die terroristischen Umtriebe der faschistischen Legionäre in Rumänien und Ermordung des Ministerpräsidenten I.G. Duca berichtet] 

[31 decembrie 1933. Ultima ediţie pe anul 1933 a ziarului social-democraţilor austrieci, Arbeiter-Zeitung, în care se relatează despre acţiunile teroriste ale fasciştilor români şi despre atentatul asupra primului ministru I.G. Duca, săvîrşit de către legionari] 



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Theodor Kramer (*), "Es schneit", in: Arbeiter-Zeitung, 46. Jg., Nr. 360, 31. Dezember 1933, Beilage: Arbeiter-Sonntag, Nr. 21, S. 2.


(*) Theodor Kramer (geb. 1. Januar 1897 in Niederhollabrunn; gest. 3. April 1958 in Wien), Gründungsmitglied der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller, Gegner des Austrofaschismus und Nazismus. Nach dem Anschluss Österreichs wurden seine Werke verboten. 1939 Emigration nach England, erst 1957 Rückkehr nach Wien. Bekannt wurde er insbesonders durch die Bücher: Die Gaunerzinke. Gedichte. Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1929. 1999 gab Herta Müller den Sammelband: Die Wahrheit ist, man hat mir nichts getan. Gedichte. Paul Zsolnay, Wien 1999, heraus. 



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4. 1. 2018

Propagandă neolegionară pe internet (colaj: William Totok)

„Ofensiva contra limbajului urii pe internet. Obligativitatea ştergerii unor mesaje ofensatoare de către companii ca Facebook sau Twitter în urma intrării în vigoare a legii germane NetzDG”, RFE, 4. ianuarie 2018.  




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              o Johann Lippet: Das Leben einer Akte
              o Der Fall „Bega“


    * ▼  EU-Wahl 2009:


    ▼  27. März 2009Johann Böhm: Bischofsvikar Friedrich Müller als Widerständler? - August Georg Kenstler, Herausgeber der Monatsschrift „Blut und Boden“  (Anhang: 1. Zum Verständnis der politischen Gruppen (Parteien) der deutschen Volksgruppe in Rumänien von 1922 bis zum 23. August 1944    2. Organisationsplan der NSDAP der DViR Ende 1943. Tabelle mit den Unterorganisationen der NSDAP der DViR)




    Erstellt 26.12. 2017 - Aktualisiert 20.1. 2018,  20:55 h