24.05.2020

Blut und Boden 5 - Sînge şi glie 5



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Blut-und-Boden-Ideologie in den Werken von Vintilă Horia, Albert Wass, Heinrich Zillich, József Nyírő u.a.

Doctrina estetică a „sîngelui şi gliei” în operele lui Vintilă Horia, Albert Wass, Heinrich Zillich, József Nyírő ş.a.



V. Teil - Partea a V-a

„Unora dintre ideologi[i fascişti] li se părea absolut clară necesitatea înlocuirii vechii teze umaniste despre om ca măsură a tuturor lucrurilor prin teza că măsura tuturor lucrurilor este naţiunea.” – Hermann István (estetician, 1973) 


„Führer-ul nu cunoaşte decît luptă, trudă şi grijă. Noi vrem să-i luăm din povară partea, pe care i-o putem lua” / „Der Führer kennt nur Kampf, Arbeit und Sorge. Wir wollen ihm den Teil abnehmen, den wir ihm abnehmen können.“– Heinrich Zillich (völkischer Schriftsteller - scriitor nazist)

„Man wird es einmal als eine ganz große Leistung bewerten, daß Hitler die Mittel der Demokratie zu ihrer Beseitigung wählte. Dadurch gewann sein Vordringen Überzeugungskraft auch denen gegenüber, die ihn bekämpften.” - Heinrich Zillich (1933)

Da aber keine Staatskunst der Welt die erdräumlichen Verhältnisse des Gebietes außer acht lassen kann, in welchem das Volk lebt, so wird hieraus ersichtlich, daß die Begriffe „Blut“ und „Boden“ zum entscheidenden Grundgedanken des Nationalsozialismus werden.” - 
R. Walther Darré (Reichsbauernführer, Reichs- und Preußischer Minister für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsleiter der NSDAP), Blut und Boden, ein Grundgedanke des Nationalsozialismus (1936) 

„Siebenbürgen ist alter Kulturboden, dessen ausgeformtes Geistesleben alle geistigen Ausstrahlungen des Mutterlandes auffängt und sich organisch einverleibt. Zwischen der Versuchung, sich in der Enge einer Heimatkunst zu bescheiden, und der Gefahr, in den Leerlauf einer übernommenen und nicht bodenverwurzelten Bildungsdichtung hineinzugeraten, entsteht hier eine Kunst, die zugleich dichterische Ausdeutung siebenbürgischen Daseins und Mitschwingen im Rhythmus gesamtdeutscher Entwicklung sein will.“ - Harald Krasser, „Vorwort“, in: Herman Roth / Harald Krasser: Herz der Heimat. Herausgegeben von der Deutschen Buchgilde in Rumänien. Vorwort von Harald Krasser, Verlag von Krafft & Drotleff, Hermannstadt 1935, S. 1-11 (hier, S. 3)

„Nur die Völker bleiben, so will es das Blut. Immer nur gutes Blut…“ - Rudolf Hollinger (1942)

„Führerul german s'a înscris în istorie printre ctitorii României.” Nichifor Crainic, „Aliaţii lui Hitler” (1941)


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Blut und Boden 5 - Sînge şi glie 5



Inhaltsübersicht - Cuprins








25.8. 1876. Mihai Eminescu vs. Karl Emil Franzos 

31. 1. 1904. Karl Emil Franzos: Todesanzeige & Nekrolog / Ferpar & necrolog, in: Neue Freie Presse, 31. 1. 1904, pp. 30, 32-33

15. 7 1893. Karl Emil Franzos: Biographisches Vorwort zu seinem Roman, Der PojazPrefaţă autobiografică în romanul său, Der Pojaz (Paiaţa) 

1.9. 2020. William Totok: Eminescu, Franzos şi Moses Rosen, RFI, 1.9. 2020


29.8. 1878. „Verjudete Literatur” / „literatură jidovită”;


11. 11. 1903. Denkschrift von Adam Müller-Guttenbrunn (1852-1923) an den antisemitischen Wiener Bürgermeister, Karl Lueger (1844-1910) / Memoriul lui Adam Müller-Guttenbrunn (1852-1923) adresat primarului antisemit din Viena, Karl Lueger (1844-1910);


12. 11. 1982.Voicu” erklärt der Geheimpolizei den in der Neuen Banater Zeitung, NBZ, vom 27. Oktober 1982 veröffentlichten Beitrag von Nikolaus Berwanger „Müller-Guttenbrunn-Rezeption in Rumänien” / Voicu” explică poliţiei secrete articolul lui Nikolaus Berwanger, apărut în Neue Banater Zeitung, NBZ, din 27 octombrie 1982, „Receptarea lui Müller-Guttenbrunn” în România;


Mythos Müller-Guttenbrunn / Mitul Müller-Guttenbrunn 

1926

Paul Rohrbach, Deutschtum in Not! - 1926

1933

Fritz Heinz Reimesch, „Die Donauschwaben“, in: Deutsches Land. Das Buch von Volk und Heimat – 1933 



19. 8. 1941. Wieder 560 Juden zum Arbeitsdienst eingezogen / Încă 560 de evrei duşi la muncă;


17.10. 1941. Otto Alscher, Der Alldeutsche Verband in Belgrad / Uniunea pan-germană la Belgrad;



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Bildquelle: Der Pojaz, 11.-12. Auflage,1917
[25. August 1876. Mihai Eminescu, „Jüdischer Samen aus Tschernowitz”, ein Artikel aus der Zeitung Curierul de Iaşi, in dem er gegen Karl Emil Franzos, 1848-1904, polemisiert und dessen Namen in bekannter antisemitischer Manier in einer eigenwilligen Form zu „Franzois” verballhornt] 

[25 august 1876. Mihai Eminescu, „Sămînţă jidovească din Cernăuţi”, articol publicat în Curierul de Iaşi în care polemizează împotriva lui Karl Emil Franzos, 1848-1904, stîlcindu-i, în bună tradiţie antisemită, numele, ortografiindu-l: „Franzois”] 

Sămînţă jidovească din Cernăuţi – de Mihai Eminescu [25 august 1876]

D. Carol Emil Franzos, recte Franzois, care primejduieşte câteodată citirea „Nouăi prese libere” [prin] foiletoanele sale, scrise în acea proză coruptă pe care germanii o numesc cu drept cuvânt francezo – judaică şi-au tipărit impresiile sale, culese pe la Colomeia, Sadagura, Podul-Iloaiei şi alte asemenea locuri în care se prăseşte jidovimea, sub titlul ”Aus Halb-Asien” (din Semi-Asia). D-sa numeşte aceste secături icoane de cultură (Culturbilder) din Galiţia, Bucovina, Rusia meridională şi România. Credem însă că pentru a da o icoană fidelă despre cultura unor popoare, trebuie să le cunoşti limba, căci cunoştinţa limbei jidoveşti nu poate servi decât pentru a te introduce în universităţile din Târgul-Cucului. Ca toţi jidanii, cari în literatura germană se deosebesc prin stilul franţuzit şi prin espresii mârşave şi obraznice, şi acest tânăr şi gros colaborator de la „N. Fr. Presse” nu-şi cunoaşte lungul – nasului, judecă făr’ a şti nimic şi batjocoreşte toate popoarele câte n-au plecare de-a se săruta cu jidanii. Se vede că înamoraţi de stilul d-lui Franzois, un jurnal săsesc din Transilvania, pe care „Telegraful” român îl citează numai în iniţiale (S.d.T., poate că „Siebenbürgisch-deutsches Tagblatt”), publică asemenea aceste producte nespălate ale filozofului din Sadagura, pentru a le pune proaspete şi calde în fiecare dimineaţă înaintea lectorilor săi flămânzi de calomnii în contra românilor.


Mihai Eminescu, Opere, vol. IX, ed. îngrijită de Petru Creţia, Editura Academiei RSR, Bucureşti, 1980, p. 190 (Curierul de Iaşi, nr. 94 din 25 august 1876, p.3) 

Neue Freie Presse, 31. Januar 1904, S. 30
Neue Freie Presse, 1. Februar 1904, S. 6

[15. Juli 1893. Karl Emil Franzos. Biographisches Vorwort zu seinem Roman, Der Pojaz, der 1905 postum erschienen ist. Entnommen der 11. und 12. Auflage des Romans, erschienen im Verlag J. G. Cottaschen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart-Berlin 1917, S. 5-14.]

[15 iulie 1893. Karl Emil Franzos. Prefaţă autobiografică în romanul său, Der Pojaz / Paiaţa, care a apărut postum în anul 1905. Versiunea de faţă a fost preluată din ediţia 11-12 a romanului, publicată la editura J. G. Cottaschen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart-Berlin 1917, pp. 5-14.]


Vorwort

»Bilde, Künstler, rede nicht!« Jedes Dichterwerk soll sich selbst erläutern. Bedarf es erst einer Erklärung, so taugt es nichts. Zudem nützt alles Erklären nichts. Ist das Werk lebensfähig, so lebt es durch die eigene Kraft; ist es als Krüppel zur Welt gekommen, so nützt ihm das Mäntelchen eines Vorworts nichts. Im Gegenteil, das Mäntelchen schadet nur. Ungeduldig zerrt der Leser an dem Gewande:«Laß mich doch selbst sehen, wie das Kind gewachsen ist!«

Dies Vorwort also soll meinen Roman weder erläutern, noch verteidigen. Es soll nur einige äußere Umstände anführen und daneben einiges sagen, was ich schon lange auf dem Herzen habe und am besten bei dieser Gelegenheit vorbringen kann.

Ich bin am 25. Oktober 1848 auf russischem Boden geboren, im Gouvernement Podolien, in einem Forsthause dicht an der österreichischen Grenze. Ich glaube nicht, daß man je die Absicht hegen wird, an diesem Hause eine Gedenktafel anzubringen; sollte aber einst irgend ein Freund meiner Schriften auf diesen Gedanken kommen, so wird er ihn nicht verwirklichen können. Das Haus steht nicht mehr; über die Stelle, wo ich zur Welt gekommen bin und die ersten Wochen meines Lebens verbracht habe, geht heute der Pflug; der gerodete Wald ist Ackerland geworden. Vor 45 Jahren wohnte dort ein wackerer deutscher Förster aus Westfalen, der meinem Vater treu anhing, weil er ihn in schwerer Krankheit am Leben erhalten hatte. Den Dank dafür trug der Mann nun ab, indem er die Familie seines Lebensretters treulich aufnahm. Denn der Spätherbst 1848 war eine böse Zeit in Ostgalizien; die Polen erhoben sich und gingen damit um, den vereinzelten Deutschen im Lande dasselbe Los zu bereiten, wie es ihre Posener Landsleute den Preußen ein halbes Jahr vorher zugefügt oder doch zuzufügen versucht. Zu den Bedrohten gehörte auch mein Vater, denn erstlich stand er als Bezirksarzt in kaiserlich königlichen Diensten, und zweitens hatte er sich immer als eifriger Deutscher betätigt. Jeden Tag regnete es Drohbriefe; auf dem flachen Lande war bereits der Aufruhr offen erklärt; im Städtchen erwartete man stets den Überfall. Man riet meinem Vater, zu flüchten; er war nicht der Mann, seinen Posten zu verlassen. So schickte er denn nur meine Mutter, die mich eben unter dem Herzen trug, und meine älteren Geschwister über die Grenze in jenes Forsthaus. Dort also bin ich, wie gesagt, zur Welt gekommen, vorzeitig; meine arme Mutter war ja in tödlicher Angst und Sorge um den Gatten. Die Gefahr ging gnädig an ihm vorbei; schon im November war der Aufstand der Polen zu Ende, und sie konnte heimkehren. Man sieht, ich bin deshalb in Rußland zur Welt gekommen, weil mein Vater sich als Deutscher fühlte und danach handelte.

Auch bei meiner Erziehung. Das deutsche Nationalgefühl, das mich erfüllt, das auch ich mein Leben lang betätigt habe, ist mir von Kindheit auf eingeprägt worden. Ich war noch nicht drei Käse hoch, als mir mein Vater bereits sagte: »Du bist deiner Nationalität nach kein Pole, kein Ruthene, kein Jude – du bist ein Deutscher.« Aber ebenso oft hat er mir schon damals gesagt: »Deinem Glauben nach bist du ein Jude.« Mein Vater erzog mich wie mein Großvater ihn erzogen, in denselben Anschauungen, sogar zu demselben Endzweck, ich sollte meine Heimat nicht in Galizien finden, sondern im Westen. Und auch die Gründe, die meinen Vater dazu bewogen, waren dieselben.

Ich besuchte die einzige Schule des Städtchens, die im Kloster der Dominikaner; dort lernte ich Polnisch und Latein. Im Deutschen unterrichtete mich mein Vater selbst. Für das Hebräische hatte ich einen besonderen Lehrer. Dieser Mann war zugleich der einzige meiner Czortkower Glaubensgenossen, mit dem ich bis in mein zehntes Jahr in nähere Berührung kam. Meine Mitschüler, meine Spielgefährten waren Christen. Ich betrat selten ein jüdisches Haus, nie die Synagoge. Religiöse Bräuche sowie die Speisegesetze wurden im elterlichen Hause nicht gehalten. Ich wuchs wie auf einer Insel auf. Von meinen Mitschülern schieden mich Glaube und Sprache, und genau dasselbe schied mich von den jüdischen Knaben. Ich war ein Jude, aber von anderer Art als sie, und ihre Sprache war mir nicht ganz verständlich.

In diesen Eindrücken meiner Kindheit wurzelt vielleicht das Beste, was ich habe: die Fähigkeit des Beobachtens. Ich war von allen anderen geschieden, ein anderer als sie. Aber was ich nun war, wußte ich ganz genau, dafür hatte mein Vater gesorgt. Ich war ein Deutscher und ein Jude zugleich. Von beiden hörte ich nur das Beste und Edelste, was mich zur Treue, ja zur Begeisterung entflammen konnte. Bewarf mich zuweilen ein Judenknabe mit Kot und schimpfte mich einen Abtrünnigen, so wurde mir gesagt: »Er ist deshalb doch dein Bruder, grolle ihm nicht! Er weiß nicht, was er tut.« Freilich durfte ich den Bruder nicht näher kennen lernen, aber dazu hatte ich auch geringe Lust, und bescheidene Annäherungsversuche, die ich machte, fielen übel aus: die kleinen Kaftanträger prügelten und verhöhnten mich. Begegnete ich aber nur einem von ihnen, so lief er mir davon. Das mißfiel mir beides, stimmte mir auch nicht zu der Geschichte der Makkabäer, die mir mein Vater so begeistert zu erzählen pflegte.

So standen die Dinge in meiner Knabenzeit in Czortkow. Ich hatte viel Begeisterung für das Judentum, aber einen sehr dürftigen Einblick in das reale Leben der Juden um mich her.

Einen tieferen Einblick gewann ich erst in Czernowitz, wo ich das Gymnasium besuchte, allmählich und stückweise, von Jahr zu Jahr mehr. Nun, wo mein Vater nicht mehr war – ich habe ihn bereits 1858 verloren –, begriff ich erst recht, unter welchen Kämpfen sein Leben vergangen, in welchen Anschauungen er mich erziehen gewollt. Wie es ohne jenen festen Grund, den er gelegt, ohne jene Begeisterung, die er in mir entflammt, mit mir gekommen wäre, könnte ich mit Bestimmtheit nicht sagen, denn vielleicht hätten mich zwei Grundzüge meines Wesens, die auch ich mir nachsagen darf, weil sie niemand übersehen kann, der meine Schriften oder mich kennt – vielleicht hätten, sage ich, mein Pflichtgefühl und mein Gerechtigkeitssinn mich annähernd denselben Weg einschlagen lassen, den ich gegangen bin. Aber gut war es doch, daß mein Vater jenen Grund legte. Denn je näher ich das nationalorthodoxe Judentum kennen lernte, desto mehr fühlte ich mich durch seine Auswüchse im tiefsten Herzen verwundet und fremdartig berührt. Auch entging mir zwar das Poetische an vielen seiner Formen nicht, aber ihren Zauber können sie doch nur auf einen voll üben, dem sie zugleich ein Stück Kindheitserinnerung bedeuten. Dies war bei mir nicht der Fall.

Es war ganz ausgeschlossen, daß ich, meines Vaters Sohn und frühzeitig auch durch das Leben zum vollen Pflichtgefühl erzogen, jemals daran denken konnte, meinen Glauben zu wechseln. Aber ebensowenig dachte ich daran, daß das Judentum in meinem Leben eine bestimmende Rolle spielen, daß ich jemals innerhalb der engeren Genossenschaft meiner Glaubensbrüder bestimmte Ideen zur Anschauung bringen sollte. Ich wollte Jude bleiben, auch hier meine Pflicht tun, das war alles. Und vollends fiel mir damals nicht bei, daß in mir ein Erzähler, ein Kulturschilderer des Ghettolebens stecken könnte. Mir schwebte ein anderes Ziel vor Augen, ich wollte klassische Philologie studieren und Professor werden.

Das Ziel schien gar nicht zu verfehlen; ich war fleißig, hatte Neigung für das Fach, hatte schon als Schüler eine Arbeit geleistet, welche die Aufmerksamkeit auf mich lenkte: eine Übersetzung der lateinischen Eklogen des Vergil ins Griechische, in die Sprache Theokrits (den dorischen Dialekt). Freilich war ich sehr arm, aber die Regierung gab mir ja gewiß ein Stipendium. Auch der Landeschef der Bukowina, ein wohlwollender Mann, war dieser Ansicht und unterstützte mein Gesuch auf das wärmste.

Die Entscheidung ließ lange auf sich warten. Endlich wurde ich eines Tages zum Landeschef berufen. Der gute Mann war in sichtlicher Verlegenheit.

»Ihre Eignung steht außer Zweifel, aber –«

Der Gedankenstrich bedeutete das Taufbecken. Einem Juden wurde das Stipendium nicht gegeben, es hatte auch keinen rechten Sinn, denn ich wollte ja eine Universitätsprofessur erreichen, und die war ja dem Juden unmöglich. Es war im Sommer 1867, vor der liberalen Ära.

Mit meiner religiösen Überzeugung Handel treiben, das ging natürlich nicht. Auf das Stipendium mußte ich also verzichten. Und damit auch auf die klassische Philologie. Ein armer Junge wie ich, der Mutter und Schwestern zu versorgen hatte, durfte keinen Beruf wählen, der keine Aussicht auf Versorgung bot.

Ich beschloß also, Jura zu studieren, und tat's.

Das schreibt sich leicht hin, aber wieviel Schmerz, wieviel schlaflose Nächte zwischen jeder dieser Zeilen stehen, weiß nur, wer selbst in ähnlicher Lage war. Indes – dies Selbstverständliche würde ich nicht erwähnen, wenn es nicht zur Sache gehörte. Mein Judentum hatte mir bisher weder Vorteil, noch Schaden gebracht. Nun brachte es mir Schaden, den schwersten, den ein Mensch erleiden kann, legte mir ein furchtbares Opfer auf: den Verzicht auf den Beruf, für den ich mich selbst bestimmt, von dem damals ich und andere meinten, daß er am besten für mich tauge.

Derlei wirkt auf den Menschen verschieden, je nach seiner Anlage. Der eine kann das Opfer nicht bringen, ihm scheint der Glaubenswechsel das leichtere Opfer. Der andere verzichtet zwar, beginnt aber innerlich sein Judentum als ein Unglück zu empfinden und zu – hassen. Den dritten aber beginnt sein Glaube eben deshalb näher anzugehen, wärmer zu interessieren, weil er ihm ein solches Opfer hat bringen müssen.

Dies Letzte war bei mir der Fall. Ich wurde kein Frommer im Lande, aber mein Interesse für das Judentum, das Gefühl meiner Zusammengehörigkeit mit den armen Kaftanjuden in der Czernowitzer »Wassergasse« wurde ungleich stärker als bisher.

Es ging mit der Juristerei besser, als ich gedacht; ich begann, mich mit dem Studium zu befreunden. Da kam mir um meines Judentums willen ein neuer, großer Schmerz.

Eine Liebesgeschichte. Ich war kaum 21 Jahre alt. Aber es traf mich doch recht hart, als mir das Mädchen sagte: »Mir bricht das Herz, aber Sie sind ein Jude...«

Das Herz brach ihr übrigens nicht. Aber auch mir nicht. Weh freilich tat es mir, recht weh. Und in dieser Stimmung schrieb ich meine erste Novelle, »Das Christusbild«, das die Liebe eines Juden und einer Christin schildert, und wie das Vorurteil des Weibes stärker ist als seine Liebe. Freilich bereut sie, aber die Reue kommt zu spät.

Ich schrieb die Geschichte binnen drei Tagen, im halben Fieber. Unwillkürlich, ohne nachzusinnen, verlegte ich den Schauplatz in mein heimatliches Czortkow und ließ auch sonst Jugenderinnerungen hineinspielen.

An den Druck dachte ich nicht. Ein Zufall bestimmte mich, das Manuskript ein halbes Jahr später an die damals verbreitetste deutsche Revue zu senden, die »Westermannschen Monatshefte«. Die Redaktion nahm es sofort an und verlangte eine neue Arbeit aus »diesem interessanten Stoffkreise«.

Ich war darüber ebenso erfreut wie erstaunt; daß der Stoffkreis »interessant« sei, daran hatte ich nicht gedacht. Aber ebensowenig daran, dieser ersten Novelle eine weitere folgen zu lassen. Ich wollte ja Jurist werden.

Nun fing ich aber doch an, über den »interessanten Stoffkreis« zu grübeln. Die Gestalten der Heimat wurden mir lebendig. Ich hatte sie einst, als sie leibhaftig vor mir gestanden, sehr nüchternen Blutes angesehen. Nun aber verklärte sie ein Zauber, der Zauber der Ferne. Ich studierte an der Universität Graz, war der einzige Jude an der Hochschule, ja in der Stadt, sah das ganze Jahr lang keinen Juden. Und während ich so grübelte, war eine zweite Novelle fertig: »Der Shylock von Barnow«.

Nun folgte eine lange Pause. Ich geriet, weil ich während des deutsch-französischen Krieges in einer Kommersrede meiner Sympathie für die Deutschen kräftigeren Ausdruck gab, als der neutralen österreichischen Regierung recht schien, in einen politischen Prozeß, dann nahm mich der Abschluß meiner Studien in Anspruch. Als ich fertig war, da fühlte ich, daß ich zum Advokaten nicht taugte, nur der Richterberuf zog mich an.

Aber ich war ein Jude –

Man errät leicht, daß auch dieser Gedankenstrich ein Taufbecken bedeutet. Aber wenn ich schon als Jüngling nicht geschwankt, so noch weniger als Mann.

Aber leben mußte ich ja, und so wurde ich Journalist, schrieb politische Artikel und schnitt mit der Schere die schönsten »Vermischten Notizen« zusammen.

In meinen Freistunden aber schrieb ich Novellen. Bald solche aus dem jüdischen Leben, bald solche aus dem deutschen Leben Es war derselbe Drang, der mich zu beiden führte: ein künstlerischer Drang. Ich wollte darstellen, was ich empfand, dachte, erfand. Aber nicht ins Blaue hinein. Ich konnte nur ein Leben schildern, das ich gesehen. Und so spielen meine ersten Novellen entweder in Graz oder in Czortkow, dem »Barnow« meiner Novellen.

Es ist nicht meines Amtes, darüber zu sprechen, was meinen Büchern zu ihrem Erfolg verholfen hat. Nur eins darf ich darüber bemerken, ohne den guten Geschmack zu verletzen: es waren Bücher, die nicht bloß den Juden, sondern auch den Christen aller Länder gleich verständlich waren.

Nun aber glaubte ich, meiner eigenen künstlerischen Entwicklung etwas anderes, etwas Neues schuldig zu sein: einen Roman aus dem östlichen Ghetto.

Dieser Roman liegt hier vor. Der Plan dazu ist sehr alt, über zwanzig Jahre. Aber ich zögerte immer wieder, ihn auszuführen. Ich fühlte mich aus verschiedenen Gründen noch nicht reif dazu. Endlich glaubte ich, nicht länger zögern zu sollen.

Warum ich so lange zögerte?

Erstlich deshalb, weil es sich eben um einen Roman handelt, während ich bisher aus diesem Stoffkreis nur Novellen geschrieben. Das ist aber nicht bloß bezüglich des äußeren Umfanges, sondern auch bezüglich des inneren Wesens der Arbeit ein Unterschied. Die Novelle schildert einen eng begrenzten, und zwar nicht bloß durch den Raum, sondern auch durch das Problem begrenzten Ausschnitt aus einem bestimmten Leben; der Roman aber soll, sofern er diesen Namen verdient, ein Spiegelbild dieses gesamten bestimmten Lebens sein. Wer einen Ausschnitt schildert, braucht nur diesen zu kennen, zu einem Gesamtbild gehört Beherrschung des gesamten zu schildernden Lebens in seinen sämtlichen oder doch wichtigsten Beziehungen. Ich zögerte, bis ich mir sagen konnte, daß ich genug vom äußeren und inneren Leben des Judentums wußte, um an dieses Werk schreiten zu können. Oder mit einem Worte: ich wollte die jüdische Volksseele tiefer als bisher ergründen lernen.

Das also ist der erste Unterschied dieser Arbeit von meinen bisherigen. Ein zweiter betrifft die Tonart dieses Werkes.

Ich möchte mich als Künstler nicht selbst analysieren. Das ist Sache der Kritiker, die ja auch ihre Arbeit eifrig genug verrichten und noch ferner tun werden, einige vivisezieren mich sogar. Ich will daher nicht eingehend erörtern, daß und warum die Tonart meiner früheren Schriften sich zwischen Tragik und Komik bewegte. Dieser Roman schlägt eine andere Tonart an: die humoristische. Warum erst dieses Werk? Nun, vielleicht muß man älter geworden sein, mehr erfahren und mehr gelitten haben, um das »Lächeln unter Tränen« zu erlernen... Aber auch nach anderer Richtung, nicht bloß der subjektiven meiner Darstellung, sondern auch der objektiven des Inhaltes, darf ich diesen Roman einen humoristischen nennen. Er sucht dem Leser die Fülle jenes eigentümlichen Witzes und Humors nahe zu bringen, der im Ghetto des Ostens zu finden ist, und darf darum keine der Formen vermeiden, in denen sich dieser Witz bewegt, also auch in Formen des Wortspiels nicht.

Und nun ein dritter, vielleicht der größte Unterschied: die Tendenz.

Ich glaube, auch in meinen ersten Schriften meine Pflicht gegen meine Stammesgenossen erfüllt, nicht gegen, sondern für sie, nicht zu ihrem Schaden, sondern zu ihrem Heil gewirkt zu haben. In dieser Zuversicht haben mich auch meine chassidischen Schmäher und Angreifer nicht wankend gemacht. Als ich zuerst das Wort ergriff, da gab mir ein Jude dieser Richtung, ein Mann namens Dr. Lippe in Jassy, den Rat, mich baldigst taufen zu lassen, denn das Judentum hätte für einen Mann meiner Gesinnungen keinen Platz. In milderer Form ist dasselbe oft genug von jüdischer Seite über mich geäußert worden. Ich habe es lächelnd ertragen, weil ich mir sagte: »Dies ist der beste Beweis, daß du deine Pflicht getan hast. Wärest du so töricht, so ungerecht, so feig gewesen, deine Waffen nur gegen die äußeren Feinde des Judentums zu kehren und nicht gegen die inneren Gegner einer gesunden Entwicklung, so wären diese Herren mit dir zufrieden gewesen, aber sonst niemand anders und am wenigsten dein eigenes Gewissen.« Und auf diesem Standpunkt blieb ich stehen.

Freilich, ein Gesamtbild läßt sich dem Leser ungleich schwerer verständlich machen als ein Ausschnitt. Aber ich habe mich bemüht, meinen Roman so zu schreiben, daß er von jedem Leser, gleichviel welchen Bekenntnisses, auch wenn er nie einen Juden des Ostens selbst gesehen hat, verstanden werden kann.

Berlin, 15. Juli 1893

Karl Emil Franzos




RFI, 1.9. 2020

Eminescu, Franzos şi Moses Rosen

 

Apariţia volumului IX din operele lui Mihai Eminescu, în 1980, a stîrnit, pe de o parte, reacţii de consternare, iar pe de altă parte, riposte naţionaliste. Liderul comunităţii evreieşti, Moses Rosen, a cerut atunci retragerea volumului, argumentînd că prin intermediul comentariilor s-a justificat antisemitismul unor articole. Scrisoarea lui Rosen către Academia României, din 12 octombrie 1980, păstrată în arhiva CNSAS, o publicăm integral pe site-ul nostru.

 

William Totok

 

În urmă cu 40 de ani, a apărut, la Editura Academiei din Bucureşti, volumul IX din operele lui Mihai Eminescu (1850-1889). Volumul cuprindea articolele lui Eminescu apărute în presa vremii. Unele dintre ele avînd puternice accente naţionaliste cu evidente conotaţii antisemite. Faptul că în comentariile incluse într-o ediţie critic-ştiinţifică se justifică şi se bagatelizează dimensiunea xenofobă a publicisticii eminesciene a stîrnit numeroase reacţii de consternare şi chiar proteste. Întreaga afacere a fost, bineînţeles, atent monitorizată de către poliţia politică, temuta Securitate. Din unele rapoarte ale Securităţii se pot desprinde chiar nedumeririle unor ofiţeri în ceea ce priveşte încadrarea informativ-operativă a reprezentanţilor aşa-numitului protocronism. Curentul protocronist propaga o doctrină cultural- politicoă în conformitate cu tendinţa naţionalistă tot mai pronunţată a partidului. Ideea fundamentală a protocronismului a fost evidenţierea pionieratului românesc în contextul culturii şi ştiinţei universale. Susţinerea din partea partidului de care se bucurau reprezentanţii acestui curent autohtonist le-a conferit un statut semi-oficial, privilegiat, anexat din anii 1970 liniei ideologice naţionaliste a regimului ceauşist. Pe lîngă critica perioadei staliniste, a „obsedantului deceniu” (Marin Preda), protocroniştii au pledat pentru recuperarea integrală şi necritică a unor opere literare naţionaliste, trecute sub tăcere în prima fază a regimului comunist. Protocroniştilor le-a fost aplicată eticheta improprie de „neo-proletcultişti” (Monica Lovinescu). Asta din cauza metodelor agresive de agitaţie, folosite pentru a se impune în spaţiul public, similare proletcultiştilor stalinişti din anii 1950.

Apariţia publicisticii lui Eminescu în acest context tensionat de protocronişti şi reprezentanţii unei linii culturale, opuse retoricii strident naţionaliste, l-a determinat pe şef-rabinul de atunci, Moses Rosen (1912-1994) să-i adreseze preşedintelui Academiei o scrisoare de protest. În această scrisoare, datată 12 octombrie 1980, păstrată în fondul documentar al Arhivei fostei Securităţi, Moses Rosen îi reproşează lui Al. Oprea modul cum a comentat publicistica anti-semită a lui Eminescu. Deşi demersul lui Rosen a fost cunoscut, scrisoarea amintită nu a fost publicată nici în Cartea Albă a Securităţii. Istorii literare şi artistice 1969-1989, editată de SRI în 1996, (la Editura Presa românească, Bucureşti) şi nici în volumul editat de Anca Ciuciu, Acţiunea „Credinciosul“. Şef rabinul dr. Moses Rosen şi comunitatea evreiască în arhivele CNSAS (Editura Hasefer, Bucureşti, 2008).

În scrisoarea lui Rosen (textul integral în Addenda) se atrage atenţia asupra „numeroaselor articole violent antisemite”, exemplificate cu citate din cîteva texte adnotate de comentariile incluse în volumul IX al operelor lui Eminescu. Astfel, preşedintele Federaţiei Comunităţilor Evreieşti şi liderul cultului mozaic din România acelor ani se opreşte şi asupra articolului intitulat „Sămînţa jidovească din Cernăuţi” publicat de Eminescu în Curierul de Iaşi din 25 august 1876. În acest articol, Eminescu îl atacă pe scriitorul Karl Emil Franzos (1848-1904) stîlcindu-i, în bună tradiţie antisemită, chiar şi numele, ortografiindu-l: „Franzois”. „Ca toţi jidanii, cari în literatura germană se deosebesc prin stilul franţuzit şi prin espresii mârşave şi obraznice”, scria Eminescu, „şi acest tânăr şi gros colaborator de la ‚N[eue] Fr[eie] Presse’ nu-şi cunoaşte lungul – nasului, judecă făr’ a şti nimic şi batjocoreşte toate popoarele câte n-au plecare de-a se săruta cu jidanii.”

Reproşurile la adresa lui Karl Emil Franzos, despre care se sugerează că ar fi un autor ostil României, sînt nu numai exagerate, ci şi nedrepte. În fond, ele nu sînt doar rezultatul „verbului aprig” al lui Eminescu, precum susţine comentatorul Al. Oprea, ci dezvăluie orientarea ideologică a poetului – nu întîmplător venerat de toate grupările extremiste de dreapta din România, inclusiv de Garda de Fier.

Poate şi din cauza pornirilor lui Eminescu împotriva lui Karl Emil Franzos, acesta a rămas un mare necunoscut în România. O apropiere de biografia, concepţiile, opera literară şi publicistică a autorului volumelor intitulate „Aus Halb-Asien” (Din Semi-Asie), apărute în ultima parte a secolului XIX, se găseşte în cartea lui Andrei Corbea, Paul Celan şi „meridianul” său. Repere vechi şi noi pe un atlas central-european, din 1998 (Editura Polirom, Iaşi). Franzos a frecventat ca şi Eminescu liceul din Cernăuţi, apoi a studiat dreptul în Austria şi s-a dedicat scrisului. În articolele sale apărute mai ales în ziarul liberal vienez „Neue Freie Presse”, unele incluse mai tîrziu şi în volume, Franzos critică obscurantismul religios, creştin şi evreiesc, naţionalismul rutenilor (ucrainienilor), ruşilor, polonezilor, românilor, maghiarilor, corupţia endemică, exploatarea păturilor defavorizate şi aroganţa celor care deţin puterea economică şi politică în spaţiul est-european, numit sarcastic „semi-asiatic”. Bucovina constituie pentru el un model multicultural, precum s-ar spune astăzi, o insulă a culturii occidentale şi a emancipării, înconjurată de un spaţiu pe care-l considera înapoiat.

În scrisoarea sa, Moses Rosen nu face aprecieri asupra lui Franzos, criticînd doar interpretările derutante ale comentatorului. În consecinţă, cere retragerea volumului lui Eminescu, ceea ce nu s-a-ntîmplat.

 

Addenda

 

[12 octombrie 1980. Şef-rabinul, Moses Rosen, 1912-1994, protestează împotriva publicării volumului IX al operelor lui Mihai Eminescu, 1850-1889, în care au fost incluse mai multe articole antisemite ale acestuia, relativizate în comentariile explicative ale lui Al. Oprea]

 

FEDERAŢIA COMUNITĂŢILOR EVREIEŞTI[1]

DIN REPUBLICA SOCIALISTĂ ROMÂNIA

Cancelaria şef rabinului

Bucureşti – Str. Sf. Vineri 9-11 – Sector 4

Telefon 15.50.90

Nr. 430/1980

Bucureşti, 12 octombrie 1980

DOMNIEI SALE

DOMNULUI

PREŞEDINTE AL ACADEMIEI REPUBLICII SOCIALISTE ROMÂNIA[2]

 

Prea stimate Domnule Preşedinte,

 

Avem onoarea a vă comunica următoarele:

În editura Academiei Republicii Socialiste România, a apărut acum cîteva săptămîni, volumul IX din „Operele” lui M. Eminescu (Publicistica 1870-1871).

În cuprinsul acestui volum se află numeroase articole violent antisemite, pe care nu le vom cita pe toate ci doar cîteva din ele.

1. La pag. 136 „Jidovul talmudist” se vorbeşte ca „şi în această ţară au început a se îmbulzi în oraşe şi sate cetele internaţionalei iudaice, poporul menit de Biblie de a domni asupra pămîntului întreg”.

Degeaba se încearcă la „Comentarii” pag. 563 a se justifica cele de mai sus ca „fiind în slujba sionismului şi al evreilor purtători de capital străin”. Mişcarea sionistă nici nu exista încă în 1876. Roling[3], la care se referă autorul, a fost doctrinarul antisemitismului austriac şi teoriei „primejdiei evreeşti”.  

2. La pag. 157, în articolul „Galiţia” (18 iulie 1976[!]) se exclama „Fericita Rusie”, în care „i se taie evreului cu de-a sila, în mijlocul uliţei, barba, perciunii şi poalele caftanului”, iar „Comentariul” din 1980 (pag. 585) justifică procedura, spunînd că se „avea ca scop să limiteze afişarea demonstrativă a fanatismului religios, jignitoare pentru populaţia autohtonă[4].

3. La pag. 190 în articolul „Sămînţa jidovească din Cernăuţi” cităm: „ca toţi jidanii (e vorba de scriitorul Karl Emil Franzos pe care autorul îl atacă. Nota noastră) care în literatura germană se deosebesc prin stilul franţuzit şi prin expresii mîrşave şi obraznice”.

Iar „Comentariile” din 1980 (pag. 616) califică aceste aprecieri la adresa „jidanilor” ca „rezultînd” din „verbul aprig” al celui mai

 

f. 218

 

mare poet român şi nu trebuie să slujească [la] întreţinerea unor resentimente pe care istoria le-a depăşit şi raţiunea le reprobă”.

4. La pag. 280 în articolul „Iarăşi Evreii” (1876), vorbind despre acordarea de drepturi evreilor, autorul spune, între altele:

„Cît pentru români, egala îndreptăţire a 600.000 de lipitori şi precupeţi este pentru ei o cestiune de moarte şi de viaţă şi poporul nostru cred c-ar prefera moartea repede prin sabie decît moartea lentă prin vitriol.”

Iar mai departe: „Plece 99 procente în America ca să-şi cîştige acolo prin muncă productivă pîinea de toate zilele şi atunci cu cei ce vor rămîne, ne vom împăca uşor.....”

„Evreii rămîn străini de rit necreştin” şi mai departe „oriunde e teren pentru neagra speculaţie evreul e acasă” şi în sfîrşit „ei sug în mod neomenos ţările pe care au căzut ca lăcuste”.

„Comentariile” din 1980 (pag. 674) justifică pur şi simplu cele de mai sus cu cuvintele: „Eminescu îşi defineşte clar poziţia în problema evreilor din România. Poetul se declară împotriva acelor evrei care speculau munca poporului român (99 procente, cum afirmă autorul. Nota noastră) şi nu şi împotriva acelora care depuneau o muncă utilă ţării (adică unu la sută. Nota noastră).

„Comentariile” nici nu găsesc de cuvinţă să se oprească asupra enormei denaturări a adevărului din afirmaţia că în 1876 existau 600.000 evrei în România. Adevărul este că trăiau atunci circa 100.000 evrei în Moldova şi în Muntenia.

Iar din cei 600.000, 594.000 erau „lipitori” şi numai 6000 meritau să te împaci cu ei[!].

5. În sfîrşit la pag. 299 din articolul „Evreu şi Conferinţă” cităm: „O seminţie care cîştigă toate drepturile fără sacrificii şi muncă e cea evreiască”.

Articolul fundamentează „ideologic” toate calomniile antisemite. Cît despre „Comentarii” (pag. 689) ele justifică conţinutul articolului.

Ne oprim aici. Exemplele citate sînt destul de concludente. Nu socotim deci necesar să mai cităm şi altele.

Ne exprimăm deci consternarea că este cu putinţă ca în anul 1980, în Republica Socialistă România, sub egida Academiei să se publice asemenea materiale care incită la ură rasială, care afirmă idei de bază ale fascismului, care îndeamnă la huliganism.

 

f. 219

 

Respectăm pe „luceafărul poeziei româneşti”. Geniul său poetic, gîndirea sa filozofică fac parte din patrimoniul culturii universale.

Tocmai de aceea este o insultă pentru memoria sa, este o profanare a personalităţii sale, cînd se dau publicităţii asemenea articole ce le-a scris dînsul, sub influenţa deşănţatei propagande antisemite din acea vreme.

Am văzut personal în manuscris, la un prieten, poezii pornografice scrise de M. Eminescu. Oare a trecut cuiva prin gînd să le publice?

Ştim cu toţii că soarta vitregă a lui M. Eminescu l-a făcut să-şi piardă minţile, în perioada finală a vieţii.[5] Publică cineva ce a scris el în acea perioada?

Încercările Dlui Al. Oprea[6] (pag. 32-36) de a da o interpretare nouă ideilor xenofobe, antisemite, rasiale din articolele cuprinse în acest volum, reuşeşte doar să le dea o justificare, ceeace e şi mai grav.

Girul celui mai mare poet român dat fundamentării antisemitismului, constituie atît un act periculos pentru populaţia evreiască din această ţară cît şi unul de răspîndire a unor idei diametral opuse celor cari călăuzesc România Socialistă.

Protestăm împotriva acestui fapt şi vă rugăm să supuneţi forurilor superioare de Stat şi de Partid rugămintea noastră de a retrage din circulaţie, volumul sus-amintit.

Primiţi, vă rog, încredinţarea deosebitei mele consideraţiuni,

(ss) Moses Rosen

ŞEF RABIN DR. MOSES ROSEN

PREŞEDINTELE FEDERAŢIEI COMUNITĂŢILOR EVREEŞTI DIN REPUBLICA SOCIALISTĂ ROMÂNIA.

 

f. 220

 

ACNSAS, D 118, vol. 2, ff. 218-220

 

Adnotări:

 

[1] Trei pagini dactilografiate, prima pagină cu antet ştampilat în limba română şi limba ebraică. În textul transcris nu s-a intervenit, au fost păstrate particularităţile ortografice, ortoepice şi stilistice. Erori evidente au fost marcate cu (!).

 

[2] Funcţia de preşedinte al Academiei a deţinut-o între anii 1980 şi 1981 matematicianul Gheorghe Mihoc (1906-1981).

 

[3] August Rohling (1839-1931), teolog romano-catolic şi profesor de teologie, cunoscut ca antisemit militant. Rohling este autorul scrierii antisemite, „Der Talmudjude. Zur Beherzigung für Juden und Christen aller Stände“, Münster, 1871 (Evreul talmudic).

 

[4] Toate sublinierile aparţin autorului scrisorii.

 

[5] În mai multe scrieri ultranaţionaliste, apărute după revoluţia din 1989, se susţine teza asasinării lui Mihai Eminescu (1850-1889) de către evrei. (Cf., de exemplu: Cornel Dan Niculae, Războiul nevăzut al Evreilor Sionişti cu România, Editura Bux, Bucureşti, 2003 - plus ediţiile următoare – sau Gheorghe Funar „Mihai Eminescu a fost asasinat de evrei”, Mediafax, 14 iunie 2010).

 

[6] Alexandru Oprea (1931-1983), scriitor, critic și istoric literar. Între anii 1971 şi 1983 a fost directorul Muzeului Literaturii Române şi redactor principal al revistei Manuscriptum. În jurul morţii lui Al. Oprea şi Pompiliu Marcea (1928-1985) au fost lansate teorii conspiraţioniste prin care se sugerează c-ar fi devenit victime ale unui complot evreiesc pentru că au susţinut publicarea integrală a scrierilor lui Eminescu. Oprea şi Marcea se manifestau în scrierile lor în spiritul doctrinei naţionaliste, promovată în perioada ceauşismului, cunoscută sub denumirea de protocronism. Detalii despre protocronism în studiul excelent, semnat de Alexandra Tomiţă, O istorie „glorioasă”. Dosarul protocronismului românesc, Cartea Românească, Bucureşti, 2007.

 




***



[29. August 1878. „Verjudete Literatur”] 

[29 august 1878. „Literatură jidovită”]

In einem Tagebucheintrag vom 29.8. 1878, in dem er sich auf den Theaterbetrieb bezog, streute Müller-Guttenbrunn eine Bemerkung über die Literatur ein, die er als „verjudet“ charakterisierte. Die Vorstellung von einer „verjudeten Literatur“ teilten damals auch zahlreiche andere nationalgesinnte Schriftsteller, Publizisten, Künstler und Kritiker. Viele von diesen gehörten zu den ideologischen Wegbereitern des deutschen Faschismus und schlossen sich später – wenn sie noch lebten – der nationalsozialistischen Hitlerpartei an. Auch der Sohn Müller-Guttenbrunns, Roderich Müller-Guttenbrunn (1892-1956), der eine selektive Auswahl aus den Notizen, Tagebucheinträgen und anderen Schriften seines Vaters 1927 unter dem Titel „Der Roman meines Lebens“ herausbrachte. 


Adam Müller-Guttenbrunn, Der Roman meines Lebens. Aus dem Nachlaß zusammengestellt von seinem Sohne, L. Staackmann Verlag, Leipzig 1927, S. 109. 






Neues Wiener Tagblatt, 10. 6. 1910, S. 25 


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[11. November 1903. Denkschrift von Adam Müller-Guttenbrunn (1852-1923) an den antisemitischen Wiener Bürgermeister, Karl Lueger (1844-1910)]

[11 noiembrie 1903. Memoriul lui Adam Müller-Guttenbrunn (1852-1923) adresat primarului antisemit din Viena, Karl Lueger (1844-1910)]



DENKSCHRIFT

über die Lage des Kaiserjubiläums-Stadttheaters zu Händen des Herrn Bürgermeisters Dr. Karl Lueger[1]
überreicht vom Direktor dieser Bühne.

Die Lage des Kaiserjubiläums-Stadttheaters ist schon lange eine sehr ernste. Der heurige überaus schlechte Geschäftsgang hat die Situation aber derart verschärft, daß ich nicht länger zögern darf, dieselbe dem hochverehrten Protektor unseres Hauses offen darzulegen und Mittel und Wege anzudeuten, wie dem Unternehmen, das in Gefahr ist, inmitten der Theaters allmählig zu besiegen sein würden. Das ist aber in den abgelaufenen vier Jahren trotz unsäglicher Arbeit, trotz aller Opfer, die gebracht wurden, nicht gelungen.

Kein Erfolg des eigenen Personals (»Liselott«, »Mutter Sorge«, »Pater Jakob« etc.), kein neu erstandener Dichter (Baumberg, Hawel, Sadil etc.), kein Gastspiel (Frau Schratt, Bonn, Zeska, Reimers, Lewinsky, Herz, Dumont, Peppler) und selbst nicht die Neuaufführung von Werken hervorragender und berühmter deutscher Autoren (Sudermann’s »Johannes«) vermag den Bann, der über unser Theater verhängt worden ist, dauernd zu brechen. Der Versuch gelingt immer nur für einen Abend. Unser Haus ist und bleibt ein »Parteitheater«, in das jene wohlhabenden Kreise, die alle Wiener Theater erhalten, nicht gehen.
Beweis: Wir verkaufen täglich durchschnittlich keine 5 Logen und unsere teueren Sitze gehen nur dann ab, wenn keine billigen mehr zu haben sind. Die Macht der liberalen Presse wurde auf anderen Gebieten gebrochen, auf dem des Theaters besteht sie fort. Und ein Hauptorgan, die ‚Neue Freie Presse‘ schweigt unser Theater einfach aus der Welt, in der sie gelesen wird. Sie bringt keinen Zettel, kein Repertoire, keine Notizen. Dagegen anzukämpfen hat sich bis jetzt als ganz nutzlos erwiesen.

Für unser Theater, das schon lange vor seiner Eröffnung als »Parteitheater« stigmatisiert wurde, hat sich denn auch vom Anbeginn kein christlicher Finanzmann gewinnen lassen, niemand wagte sein Geld an die Führung dieses Theaters.
Jedem erschien die Situation desselben zu gefährlich, der Pacht zu hoch.

Gerade für ein Kampftheater war aber ein ausgiebiges und sicheres Betriebskapital die erste Bedingung, denn es hieß und heißt noch heute: »Aushalten!« Und was sich in vier Jahren nicht erreichen ließ, das ist vielleicht in acht oder zehn Jahren zu erreichen.

Unser Theater hatte anzukämpfen gegen eine feindselige Presse, gegen die jüdischen Theateragenten, welche die Werke sämtlicher Autoren von Rang in Vertrieb haben, gegen die Feigheit der christlichen Geschäfts-Autoren und vieler christlicher Schauspieler, und für so manches Stück, das im guten Glauben erworben wurde, mußte nachträglich das Pönale bezahlt werden, weil es sich herausstellte, daß hinter dem germanischen Namen des Autors ein Jude verborgen war.
Hervorragende christliche Schauspieler ließen sich aus Furcht vor der Judenpresse mit uns in gar keine Verhandlungen ein. So war das Jubiläumstheater von Anbeginn ein willkommenes Objekt für Feindseligkeiten jeglicher Art. Dieses Theater sollte kämpfen, siegen, erobern, aber die Sorge saß immer hinter den Türen desselben. Denn die Lasten, die dieses von tausend Feinden befehdete Theater vom Anbeginn zu tragen hatte, sind zu hoch im Vergleich zu jenen, welche von den anderen, normalen Privattheatern getragen werden, die im Vollbesitze der Gunst der gesamten Presse und der wohlhabenden Kreise des Publikums sind. Und trotzdem hat dieses Theater bis heute eine große Anzahl achtenswerter künstlerischer und ganz erstaunliche materielle Leistungen vollführt.

Künstlerische Leistungen.

Das Kaiserjubiläums-Stadttheater hat in vier Spieljahren 136 deutsche Dichtungen zur Aufführung gebracht und die Hauptträger des gesamten Altwiener Theaters wiederbelebt. Raimund, Anzengruber, Nestroy, Bauernfeld, Laube, Halm, Berg, Langer, Kaiser, Berla, Flamm, Rosen u. a. m. leben im Repertoire dieser Bühne fort, und die Werke zahlreicher lebender deutscher Autoren wurden in ihren Spielplan aufgenommen. Ich nenne Rosegger, Sudermann, Ganghofer, Voß, Greif, Dahn, Torresani, Davis, Trotha, Kretzer, Stobitzer. Auch wurden nicht weniger als 20 junge österr. Schriftsteller durch dieses Theater zur allerersten Aufführung gebracht. Darunter befanden sich: Frau A. Baumberg (»Liebesheirat«,
»Das Kind«), Dr. Madjera (»Conrad Vorlauf«), Franz Wolff (»Kinder der Großstadt«), R. Hawel (»Mutter Sorge«), P. Meinrad Sadil (»Tantalos«) u. a. m. Im Ganzen aber fanden in vier Spieljahren 44 Uraufführungen von ganz neuen dramatischen Werken, die im Manuskript vorlagen, in diesem Theater statt.

Den heimischen deutsch-österr. Autoren allein wurden in vier Spieljahren 600 Aufführungen gewidmet und zirka 80.000 Kronen an Tantièmen ausbezahlt. Von Goethe, Schiller, Lessing, Shakespeare, Kleist und Grillparzer wurden 16 große klassische Werke zur Aufführung gebracht, darunter solche wie »Turandot«, die ganz verschollen waren.

Die klassischen Schülervorstellungen für die studierende Jugend wurden eingeführt und es fanden in vier Jahren 91 solche Aufführungen zu ganz kleinen Preisen statt.

Der Kinderwelt wurde die humorvolle deutsche Märchenwelt erschlossen durch die Aufführung von vier großen Märchenspielen in zirka 150 Nachmittags-Vorstellungen.

Man kann, ohne sich der Übertreibung schuldig zu machen, sagen, daß es eine solche Volksbühne in Wien niemals gab.

Und im Rahmen dieser künstlerischen und volksbildenden Bestrebungen wurden auch denjenigen christlichen Parteien, aus deren Schoße sich unser Publikum rekrutiert, Konzessionen gemacht. Zuerst den antisemitischen. Es wurde der in Wien verschollen gewesene »Kaufmann von Venedig« in glänzender Ausstattung aufgeführt und bisher zirka 20mal wiederholt. Das Volksstück »Der Rechtschaffene«
von Taube, in welchem die Atmosphäre des Ofenheim-Prozesses gekennzeichnet ist, und das Schauspiel »Helden der Feder«, welches die Kampfesweise der liberalen Presse schildert, wurden mit Erfolg aufgeführt. Ferner wurden die antisemitischen
Stücke »Söhne Israels«, »Harte Hände« und »Die Büßerin« erworben, und da sie von der Zensur verboten worden sind, einstweilen durch den Druck veröffentlicht und in tausenden Exemplaren verbreitet.
Neben diesen Bestrebungen im Sinne der christlich-sozialen Partei wurden die deutschen Nationaldramen »Die Hermannsschlacht«, »Der Fechter von Ravenna«, »Deutsche Treue« und »Konradin von Hohenstaufen« zur Aufführung gebracht, auch wurde die deutsche Studentenschaft zur Darstellung der letztgenannten Stücke herangezogen.

Als Konzession für die katholischen Parteien wurden Kraliks »Kaiser Marcus Aurelius in Wien«, »Pater Jakob« und »Im Zeichen des Kreuzes« aufgeführt.
Von all’ diesen Stücken, die den politischen Zeitströmungen Ausdruck geben sollten, erwiesen sich jedoch nur die zwei letztgenannten von Vorteil für das Theater. Alle anderen Aufführungen waren mit großen materiellen Opfern verbunden.

Belastung des Theaters.

So weit meine Informationen reichen, zahlt der Pächter:

des »Deutschen Volkstheaters« jährlich K 92.000.—

» Carl-Theaters« ... » »
90.000.—

» »Theaters an der Wien« ... »
 94.000.—

Das »Raimund-Theater«, das in eigener Regie geführt wird, zahlt 2% Zinsen an seine Gründer und es kamen kürzlich 27.000 Kronen für das letzte Betriebsjahr des Raimund-Theaters zur Verteilung.

Wie verhält sich dazu die Belastung des Kaiserjubiläums-Stadttheaters?

Der Jahrespacht beträgt ...
K 102.000.—

Die Quote, die der Pächter bisher für die Amortisation der elektrischen Anlage zu zahlen hatte, betrug jährlich ...

» 5.600.—

Wenn man dies in Vergleich zieht mit dem Deutschen Volkstheater, diesem Schoßkind der gesamten Presse und des Publikums, das im Zentrum des Stadtgebietes gelegen ist, so ergibt sich eine jährliche Mehrbelastung von 15.600 Kronen für unser Theater.

Ferner wird für die Hofloge im Deutschen Volkstheater der Betrag von 8000 Kronen jährlich bezahlt, während für unser Kaiserjubiläums-Stadttheater ein Abonnement der Hofloge nicht erreichbar war. Vergleicht man unser Haus aber mit dem Raimund-Theater, welches seinen Gründern 2% oder 27.000 Kronen an Zinsen bezahlt, so ergibt sich, daß unser Theater, selbst wenn man die Kosten der eigenen Regie jener Vereinsbühne sehr hoch anschlägt, das Dreifache jährlich leistet.

Der Direktor hat denn auch bis heute an den Jubiläums-Theater-Verein als Pacht zirka K 350.000 bezahlt. Es entsteht aber die Frage, ob das Kaiserjubiläums-Stadttheater unter solchen Lasten gedeiht? Das ist nicht der Fall! Der vierjährige Betrieb hat ein Gesamt-Defizit von zirka K 200.000 ergeben, und das aufgebrachte Betriebskapital, das für eine solche Kampfbühne vielleicht zu klein war, ist heute verbraucht. Das Defizit spricht laut genug und es sagt: Der Jahrespacht ist genau um die Hälfte zu hoch.
Nebst diesem Pacht muß es als eine schwere Belastung des Hauses empfunden werden, daß das Theater wegen absoluter Teilnahmslosigkeit des Publikums stets ein volles Viertel des Jahres geschlossen bleibt und daß es in dieser Zeit auch nicht weiter verpachtet werden kann, weil fast alle jene Ensemble-Gastspiele, die im Sommer in Wien stattfinden, von jüdischen Unternehmern ausgehen. Einzelne der Wiener Privatbühnen haben aus solchen Sensations-Gastspielen schon oft großen Gewinn gezogen.

Materielle Leistungen.

Die hauptsächlichsten materiellen Leistungen des Theaters drücken sich am besten in den nachfolgenden Ziffern aus:

Das Theater umfaßt einen gesamten Personalstand von 250 Personen, die sämtlich ihre Existenz im Bestand dieses Hauses finden. Die Schauspieler-Gagen erhoben sich im Einzelnen bis zu fixen Monatsgagen von 1600 Kronen. Für die drei Ferienmonate wurde den meisten Mitgliedern eine Monatsgage, mehreren auch zwei garantiert. Die kleinen Leute sind durch die überaus zahlreichen Nachmittagsvorstellungen (doppelt so viel als in den anderen Theatern), für welche sie besonders entschädigt werden, so gut gestellt, daß es bisher keinen unzufriedenen Menschen im Hause gab.

Diesem Personal wurde an Gagen, Löhnen und Honoraren
in vier Spieljahren ausbezahlt ...

K 1,492.810,73

Der Pacht für das Theater betrug, weil das erste Spieljahr nur 5½ Monate zählte, für 4 Spieljahre genau ...

» 346.394,76

An die deutsche Schriftstellerwelt, vornehmlich aber an die heimischen Autoren wurde in 4 Jahren ein Gesamt-Tantième ausbezahlt von

» 110.136,89

An hundertfältige Gewerbetreibende (Maler, Buchdrucker, Tischler, Schneider, Schuster, Schlosser, Spängler, Zimmerleute, Wäschefabrikanten, Kohlenhändler, Plakateure etc. etc.), die fortgesetzt beschäftigt werden, wurden für die Herstellung des Fundus und des ganzen Betriebsapparates in vier Jahren ausbezahlt ...

» 440.334,62

Für wohltätige Zwecke hat die Direktion in vier Spieljahren abgeführt ...

» 39.925?25

Die Beleuchtung des Hauses kostete in diesen vier Spieljahren ...

» 127.357,82

etc. etc.

Dem allen gegenüber waren die Einnahmen des Theaters nicht gering, sie betrugen in den ersten vier Spieljahren, obwohl das erste nur 5½ Monate zählte, K 2,373.499.14 und sie beweisen, daß das Unternehmen durchaus lebensfähig ist und daß es bei verminderten Lasten mit der Zeit sogar zur Blüte gebracht werden kann. Leider waren diese Einnahmen aber nicht ganz ausreichend für alle Vorauslagen und den großen Betrieb, und sie sind um zirka 200.000 Kronen hinter meinem Erfordernis zurückgeblieben.
Zwei gute Freunde, die an mich und das Unternehmen geglaubt und für mich Bürgschaft geleistet haben, verlieren heute Hab und Gut, wenn es nicht gelingen sollte, die Differenz auszugleichen und den Fortbestand des Theaters zu sichern.

Bedeutung des Theaters.

Der Bestand unseres Theaters ist nicht nur für die heimische Kunst und Literatur, für das christliche Publikum und für die christlich-soziale Partei im Besonderen von ganz eminenter Bedeutung, es ist auch für hunderte von Existenzen bereits eine Notwendigkeit geworden. Durch die Gründung dieses Schauspielhauses sollte der Beweis erbracht werden, daß die deutsche Literatur reich genug ist, das deutsche Theater zu versorgen und daß wir der internationalen Mode-Literatur und der zumeist durch jüdische Übersetzer eingeschleppten französischen Unsitten-Stücke, die das gesunde Gefühl unseres Volkes verpesten, entraten können; durch dieses Theater sollte die vom jüdischen Journalismus vollständig überwucherte und entmutigte heimische Produktion, die seit drei Jahrzehnten fast versiegt schien, wieder geweckt werden; auf dieser Bühne sollte den arischen Talenten auf dem Gebiete der Literatur und der Schauspielkunst der Weg geebnet, durch den Bestand dieses Theaters sollte Bresche gelegt werden in den Ring, der das gesamte deutsche Künstlerleben unterjocht und dasselbe zu seiner geschäftlichen Domäne gemacht hat.
Und dies ist schon in seinen Anfängen gelungen. Wir haben nur christliche Schauspieler, wir führen nur Werke christlicher Schriftsteller auf, unser Theater hat diesen Autoren bereits 110.000 Kronen Tantièmen bezahlt und ihre Werke, die früher unbeachtet blieben, werden jetzt auch an anderen Bühnen gespielt. Der unversöhnliche Haß gegen dieses so reformatorisch und befreiend wirkende Theater, der namentlich in den auswärtigen Korrespondenzen oft zum Durchbruch kommt (um unsere Stücke und Schauspieler bei den reichsdeutschen Direktoren zu diskreditieren), dieser Haß beweist, daß man auf gegnerischer Seite die prinzipielle Bedeutung unseres Theaters ganz genau kennt.

Und Eines ist für mich gewiß: Neben den großen wirtschaftlichen Schöpfungen, welche die christlichsoziale Partei unter der genialen und wahrhaft staatsmännischen Führung Dr. Lueger’s geschaffen, wird man unser Theater einst als eines der bedeutsamsten Werke dieser Partei feiern. Denn von diesem deutschen Schauspielhause, wenn es nur einmal 10—20 Jahre besteht, werden große geistige Wirkungen ausgehen. Das Reinigungswerk in der deutschen Literatur und Schauspielkunst hat von hier seinen historischen Ausgangspunkt genommen und es wird, wenn unser Theater zur Blüte gelangt, nicht mehr aufzuhalten sein. Ginge unser Theater in seiner jetzigen Form unter oder geriete es auch nur in eine Krise, so käme eine große nationale Sache zu Fall und das jüdische Hohngelächter der ganzen Weltpresse würde uns zeitlebens in den Ohren gellen. Der Fall unseres Theaters würde zu einer politischen Affaire gemacht werden, wie es noch wenige gab.

Die Zukunft des Theaters.

Als unser Haus eröffnet wurde, war es im weiten Umkreis konkurrenzlos. Ein Jahr später tat sich sozusagen vor der Tür unseres Hauses das »Colosseum« auf. Ein weiteres Jahr später wurde das »Orpheum« gegen alles Recht und entgegen allen feuerpolizeilichen Vorschriften allmählig in eine Operettenbühne umgewandelt und zwar in eine Bühne, die gleichzeitig ein Varieté-Programm hat, die vor und nach einer dreiaktigen Operette mit Akrobaten und dressierten Stieren arbeitet. Und jetzt wird nur eine Stadtbahn-Haltestelle von unserem Theater entfernt, an der Hernalser-Linie, eine Volksoper projektiert. Die Situation ist also für uns nicht mehr dieselbe wie am Eröffnungstage, und man sollte vielleicht lieber das Bestehende sichern, anstatt Neugründungen anzustreben, die eines Tages sämtlich der Gemeinde Wien zur Last fallen könnten. Wenn heute die Gemeinde Wien z. B. das ganze Unternehmen des Kaiserjubiläums-Stadttheaters konvertieren, den Gründern die 4%, an die sie vom ersten Tage gewöhnt worden sind, aus Gemeindemitteln garantieren müßte und das Theater in eigener Regie führen wollte, würde dies dem Stadtsäckel alljährlich mindestens 200.000 Kronen kosten.

Nach meiner festen Überzeugung ist der Fortbestand und die weitere künstlerische Entwicklung unseres Theaters auf der bisherigen Grundlage möglich, wenn ein neuer Betriebsfond, etwa durch ein Konsortium, beschafft und die ständigen Lasten des Pächters in irgend einer Form vermindert werden können. Das Nächstliegende wäre, die Zinsen für die Gründer von 4% auf 2% herabzusetzen, doch würde ich dies gar nicht empfehlen, denn der Eindruck dieser Maßregel auf die nächstbeteiligten 2000 Vereinsfamilien, die zugleich den Grundstock des Theaterpublikums bilden, wäre ein so empfindlicher, daß das Theater dadurch nur geschädigt würde.
Die Aktion zu Gunsten unseres Theaters könnte auf unauffällige Weise durchgeführt werden und der dem bisherigen jährlichen Defizit entsprechende Teil der Lasten, die der Pächter nicht weiter tragen kann, wäre auf drei Faktoren aufzuteilen:

a) Die Gemeinde bewilligt dem Pächter oder dem Theaterverein für den Pächter die unentgeltliche elektrische Beleuchtung.

b) Der n.-ö. Landtag gewährt dem Theater zu dem bestimmten Zweck, das heimatliche historische Drama, das ganz und gar darniederliegt, zu pflegen, eine Subvention; und

c) es wird ein Abonnement für das Theater eingeleitet, dessen Durchführung gewissermaßen zur Parteisache gemacht werden soll.

Punkt a) würde dem Theater eine jährliche Ausgabe von zirka K 30.000 ersparen; Punkt b) sollte nach dem Muster des steirischen Landtages mindestens K 20.000 betragen (Böhmen subventioniert das deutsche Theater in Prag mit zirka K 200.000, das czechische mit zirka K 300.000 jährlich); zu Punkt c) würde ich eine 50%ige Preisermäßigung zugestehen können, weil gerade unsere Abendvorstellungen durchschnittlich schwach besucht sind und wir eigentlich von dem Ertrage der Nachmittagsvorstellungen leben müssen.

Auf diese Weise könnten die Lasten des Pächters um jenen Betrag vermindert werden, den sein bisheriges jährliches Defizit erreicht hat. Und tritt diese Verminderung seiner Lasten ein, so wird es ihm vielleicht mit Hilfe einiger Parteifreunde auch möglich sein, neues Geld für die Fortführung des Theaters zu finden. Sollte dies Alles nicht erreichbar sein, dann wäre die Katastrophe unvermeidlich.

Wien, Ende Dezember 1902.

Adam Müller-Guttenbrunn[2] m. p.

Die Fackel, V. Jg., Heft 146, 11. 11.1903, S. 12-21




[1] Karl Lueger (1844-1910) war von 1897 bis 1910 Bürgermeister von Wien. Bereits zuvor war er Mitglied antisemitischer Organisationen. Zusammen mit Georg Heinrich Ritter von Schönerer (1842-1921) gehört Lueger zu den tonangebenden Vertretern des Alldeutschen Verbandes (ADV). Dieser wurde von Schönerer 1891 unter dem Namen Alldeutsche Bewegung gegründet und 1896 in Alldeutsche Vereinigung umbenannt. Mitglieder des Verbandes waren auch die Rumäniendeutschen Otto Alscher (1880-1944) und Rudolf Brandsch (1880-1953) sowie Adam Müller-Guttenbrunn. 1893 gründete Lueger die österreichische Christlichsoziale Partei. An seiner Beerdigung nahm auch sein Bewunderer Adolf Hitler teil. (Vgl. Eduard Eisenburger: Rudolf Brandsch. Zeit- und Lebensbild eines Siebenbürger Sachsen, Dacia Verlag, Cluj-Napoca 1983, S. 87; Karl Kessler, Rudolf Brandsch. Ein südostdeutscher Volksmann, Verlag Südostdeutsches Kulturwerk, München 1969, S. 22; Günter Schödl, „Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich”, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs [MÖStA] Nr. 36, 1983, S. 374-408, hier 388.)


[2] Meldung vom Tod Adam Müller-Guttenbrunns (22. Oktober 1852 - 5. Januar 1923) und kurzer Nachruf in: Innsbrucker Nachrichten, 8. Jänner 1923, S. 3:      

Adam Müller-Guttenbrun gestorben. Wien, 6. Jänner.   
Einer der wenigen Österreicher und Deutschen, die sich trotz Sturm und Not aufrecht ihre Ideale bewahrten, der Dichter der Banater Schwaben, Adam Müller-Guttenbrunn, ist gestern [am 5. 1. 1923 - Anm. W.T.] um ½ 12 Uhr mittags an den Folgen eines schweren Herzleidens in seiner Wohnung in Währing gestorben. Der Schriftsteller, der im Oktober 1851 zu Guttenbrunn im Banat geboren war, absolvierte in Temesvar und Hermannstadt das Gymnasium, in Wien die Handelsakademie und lebte dann von 1873 bis 1877 als Staatsbeamter in Linz. Auf Veranlassung [Heinrich] Laubes, des damaligen Direktors des Wiener Stadttheaters, übersiedelte er nach Wien, wo er sich seither ständig aufhielt und sich als Schriftsteller, Theaterdirektor und Redakteur betätigte. Im Jahre 1892 leitete er das neugegründete Raimund-Theater, 1898 übernahm er die Direktion des Kaiserjubiläums-Stadttheaters, das nach seinem Ausscheiden in die Volksoper umgewandelt wurde. Adam Müller-Gnttenbrunn war einer der fruchtbarsten Romanschritsteller. Seine erfolgreichsten Werke sind der Roman „Glocken der Heimat", der das Leben und die Schicksale der Banater Deutschen behandelt, ein Linzer Lokalroman „Es war einmal ein Bischof" und sein reifstes Werk „Auf der Höhe“, der letzte Teil seiner Lenau-Trilogie. In den ersten Parlamentswochen nach dem Umsturz war Guttenbrunn von der deutschnationalen Partei als Abgeordneter gewählt worden, er legte aber ziemlich bald sein Mandat zurück. Im vorigen Jahr gab Adam Müller-Guttenbrunns Geburtstag Anlaß zu vielfachen Ehrungen. Die Wiener Universität verlieh dem verdienten Mann das Ehrendoktorat.

Anmerkung: Alle Hervorhebungen hjs-online.

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[12. November 1982. „Voicu” erklärt der Geheimpolizei den in der Neuen Banater Zeitung, NBZ, vom 27. Oktober 1982 veröffentlichten Beitrag von Nikolaus Berwanger „Müller-Guttenbrunn-Rezeption in Rumänien”. Der Text fußt auf einem Tagungsbeitrag, der in Österreich, anlässlich der im September 1982 organisierten „Mattersburger Gesprächen” von Berwanger vorgetragen wurde] 


[12 noiembrie 1982. „Voicu” explică poliţiei secrete articolul lui Nikolaus Berwanger, apărut în Neue Banater Zeitung, NBZ, din 27 octombrie 1982, „Receptarea lui Müller-Guttenbrunn” în România. Articolul are la bază referatul lui Berwanger, prezentat în Austria, în septembrie 1982, cu prilejul simpozionului organizat în cadrul aşa numitelor „Mattersburger Gespäche” – „Dezbaterile din Mattersburg”]





ACNSAS, I 210847, vol. 2, ff. 265-269v




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Mythos Müller-Guttenbrunn / Mitul Müller-Guttenbrunn 

1926 



„In die Verhältnisse dieses letzten Jahrzehntes vor dem Weltkriege in Ungarn gewähren die Romane und Erzählungen von Adam Müller-Guttenbrunn einen lebendigen Einblick, der, wenn auch nicht immer ganz frei von tendenziösen Häufungen, so doch in dem für uns wesentlichen Punkte, dem Kampf um die sprachliche und gesinnungsmäßige Madjarisierung mit allen Mitteln, ebenso treu wie anschaulich ist. Die ungarische Nationalitätenpolitik hat bei den Deutschen in Ungarn nur wenig Widerstand gefunden.“ (Paul Rohrbach, Deutschtum in Not! Die Schicksale der Deutschen in Europa außerhalb des Reiches, Wilhelm Andermann Verlag, Berlin-Schmargendorf & Leipzig 1926, S. 297.

1933



„Der Erzschwab Adam Müller aus dem Banater Dorfe Guttenbrunn hatte seit Jahren Samenkörner ausgestreut mit seinen Heimatromanen, die von den großen Taten der Kolonisten erzählten, vom ‚Großen Schwabenzug‘ und ‚Josef dem Deutschen‘, die die ‚Glocken der Heimat‘ erklingen ließen - die der magyarische Herr aber verboten hatte. Und die Samenkörner gingen auf! Langsam wischte sich der Schwab die verschlafenen Augen und sah, daß er ja selbst ein Deutscher sei, dem Volke angehört, vor dessen siegreichen Heeren die ganze Welt erzitterte.“ – (Fritz Heinz Reimesch, „Die Donauschwaben“, in: Deutsches Land. Das Buch von Volk und Heimat. Unter Mitarbeit von Schriftstellern aller deutschen Stämme herausgegeben von Dr. Eugen Schmahl. Mit einem Geleitwort von Dr. Hans Steinacher, Reichsführer des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland und mit einem Geleitschreiben von Hans Grimm, Der Büchermarkt G. m. b. H., Berlin 1933 S. 241-246, hier, S. 246. 




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[19.August 1941. Wieder 560 Juden zum Arbeitsdienst eingezogen]


[19 august 1941. Încă 560 de evrei duşi la muncă] 



SodT, 19. August 1941, S. 6 


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[17 Oktober 1941. Otto Alscher, Der Alldeutsche Verband in Belgrad]

[17 octombrie 1941. Otto Alscher, Uniunea pan-germană la Belgrad] 


Der Alldeutsche Verband[1] in Belgrad

Von Otto Alscher[2]

Schon während des Weltkrieges hatte es sich gezeigt, daß ein Näherbringen der von den Mittelmächten besetzten Länder an die Notwendigkeit künftigen Zusammenwirkens zugunsten einer gemeinsamen Raumpolitik dringend ist. Dem sollten die vielen Frontzeitungen des Weltkrieges dienen. Es sei hier nur ein Fall herausgegriffen, die Mission der „Belgrader Nachrichten“, des offiziellen Organs der Militärverwaltung Serbiens. Sie war die größte aller Frontzeitungen des Weltkrieges und erschien in drei Sprachen auch als „Beogradski Novine“ und als „Belgradi Hirek“. Sie war nicht nur über ganz Serbien, auch über Kroatien, Syrmien, die Batschka und das Banat hin verbreitet.
Gegründet wurde sie 1916 und zwar auf Betreiben des „Alldeutschen Verbandes“, dem damals viele der hohen Offiziere der k. u. k. Armee angehörten. Die Absicht war, die Neuregelung Südosteuropas nach dem Kriege vorzubereiten, wie er den erhofften Dauerfrieden bringen und den Brandherd des Balkans ausschalten sollte. So war denn den Belgrader Nachrichten die Aufgabe zugedacht, einerseits als Nachrichtenblatt für die Besatzungstruppen Serbiens zu dienen und auf das serbische Volks selbst beruhigend einzuwirken, dann aber den großdeutschen Gedanken in jene Gebiete Südungarns wieder einzuführen, die als einseitiges Kronland und Militärgrenzgebiet einer deutschen Verwaltung viel mehr zuneigten, als den ständigen Herausforderungen der Budapester Regierung den Kroaten und Deutschen dieses Gebietes gegenüber. Der Programmpunkt des Alldeutschen Verbandes, „Die deutschen Sprachgrenzen sollen deutsche Reichsgrenzen werden“, sollte unter der Bevölkerung Südungarns neu Wurzel fassen. Natürlich durfte nicht offen damit operiert werden und eigentlich nur zwei Vertreter der Schriftleitung hatten in dieser Hinsicht eine direkte Betrauung erhalten.
Nach anfänglichen Versuchen bestand im Jahre 1917 bis zum Kriegsende die Schriftleitung aus folgenden Vertretern: Kommandant der k. u. k. Gouvernementsdruckerei war Hauptmann Franz Xaver Kappus[3]. Die führenden Ressorts des Blattes hatten inne: Erik Krünes, Sudetendeutscher, Josef Stolzing-Cerny[4], der spätere engere Mitarbeiter des Führers und erster Schriftleiter des „Völkischen Beobachters“, dann ich und zuletzt war noch Otto Hauser[5], der bekannte Sprachgelehrte und Literaturforscher hinzugekommen. Der technische Leiter der sehr großen Druckerei war Karl Neumann, Banater Schwabe, der als vorheriger Leiter der „Südungarischen Buchdruckerei“ eng verknüpft mit der deutschen Bewegung in Ungarn war. Die politischen Richtlinien gab der Generalstabschef Oberst Kerchnawe[6], der als bekannter Militärschriftsteller wahrscheinlich auch dem Alldeutschen Verband angehörte, ebenso wie Stolzing-Cerny und ich.
Die Leitartikel, deren Themen jeweils mit Oberst Kerchnawe besprochen oder auch von ihm angeregt wurden, verfaßte hauptsächlich Stolzing-Cerny. Diese Leitartikel mußten übersetzt in der Beogradski Novine und den Belgradi Hirek erscheinen, die auch sämtliche Telegramme und wichtige Nachrichten zu veröffentliihen hatten. Nur die Bestellung des Unterhaltungsteiles war diesen zwei Zeitungen freigestellt. Der Leiter der Beogradski Novine war Prof. Ogrisovic, der noch zwei kroatische Mitarbeiter und den Belgrader Dr. Oserovic neben sich hatte. Die Schriftleitung der Belgradi Hirek bestand aus sieben Mitgliedern, von denen nur zwei Nichtjuden waren.
Die Leitartikel Stolzing-Cernys waren den Ungarn als „Alldeutsch“ besonders verhaßt. Als man darauf gekommen war, daß ich die madjarische Sprache beherrsche, zog man mich zur Auslegung der Stolzingschen Leitartikel heran, wobei man immer wieder versuchte, deren deutsche Richtung abzuschwächen oder zu verdrehen. Bis man dann bemerkte, daß auch ich „Pangermane“ war. Aber auch auf andere Weise versuchten die ungarischen Pressejuden eine Durchdringung der Belgrader Nachrichten mit ihrem Geist. Sie verlangten, daß ihre Schmocknotizen in den Nachrichten erscheinen mögen. Mein Hinweis, daß eine Übersetzung dieser „Schmocknotizen“ zwecklos sei, weil sie der deutschen Gedankenwelt fremd sind, nützte nicht viel, bis ich dann, um mir Ruhe zu verschaffen, eines der leeren schwülstigen, jüdischen Machwerke übersetzte und Oberst Kerchnawe zur Beurteilung vorlegte. Dessen Urteil, das ich ungeschminkt weiter gab, war so vernichtend, daß diese Art der Beeinflussung der deutschen Haltung des Blattes jäh abbrach.
Aber auch von anderer Seite wurden Störungsversuche gegen diese Zeitung versucht. Im Frühling 1918 hatte die Besichtigung der militärischen Einrichtungen Belgrads durch eine ungarische Parlamentariergruppe stattgefunden. Dies hatten die Budapester Blätter zum Anlaß genommen, um die Forderung aufzustellen, Serbien müsse nach dem Kriege Ungarn angegliedert werden. Dies erregte ungeheuere Empörung in Serbien und auch in Kroatien und Oberst Kerchnawe übergab mir den Auftrag, einen Beschwichtigungsartikel darüber zu schreiben und die ungarischen Hoffnungen als vollständig unernst hinzustellen. Der Leitartikel erschien, natürlich auch in den Belgradi Hirek, ich befand mich beim Nachtdienst gerade allein in der Schriftleitung, als ein ungarischer Hauptmann auftauchte und in sehr anmaßendem Ton den Artikel verurteilte. Ich verbat mir dieses unbefugte Auftreten, es kam zu einem Streit, als plötzlich der Fernsprecher klingelte und Oberst Kerchnawe, wie immer um 11 Uhr nachts, die letzten Berichte hören wollte. Ich teilte ihm sogleich den Zwischenfall und die Aeußerungen des Hauptrnannes mit. „Schicken Sie den Hauptmann zum Telephon!“ befahl der Oberst. Dies geschah, die Unterredung war eher kurz und recht kleinlaut von Seiten des Hauptmannes. Kurz danach aber war der Hauptmann aus Belgrad verschwunden.
Stolzing-Cerny war damals schon voll seiner tiefen Überzeugung, von der kommenden Größe des deutschen Volkes und Reiches. Unsere Anschauungen und Wünsche waren die gleichen, ich wußte, daß meiner nach dem Kriege eine Aufgabe im Dienste des Deutschtums in Ungarn harrt und Freund Stolzing hatte damals Lust, auch in diesem Sinne zu wirken. Der Dritte im Bunde dieser „Alldeutschen Verschwörer“, wie wir genannt wurden, war Karl Neumann, der Mann mit der glücklichen Hand, der in aller Welt Verbindungen hatte und auch das durchzusetzen imstande war, was auf gewöhnlichem militärischem Wege unmöglich erschien. Besonders bereichernd waren später auch die Stunden mit Otto Hauser, der, obwohl jeder Politik fremd gegenüber stehend, in seiner hohen Anschauung von einer germanischen Mission des deutschen Volkes, in seiner strengen, rassischen Überzeugung, ungeheuer befruchtend wirkte.
Die Belgrader Nachrichten hatten bei längerem Erscheinen die deutsch geschriebenen jüdischen Tageszeitungen Budapests aus dem ganzen Banate verdrängt, wie ihnen dies schon in der Batschka, in Syrmien und der Schwäbischen Türkei gelungen war. Es gab damals, außer in Siebenbürgen, in ganz Ungarn keine einzige, im deutschen Sinne gehaltene deutsche Tageszeitung, die wenigen Wochenbläter der „Ungarländisch-deutschen Volkspartei“ hatten, ständig von den madjarischen Behörden bedrängt, schwer mit ihrem Bestehen zu kämpfen, an die Belgrader Nachrichten aber wagten sich diese chauvinistischen Organe nicht heran, weil mit der Militärverwaltung nicht zu spaßen war.
 SodT, 68. (23.) Jg., 17. Oktober 1941, S. 5.





[1] Alldeutscher Verband – siehe Anmerkung - weiter oben - zu Karl Lueger.

[2] Otto Alscher (8.1. 1880-29./30.12. 1944), Schriftsteller und Journalist. Wegen seiner Mitgliedschaft in der Kulturkammer, die der NSDAP der Deutschen Volksgruppe in Rumänien unterstellt war, wurde er nach dem Sturz des militär-faschistischen Antonescu-Regimes am 23. August 1944 zusammen mit anderen ehemaligen Amtswaltern der Volksgruppe sowie rumänischen Unterstützern der untergegangenen Militärdiktatur in das Lager von Tîrgu Jiu interniert, wo er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit starb. Alscher war kein exponierter Nazi und hat nur wenige völkische und pro-nazistische Gelegenheitstexte veröffentlicht, im Unterschied zu dem Kulturkammerchef Rudolf Hollinger (13.8. 1910-7.1. 1997). Alscher ist insbesondere als Verfasser von Tiergeschichten bekannt. Ausgewähte Texte sind auch im kommunistischen Rumänien erschienen, inklusive in den Deutschlehrbüchern.

[3] Franz Xaver Kappus (1883-1966), Schriftsteller und Journalist. Empfänger der Rilke-Briefe („Briefe an einen jungen Dichter“, 1929) und Verfasser des expressionistischen Romans, Die Peitsche im Antlitz, Temeswar 1921.

[4] Josef Cerny (1869-1942); als Schriftsteller nannte er sich Josef Stolzing-Cerny. Er redigierte das Manuskript von Hitlers „Mein Kampf“ und schrieb als Redakteur des Völkischen Beobachters u. a. Musikkritiken (vgl. Stefan Sessler, „Paula Schlier. Undercover bei den Nazis“, in: Merkur, 27.12. 2013 - https://www.merkur.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/adolf-hitler-per29794/voelkischer-beobachter-undercover-nazis-3287917.html - letzter Zugriff, 23.5. 2020; Paul Hoser, „Großdeutsche Zeitung“, in: Historisches Lexikon Bayerns, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Gro%C3%9Fdeutsche_Zeitung - letzter Zugriff, 23.5. 2020).

[5] Otto Hauser (1876-1944). Vertreten in der von Adam Müller-Guttenbrunn herausgegebenen protovölkischen Anthologie, Schwaben im Osten. Ein deutsches Dichterbuch aus Ungarn, Verlag Eugen Salzer, Heilbronn 1911. 

[6] Hugo Kerchnawe (1872-1949), österreichischer Generalmajor, Historiker (vgl. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 [ÖBL], Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 297-298).

Anmerkung: Alle Hervorhebungen hjs-online.

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Hier - aici


I. Teil - Partea I

II. Teil - Partea a II-a 


III. Teil - Partea a III-a

IV. Teil - Partea a IV-a 


Actualizat - aktualisiert, 12.9.2020, 21:53 h